Ein Abend mit Maden und Leichen

Mark Benecke - eine faszinierende Persönlichkeit
Mark Benecke – eine faszinierende Persönlichkeit

Guten Morgen. Was war das für ein interessanter Abend. Schon lange bin ich Fan von Dr. Mark Benecke, dem Kriminalbiologen. Er sieht sich nicht nur für die Polizei Leichen und Tatorte an, sondern ist neben seiner politischen Karriere auch noch der Vorsitzende der Transsylvanian Society of Dracula.

 

Damit schlägt er voll in mein Interessengebiet, da ich ja ein bekennender Vampirjunkie bin und alles über diese faszinierenden Wesen wissen möchte (hier wieder der Aufruf an die Nackenbeißer: Ich würde sehr gerne einen echten Vampir kennenlernen und wenn DU einer bist und meine zahllosen Fragen beantworten magst… nun, über eine Entlohnung können wir verhandeln. Beiß aber nicht zu dolle 😉 ).

 

So, ich bin also am Freitag Abend durch Höchst geirrt, um noch rechtzeitig einen Parkplatz zu ergattern und dann den Vortrag „Insekten auf Leichen“ im Bikuz zu genießen (jaja, klingt schräg, was?). Hier ein Aufruf an den Veranstalter: Es wäre toll, wenn man das nächste Mal eine Location wählt, die nicht nur viel Platz für die Besucher IN dem Saal bietet, sondern auch draußen genug Parkmöglichkeiten. Das ist etwa unglücklich gelöst worden, denn Bahn (bei der die letzte kurz vor 23 Uhr genommen werden konnte) und Parkplatz waren am Höchster Bahnhof nicht genug vorhanden!

 

Sehr pünktlich begann Mark also, uns mit der Thematik zu betrauen, zeigte über eine riesige Leinwand Fotos, während er referierte. Natürlich zuerst ein paar angenehme Fotos, ein witziges Gruppenfoto mit seinen „Schülern“ beim Nachstellen eines mysteriösen Todesfalles mit einer am Baum stehenden Leiche an einem… hmmmm… wie waren da seine Worte? Straßenabschnitt, an dem die Sexarbeiterinnen ihre Gäste in Empfang nahmen.

 

Hier waren mehrere in Schutzanzügen gekleidete Menschen zu sehen, die sich des Geruchs wegen die Nasen zuhielten und ein vor Freude strahlender Mark Benecke mit zwei erhobenen Daumen. Das rief Gelächter im Publikum hervor.

 

Nun, die anderen Bilder waren nicht ganz so witzig, in Anbetracht der Tatsache, daß es sich um echte Fotos von Leichen handelte. Und zwar mit allen unappetitlichen Details: verteilten Körperflüssigkeiten, Druckstellen und natürlich den Insekten, die munter auf ihnen herumkrochen. Ich bin nur froh, daß die Gerüche NICHT wahrzunehmen waren!

 

Vielleicht bin ich auch abgehärtet durch so Kassenreißerfilme wie SAW und Final Destination, in denen man hollywoodlike übelst Menschen massakriert oder durch die Medien, die inzwischen auch ungefiltert Bilder von Toten über die Mattscheibe flimmern lassen, aber um ehrlich zu sein, wenn man nur die Bilder ansah, war es nicht so schlimm.

am Merchandise Stand erworbene Artikel konnten auch direkt von Mark Benecke signiert werden
am Merchandise Stand erworbene Artikel konnten auch direkt von Mark Benecke signiert werden

 

Für die meisten waren sicher die Geschichten ZU den Bildern das, was nicht nur ans Herz sondern auch an den Magen gingen. Es war z. B. eine Wasserleiche, ein paar Leichen, die durch den Tsunami in Thailand im Wasser trieben, eine Tote auf dem Sofa und: eine an Vernachlässigung gestorbene Kinderleiche.

 

Wie gesagt, es waren „nur“ Bilder und mit den ausgeblendeten Gedanken an die möglichen Gerüche, konnte man sie ohne weiteres ansehen. Mark erklärte dabei, warum man welche Merkmale und Insektenbefall finden konnte.

 

Interessant war, daß Menschen direkt nach dem Ableben sofort besiedelt werden und gleichzeitig eine Mumifizierung einsetzt. Das äußert sich in einer Verdunklung der Haut (Mark benutzte dazu einen Schinken als Vergleich…). Insekten würden sich also nun bevorzugt für die Eiablage dunkle, warme und feuchte Stellen suchen, an denen dann die Maden wachsen und gedeihen können. Und darüber könne man dann wieder die „Liegezeit“ einer Leiche bestimmen.

 

Doch auch viele Spuren können verfälscht werden, denn andere Tiere greifen in der Natur wieder ein und fressen an den Leichen und Maden. So kam das Team um Dr. Mark Benecke nur durch einen Zufall auf Nacktschnecken, die komplett Maden wegfraßen und so Spuren verfälschten. Bei einer anderen Leiche fand man nur den Kopf, der von den Wildschweinen übrig gelassen worden war. Während Hunde die Finger auffressen (und das nur, weil sie eben ihre Herrchen und Frauchen wecken wollen) und Katzen den Leichen durch wegknabbern der Lippen ein „glückliches Lächeln“ bescheren, fressen nur Wildschweine sogar die Knochen von den Toten – bis eben auf die Köpfe.

 

Man müsse eben als Kriminalbiologe und Forensiker nicht denken und Thesen aufstellen, sondern nur ausprobieren und dann Fakten sammeln. Interpretationen und Deutungen MÜSSEN Richter, Anwälte und andere übernehmen. Deswegen hatte sich Mark auch seltenst für die Auflösung vor Gericht der Fälle interessiert (nur wenn ihm zufällig mal eine Aufklärung zu Ohren kam, konnte er uns davon berichten), was sicher die meisten des Publikums auch sehr schade fanden.

 

Persönlich hätte es mich nämlich schon interessiert zu erfahren, ob gerade seine Ermittlungsmethoden zu dem Erfolg geführt hatten. Ich meine, man kann ja alles sammeln und katalogisieren, aber ob dann der Täter gefaßt werden kann und der dann alles genauso bestätigt, ist ja wieder eine andere Sache. Oder mache ich mir dann wieder Gedanken, die unnötig sind, weil es auch ungenannt genau diesen Erfolg hatte? Hmmm…

 

Aber der Abend war sehr interessant, denn Mark brachte es in einer Lockerheit herüber, die das sensible Thema angemessen behandelte. In der Pause stand er nicht nur für Autogramme und Fotos zur Verfügung, sondern man konnte ihm auch gerne Fragen stellen. Natürlich auch an den unweigerlich vorhandenen Merchandise-Stand eine kleine Karte abholen, die bei Tatorten neben die Spuren gelegt werden und so deren Farbe, Form und Größe dokumentieren.

 

Mit Knicklichtern, die beschützend aus Elfenstaub und Einhornmagie gefertigt wurden, schickte uns Mark dann nach seinem Vortrag nach einem wunderbar interessanten Abend nach Hause. Einen weiteren Besuch zu einem anderen Thema (ich wünsche mir bitte nochmal die „Vampire“ in Frankfurt!!!) habe ich schon geplant und hoffe, er kommt dafür noch einmal in unsere Ecke!

der Doktor und ich :)
der Doktor und ich 🙂

So, ihr Lieben, nun werde ich meine Hühnerleichen mal bearbeiten, bevor meine drei kleinen Maden (okeeeeehhhh, diese Maden erinnern optikmäßig eher an die in Deponia Doomsday vorhandenen) mich anfangen aufzufressen 😉

 

Einen schönen Sonntag,
eure Luna ^v^

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