Stilrichtungen des Metal, Teil 6: Black Metal

Black Metal ist in meinen Augen die extremste Form des Metal. Neben Death und Thrash Metal gehört dieser Musikstil in den Bereich des Extrem-Metal. Und zwar aus gutem Grund, ist er doch in vielen Belangen extrem. Wenn ich an Black Metal denke, fallen mir zum einen die in dieser Szene vorherrschenden Ideologien ein, zumeist bestehend aus Satanismus, allgemeiner Misanthropie oder anderen krassen Weltanschauungen. Zum anderen denke ich an das charakteristische Auftreten der Bands, ihre Outfits und Ästhetik: umgedrehte Kreuze, Leder, Nieten und Patronengurte sowie Corpsepaint (schwarz-weiße Gesichtsbemalung). Pseudonyme sind allgegenwärtig; fast jeder Musiker gibt sich einen Künstlernamen. In Bezug auf die Musik ist dieser Metal-Stil roh, kalt, eher unmelodisch und sehr schnell. Typisch ist der Gesang, der als Krächzen oder Kreischen bezeichnet werden kann. Soweit der grobe Umriss.

 

King Diamond live 2006 Moscow 01 Über die Jahre vollzog dieses Genre eine interessante Entwicklung. In den Achtzigerjahren fing alles recht harmlos an. Damals waren es Bands wie Venom, Mercyful Fate (Foto) und Bathory, die den Weg ebneten. Venoms Album Black Metal gilt als Namensgeber. Die britische Band spielte mit satanischen Symbolen und provozierte damit bewusst. Einen ernsten Hintergrund hatte dies jedoch nicht. In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern kristallisierte sich Skandinavien, insbesondere Norwegen und Schweden, als Black-Metal-Zentrum heraus. Zu den wichtigsten Bands aus diesem Raum gehören Mayhem, Dissection, Marduk, Darkthrone, Satyricon und Immortal. Bis heute verbinden viele Metaller mit Black Metal vor allem skandinavische Bands, obwohl der Stil natürlich auch anderswo vertreten wird.

 

Musikalisch, wie auch in jeder anderen Hinsicht, grenzt sich BM stark von anderen Subgenres ab. Die in der Regel nicht tiefer gestimmten Gitarren spielen disharmonische, schnelle Riffs. Auch das Drumming ist sehr schnell, mit vielen Blastbeats. Dazu gesellt sich der bereits erwähnte Kreisch-Gesang, an dem man BM-Bands sofort erkennt. Die auf diese Weise erzeugte Musik klingt für Außenstehende mitunter wie ein undefinierbarer Brei oder Krach. Das ist durchaus gewollt, denn Black Metal will der Masse nicht gefallen. Kommerzieller Erfolg wird von “echten” (true) Black Metallern verachtet. Aus diesem Grund sind die Alben absichtlich schlecht produziert. Es soll rau, unpoliert und nach Underground klingen. Das tut es dann auch. Viele Liebhaber des ursprünglichen Black Metal schätzen genau das und lehnen Bands ab, deren Alben einen klareren Sound aufweisen oder die gar kommerziell erfolgreich und damit massenkompatibel sind.

 

Death y Euronymous Neben der Musik nehmen die Lebenseinstellungen und das daraus resultierende äußere Erscheinungsbild der Bands eine zentrale Rolle ein. Hier wird es ein wenig kompliziert. Bleiben wir in Skandinavien, genauer gesagt in Norwegen. Hier spielten sich in den Neunzigerjahren nämlich verschiedene Vorkommnisse ab, die die Szene in den Fokus der Öffentlichkeit rückten. Dafür verantwortlich waren einige junge Black Metaller, die diverse Straftaten – bis hin zum Mord – begangen. Das erste schockierende Ereignis war der Selbstmord des damaligen Mayhem-Sängers, der bezeichnenderweise das Pseudonym Dead trug. Der Suizid an sich war gar nicht das Verstörendste daran. Sein Bandkollege und wichtige BM-Persönlichkeit Euronymous (richtiger Name Øystein Aarseth) fand den Toten, der sich in den Kopf geschossen hatte (das Bild oben zeigt beide zusammen, Dead links). Er machte Fotos, um sie später auf Album-Covern zu verwenden. Zudem sammelte er einige Schädelsplitter ein, aus denen er Kettenanhänger anfertigen ließ, die er an Freunde verschickte. Erklären lässt sich solch zynischer Wahnsinn mit einer Ideologie, die den Tod verehrt und menschliches Leben als minderwertig ansieht. Ab diesem Ereignis sorgten Norwegens Black-Metal-Protagonisten für eine Schlagzeile nach der anderen.

 

Zur damaligen Zeit entstanden zahlreiche Bands und gleichzeitig eine Bewegung, die ihren Überzeugungen Taten folgen ließ. Skandinavischer Black Metal in der Regel satanisch oder zumindest antichristlich. Einige Mitglieder der norwegischen Szene verliehen ihrer Denkweise Ausdruck, indem sie Kirchen in Brand steckten. Auch Grabschändungen und Angriffe auf Andersdenkende kamen vor. 1992 verübte Bård G. Eithun, Mitglied der Band Emperor, einen Mord. Zu derartigen “Aktionen” gesellte sich zu allem Überfluss auch noch eine politische Komponente. Mehrere Musiker machten allerlei nationalistische und rechtsradikale Aussagen in Interviews. Später distanzierten sich einige davon oder wiesen den Vorwurf, rassistisch zu denken, von sich. Dennoch hatten diese Äußerungen maßgeblichen Einfluss darauf, dass Black Metal, auch in Deutschland, in Teilen von Nazis unterwandert ist. Diese politisch geprägte Strömung wird als NSBM (nationalsozialistischer Black Metal) bezeichnet. Den allermeisten Metalheads, mir übrigens auch, ist das alles ein Dorn im Auge.

 

Die drastischen Geschehnisse in Norwegen fanden 1993 ihren Höhepunkt. Neben Euronymous war Varg Vikernes, einziges Mitglied von Burzum, eine wichtige Figur der Szene. Im August ’93 ermordete Vikernes (Pseudonym Count Grishnackh) seinen ehemaligen Freund Euronymous mit 23 Messerstichen. Die Haftstrafe für diese Tat hat er mittlerweile abgesessen. Vikernes ist bekennender Rassist, der über die Jahre mit teils widersprüchlichen und wirren Theorien sowie mit einem missglückten Ausbruchsversuch aus dem Knast Aufmerksamkeit erregte. Die atmosphärische Musik Burzums wird innerhalb der Szene hoch geschätzt. Während einige Metaller Vargs politische Ansichten ausklammern oder tolerieren, lehnen andere Burzum aus diesem Grund konsequent ab.

 

Nach dem Mord ging der ursprüngliche norwegische Black Metal ziemlich den Bach runter. Zwar gab es noch einige Veröffentlichungen, aber Black Metal war nicht mehr das, was er war. Es entstanden neue Bands und neuartige Richtungen. Für viele Fans ist das Genre damals gestorben. Dafür gab es einen neuen Stil, den Symphonic Black Metal. Mit rohem, unzugänglichen Black Metal hat dieser nichts mehr gemein. Die Produktionen weisen einen satten, bombastischen Sound auf und die Songs sind weitaus eingängiger. Wichtigste Vertreter sind Cradle of Filth (aus England) und Dimmu Borgir (Norwegen). Eine zeitlang habe ich diese beiden Bands sehr gerne gehört. Dabei hatte ich aber nie das Gefühl, Black Metal zu hören. Es fehlt die Ernsthaftigkeit, das Böse, die kalte Atmosphäre, die Black Metal ausmacht. Ernsthaft wirken diese Bands nun wirklich nicht. Bei Cradle of Filth dreht sich alles um Horror- und Grusel-Themen. Von überzeugtem Satanismus keine Spur. Die Bezeichnung Black Metal verdienen beide Bands nicht.

 

Watain 27 03 2014 08 Ein weiteres Beispiel für eine norwegische Band, die sich ein gutes Stück vom Black Metal weg entwickelt hat, sind Satyricon, die ich sehr mag. Gerade weil sie sich in eine andere Richtung gewendet haben. Ehrlich gesagt kann ich mit ursprünglichem Black Metal meist nicht viel anfangen. Was Satyricon machen, finde ich hingegen großartig. Die Band ist eigentlich nur zweiköpfig und tritt live mit Gastmusikern auf. Letztes Jahr übrigens auch auf dem WGT. Auch wenn BM nicht wirklich mein Genre ist, gibt es hin und wieder Bands, die mich positiv überraschen. Auf den Festivals letztes Jahr waren das die Schweden Watain. Die Musik ist sehr atmosphärisch und die Bühnenshow mit Ritualen und Kerzen (siehe Foto), aber auch Blut und Gestank, sorgt für ein intensives Erlebnis.

 

Natürlich gibt es noch viele bedeutende, berüchtigte und interessante Black-Metal-Bands, die ich hier nicht erwähnt habe. Black Metal ist ein weites Feld. Eine reine Beschreibung der Musik reicht da einfach nicht aus. Die Weltanschauung, die politische Kontroverse sowie die Ereignisse in Norwegen gehören dazu. Ich hoffe, ich konnte Euch einen Überblick über diese vielschichtige Szene geben. Im nächsten Teil wird es weitaus weniger böse zugehen.

 

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