Damien Echols und die Geschichte der West Memphis Three

Heute möchte ich Euch Damien Echols und seine Lebensgeschichte vorstellen. Was er erlebt hat, ist eigentlich unfassbar. Und heute ist Damien eine wirklich faszinierende Persönlichkeit. Ihr habt keine Ahnung, von was und wem ich gerade erzähle? Folgendes ist passiert:

 

Es geht um die sogenannten West Memphis Three. 1993 wurden drei achtjährige Jungs im US-amerikanischen Arkansas in West Memphis ermordet. Man fand sie nackt und gefesselt. Des Verbrechens für schuldig befunden wurden drei Teenager: Jessie Misskelley, Charles Jason Baldwin und Damien Echols – die West Memphis Three. Damien war damals 18 Jahre alt und wurde zum Tode verurteilt; die beiden anderen erhielten lebenslänglich.

 

Zum Tode verurteilt 

 

Damien echols 2012 Angeblich handelte es sich um einen satanischen Ritualmord. Zu dieser Annahme kam die Justiz aufgrund des Musikgeschmacks und Kleidungsstils von Echols und Baldwin, der in Richtung düster, Metal, alternativ ging (längere Haare, dunkle Kleidung etc.). Mit Misskelley hatten die beiden eigentlich gar nicht viel zu tun; sie kannten ihn aus der Schule. Im Laufe der Ermittlungen und Befragungen gestand dieser aber, die Kinder gemeinsam mit den beiden anderen getötet zu haben. Und da fangen die Ungereimtheiten schon an. Sein Geständnis widerrief er nämlich ziemlich schnell wieder und gab an, die Polizei habe ihn eingeschüchtert und er habe Angst gehabt. Mit einem IQ von 72 war Misskelley vermutlich ohnehin nicht in der Lage, alles zu verstehen, was die Polizei ihm erzählte. Er wurde stundenlang verhört, und zwar ohne seine Eltern, obwohl er minderjährig und zurückgeblieben war. Aufgezeichnet wurden nur Teile der Befragungen.

 

Damien und Jason wurden in einem separaten Verfahren verurteilt. Alle drei landeten im Gefängnis. Damien Echols sogar im Todestrakt, wo er ganze 18 Jahre auf seine Hinrichtung warten sollte. Doch dazu kam es glücklicherweise nie. Es dauert nicht lange, bis erste Zweifel bezüglich der polizeilichen Ermittlungen und der Arbeit der Justiz aufkamen. 1996 erschien der erste Teil der dreiteiligen Dokumentation “Paradise Lost” (deutscher Titel: Das verlorene Paradies – die Kindermorde in Robin Hood Hills). Teil Zwei folgte im Jahre 2000 und Teil Drei schließlich 2011. Die Doku setzt sich kritisch mit den Geschehnissen auseinander und deckt allerlei Widersprüchliches und Fragwürdiges auf.

 

Prominente Unterstützer

 

Nicht zuletzt dank der Doku erhielt der Fall große mediale Aufmerksamkeit. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus dem Musik- und Filmbusiness glaubten an die Unschuld der Drei und setzten sich für sie ein, darunter Eddie Vedder, Johnny Depp, Robert Smith und Peter Jackson. Im Jahr 2007 gab es tatsächlich neue Beweise, die die Verurteilten entlasteten. Es stellte sich heraus, dass damals am Tatort gefundenes genetisches Material mit keinem der Drei übereinstimmte. Stattdessen passten die DNA-Spuren zum Stiefvater eines der getöteten Jungen. Trotzdem lehnte der Richter es ab, den Fall wieder aufzunehmen.

 

Im Jahre 2011 kamen Misskelley, Baldwin und Echols dennoch frei. Das geschah im Rahmen einer seltsamen Regelung des amerikanischen Justizsystems, bei der sie sich quasi schuldig bekennen mussten, dann aber zu der Haftstrafe verurteilt wurden, die sie bereits abgesessen hatten … wenn ich dieses paradoxe Gesetz richtig verstanden habe. Sie wurden jedenfalls nicht freigesprochen, waren aber de facto frei. Auf diese Weise musste der Staat sie nicht entschädigen oder auch nur eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben. Hat man da noch Worte!? Nach über 18 Jahren war der Spuk also endlich vorbei und Damien Echols durfte den Todestrakt verlassen und musste keine Angst mehr haben, vor dem  Tag, an dem der Staat ihm das Leben nimmt.

 

West of Memphis – die ganze Story im Film

 

Ich wurde das erste Mal auf den Fall aufmerksam, als 2012 der Film „West of Memphis“ herauskam. Die von Peter Jackson produzierte (Regie führte Amy Berg) Dokumentation beleuchtet noch einmal die gesamte Geschichte von Anfang bis Ende. Dabei hatte ich die Ehre, einer Aufführung beizuwohnen, an der Damien Echols und Sir Peter Jackson höchstpersönlich teilnahmen. Im Anschluss an den Film berichtete Echols von seinen Erfahrungen und die beiden beantworteten Fragen. Auch mit dabei war Damiens Frau Lorri Davis, die während seiner Inhaftierung Kontakt zu ihm aufnahm. Es war unglaublich beeindruckend, diesem Mann zuzuhören. Wann hat man schon mal jemanden vor sich stehen, der etwas derartiges erlebt hat und der Todesstrafe entgangen ist. Unvorstellbar, was er durchgemacht haben muss. Zu der Zeit hatte er noch damit zu tun, sich in der Welt zurechtzufinden.

 

Wer sich “West of Memphis” ansieht (oder auch die Paradise-Lost-Reihe, aber die habe ich selbst nicht gesehen), wird Zeuge eines Justizskandals. Da wurde munter manipuliert, Spuren wurden verwischt und Hinweise ignoriert, eine Zeugin hat gelogen, dass sich die Balken bogen (und dies später zugegeben) und überhaupt scheint die Polizei sich alle Mühe gegeben zu haben, möglichst schnell ein paar Schuldige auszumachen. Schaut es Euch mal an – ein sehr guter Film. Eine Anmerkung am Rande: Wie das immer so ist, gibt es Stimmen, die nach wie vor der Meinung sind, die West Memphis Three seinen schuldig. Nach allem, was ich gesehen und gelesen habe, bin ich davon überzeugt, dass es nicht so ist. Aber macht euch bitte selbst ein Bild.

 

Mindestens ebenso empfehlenswert wie der Film ist Damien Echols’ Buch “Life after Death” bzw. “Mein Leben nach der Todeszelle”. Ein tolles Buch, das mich sehr bewegt hat. Echols ist ein intelligenter, hochinteressanter Mensch; er kann wirklich gut schreiben, verfasst auch Gedichte und malt. Zudem ist er spirituell veranlagt und interessiert sich für Magie, Tarotkarten und dergleichen. Ein überaus vielseitiger, kreativer Mann also. Hier erfahrt Ihr mehr:

https://instagram.com/damienechols/

http://damienechols.com

Außerdem macht er noch einen Podcast namens Transgression (einfach mal nach suchen) mit den beiden Künstlern David Stoupakis:

http://www.davidstoupakis.com und Menton 3: http://www.menton3.com. Deren Kunst dürfte sicher einigen von Euch bekannt sein und/oder gefallen.

So, nun seid Ihr ja gut versorgt mit Empfehlungen und Links. Viel Vergnügen!

 

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