Das tun Gothics nicht! Teil 4

Von Johann Heinrich Füssli - The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151185
Johann Heinrich Füssli: Nachtmahr, 1802

Heute scheint mal wieder die Sonne. Warm ist aber was anderes. Aber so kann ich sagen, daß die Sonne die schwarzen Schatten in der Nacht vertreiben. Schatten, die Unheimliches und Mysteriöses in sich bergen.

 

Ängste. Natürlich haben Gothics so überhaupt keine Ängste. Die Stinos denken, wir beschäftigen und ja nur mit dem Tod, dem Leben danach und allerlei gruseligem Zeugs. Ein Horrorfilm bringt uns eher zum Lachen, als bei den gezielten Schreckeffekten das Zusammenzucken. Den Kopf einziehend und panisch unter einer Decke sitzend und auf den nächsten Morgen hoffend Gebete an jede Gottheit der Erde sendend.

 

Das kennen nur die Stinos, oder?

 

Falsch, jeder hat Angst. Manchmal nachvollziehbar, Existenzängste zum Beispiel. Wenn Goth Kinder zu versorgen hat, dann möchte man das gut machen und den Kindern alles notwendige bieten. Nicht irgendwelchen unnützen Luxustralala, sondern Essen, Trinken, Kleidung und ein Heim.

 

Das sind reale Ängste, die jeder hat. Dann gibt es auch andere Ängste, die vielleicht albern erscheinen. Cenosillicaphobie könnte einen passionierten Wein- oder Biertrinker bösartig überfallen, wie diese Angst bei einem gothischen Mettrinker heißt, müßte ich mal googeln. Cenocornusphobie fänd ich ja ganz hübsch 😉 .

 

Von Patrick Glanz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6364659
Oleg Popow, bekannt schon in den 1960er-Jahren, 2009 mit dem Russischen Staatszirkus in Worms, Deutschland

Aber meist wird uns ja ohnehin eine Autophobie (ähhh… nein, nicht die Angst vor Kratzern in unserer Luxuskarre *hömmhömm* sondern die Angst vorm alleine sein) unterstellt. Aber was ist denn Angst überhaupt?

 

Wikipedia sagt dazu: „Angst ist ein Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein. Krankhaft übersteigerte Angst wird als Angststörung bezeichnet.“

 

Prinzipiell unterscheidet man vom Wort her Angst und Furcht. Angst ist ein beengendes unbestimmtes Gefühl, während Furcht objektbezogen ist. Man hat also gezielt vor etwas Furcht. Zudem ist Angst auch eine situationsbedingte entstehende Emotion.

 

Ist sie zum Beispiel aus „Angst vor Veränderungen“ (man denke an Garth, der sagte – frei zitiert: „Veränderungen… alle sagen Veränderungen seien gut, dabei liegen sie alle falsch… Veränderungen sind böse!“) noch ein Zwang dabei, dann kommt man zu Kontrollzwängen, Esszwängen, Reinigungszwängen… und das im schlimmsten Fall bis hin zu Phobien, Paniken und Psychosen.

 

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75132
Friedhöfe sind in Horrorfilmen ein beliebtes Mittel zur Erzeugung von Unbehagen.

Dabei sind Ängste normalerweise gut. Die entstehen im Rahmen des Selbsterhaltungstriebes des Menschen und gehören zur Grundausstattung jedes Menschen. Sie sollen vor möglichen Gefahren schützen. Ich denke, wir sind ja gerade die Erben der pessimistischen, ängstlichen Neanderthaler. Warum? Nun, der fröhliche mutige Neanderthaler ist munter auf der Wiese rumgehüpft und wurde, weil er ja nicht kräftig, schlau oder schnell genug ist, vom Säbelzahntiger gefressen. Die anderen, die vor Angst nicht aus der Höhle krabbelten, tja, die haben überlebt und sich vermehrt.

 

Nun haben wir nicht alle vor dem selben Angst und vielleicht ist das das, was uns Gothics von den Stinos unterscheidet. Wir fürchten (und da spreche ich mal im allgemeinen von „uns“, denn ich hab noch keinen getroffen, der sehr abweichende Ängste hatte) uns weniger vor Geistern, Monstern und Vampiren.

 

Nein, es sind dann andere Dinge. Ich finde Clowns gruselig. Und das nicht erst seit ES, aber ich denke, es ist eine Begründung WARUM ich gerade vor Clowns Angst habe (oder eher Furcht? *grübel *) . Ich traue den lächelnden Halunken nicht, die hinter ihrer Maske todtraurig sein können. Kennt ihr diese Plakate mit dem grinsenden Kasperle Gesicht? Auch so der Horror… ich verstehe nicht, warum die gerade vor Kindergärten aufgehangen werden!

 

Das ist aber auch eine Sache, die man lernt. Man trainiert sich die Ängste also selber an. Natürlich kommt dann auch dazu, was man von den Eltern und Familie und Freunden übernimmt. Ich hab zum Beispiel mit meiner damals kurz vor dem dritten Geburtstag stehenden Tochter den Film „Der kleine Vampir“ angesehen, frei ab 6 (glaub ich). Ich brauchte ein Alibi, warum ich in einen Kinderfilm gehe. Aber Lotti war so fasziniert von dem Film, daß sie Limo und Popcorn vergaß und plötzlich begeistert quietschte: „Guck mal, Mami, da ist der Graf Krolock!“ – Hab eindeutig zu oft „Tanz der Vampire“ mit ihr gesehen…

 

Angst hat sie bis heute nicht davor. Clowns und Kasperle dagegen… auch die findet sie schauderhaft und wenn man sich anschleicht und „Buh“ sagt, da hüpfen wir beide kilometerweit.

 

Es ist also immer vom Typ her abhängig, wer wovor Angst hat und wie er / sie damit umgeht. Daß wir Gothics dann weniger vor „Gruselzeugs“ Angst haben, liegt wohl darin begründet, daß wir uns einfach damit mehr beschäftigen und eben andere Prioritäten setzen.

 

So, nun werde ich meine Angst vor Menschenmassen angehen und auf dem Flohmarkt bißchen herum gucken, einen sonnigen Sonntag wünsche ich euch,

 

eure Luna ^v^

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