Die düstere Kunst des HR Giger

Wer ein Faible für dunkle Ästhetik hat, kommt an einem Künstler nicht vorbei: Hansruedi Giger. Im Mai letzten Jahres hat der Schweizer im Alter von 74 Jahren das Zeitliche gesegnet – ein herber Verlust für seine vielen Anhänger und die Welt der surrealistischen Künste. Seine Bilder, Skulpturen und Möbelstücke werden wohl auf ewig unvergessen bleiben. Gigers Kunstwerke sind individuell, fantastisch, atmosphärisch und geheimnisvoll. Sie ziehen den Betrachter in ihren Bann und entführen ihn in eine fremde Welt – eine Welt aus ebenso mystischen wie futuristischen Wesen und expliziten, teils pornografischen Darstellungen. Gigers Kunst ist provokant und kritisch. Sie regt zum Nachdenken und Hinterfragen an und greift gesellschaftliche Themen, wie Religion oder unseren technischen Fortschritt, auf. Sie ist von wahnsinniger Ausdruckskraft und finsterer Schönheit. Ich finde sie wunderbar.

Birth MachineGigers Werke begeistern mich schon viele Jahre. Ich erinnere mich, dass ich die Wände des Schlafzimmers meiner ersten eigenen Wohnung mit Bildern aus einem Giger-Kalender schmückte. Das war immerhin vor etwa 13 Jahren und da verehrte ich Giger bereits eine ganze Weile. Damit war und bin ich eine von Vielen – Gigers Kunst konnte große Erfolge verbuchen, was doch irgendwie erstaunlich ist, da sie weit davon entfernt ist, den Mainstream-Geschmack zu bedienen. Verantwortlich dafür sind sicherlich die “Alien”-Figuren und der im Jahr 1980 für diese Arbeit verliehene Oscar. Diese Kooperation mit Ridley Scott rückte Giger schon früh in den Fokus der Öffentlichkeit, sodass die Kunst des Schweizers ein breiteres Publikum erhielt. Insbesondere in der Metal-, aber auch in der Schwarzen Szene ist die Anhängerschaft verständlicherweise groß. So zierten seine Motive die Cover verschiedener Alben, etwa von Danzig, Celtic Frost und Debbie Harry. Für Korn-Sänger Jonathan Davis kreierte Giger zudem einen extravaganten Mikrofonständer.

H. R. GigerAlle seine Kunstwerke, seien es Airbrush-Gemälde, plastische Gebilde oder Möbel, zeichnet der spezielle Stil aus, der so unverkennbar ist. Ein Giger-Kunstwerk ist auf den ersten Blick eindeutig als solches erkennbar. So viel Individualität verdient Bewunderung, wie ich finde. Giger hat etwas erschaffen, was so noch nicht existierte, er hat seinen persönlichen, unverwechselbaren Kunststil entwickelt. Dieser ist obskur und manchmal verstörend. Zentrales Element sind die Biomechanoide – Geschöpfe mit gleichermaßen menschlichen und mechanischen Zügen. Allgemein geht es um Geburt, Tod, Krieg und die Zukunft der Menschheit. Wiederkehrende Motive sind satanistische Symbole in seinen früheren Arbeiten, weibliche wie männliche Geschlechtsorgane, insbesondere Phallen, Schusswaffen sowie allerlei fantastische Wesen. Giger war ein Meister im Erschaffen fremder Kreaturen und Welten, die den Betrachter gleichzeitig verängstigen und fesseln, abstoßen und anziehen.

Nicht nur in meinen Augen war er ein wahres Genie, dessen vielschichtige Kunst ich immer zu schätzen wissen werde. Wer sich die Werke aus der Nähe ansehen möchte, sollte das Giger-Museum in Gruyère besuchen. Ich war leider noch nicht da (obwohl ich kürzlich an dem Ort vorbei gefahren bin, ohne zu wissen, dass sich das Museum ausgerechnet dort befindet…hmpf!), möchte das aber unbedingt in naher Zukunft nachholen, um für ein paar Stunden voll und ganz in das Giger-Universum einzutauchen.

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