Gothic – eine Geschichte der Zeit…

SAMSUNGGestern war wieder Vollmond. Also sind wir gothic und hexentypisch zur Scheune gestiefelt, in der man sich vor dem Ritual trifft. Wunderbar. Das Licht hell genug, um über die Wiesen zu unserem Apfelbaum zu gehen und dann ein Ritual abzuhalten. Es war kalt und die wärmende Tasse Ingwertee und das vegetarische Festmahl (Bananenmais, Aubergine in Knoblauch, Quinoa Salat und Frischkäse-Möhren- „Sushi“) danach war köstlich.

Und es war toll, eine Hexe aus vergangenen Tagen wieder zu treffen. Sie war (wie ich) früher regelmäßig dabei gewesen und hatte dann auch sehr lange Zeit nicht mehr an den Ritualen teilgenommen. Das Ritual selber ist heute ein wenig anders wie früher, ein paar Abläufe haben sich im Laufe der Jahre geändert.

Ein paar Lieder sind dazugekommen, und auch ein wenig umgestellt worden. Genauso ist das auch bei uns in der Gothic Szene. Vieles beruft sich auf Wurzeln, die die meisten von euch nicht mehr kennen, weil ihr vielleicht zu jung wart, es selbst nicht miterlebt habt. Oder ihr wart in einer anderen Ecke – Szene – Gesellschaft unterwegs.

Deswegen widme ich mich heute den Jahren 1990 bis 1995.

Wie ihr wißt, fiel die Mauer 1989, und beide Teile Deutschlands wurden wieder zusammengefügt. In wie weit wir „Wessis“ nun von der Kultur der „Ossis“ übernommen haben, kann ich selbst nicht so sagen. Ich wohne ziemlich westlich und habe – außer mit einer Brieffreundin aus der Zeit, die in Magdeburg wohnt – keinen „Ostkontakt“ gehabt und auch keinen Gothic-Ostkontakt.

Zudem war ich auch noch einen kleinen Tacken mehr in der Metalszene unterwegs, und nur vom „Lebensgefühl“ her eine Gothic. Aber das habe ich ja schon mal geschrieben…

Aber es muß ein gegenseitiges Aufsaugen der Kulturen stattgefunden haben, denn das Interesse an Musik wuchs. Der Austausch der zwei Kulturen fand statt und verschiedene Plattenfirmen etablierten Newcomerbands wie „Silke Bischoff“, „Garden Of Delight“ und „Love Like Blood“.

Es begab sich zu dieser Zeit, daß die ersten Treffen arrangiert wurden. Zum Beispiel das „Waver-Treffen“ am 16.06.1990 in Köln, das Wave-Gotik-Treffen am Wochenende des 29. und 30.05.1992 in Leipzig und das „Gothic-Treffen“ am 6.08.1992 in Berlin.Ticket WGT 1992 1u2

Über Kleinanzeigen in diversen Gothic-Magazinen (ich habe hier schon mal darüber berichtet, was es da so merkwürdiges zu finden gibt 🙂 ), konnten sich Gleichgesinnte treffen, in Kontakt treten und dazu die Informationen in den Heften über Bands, Konzerte und Lifestyle beziehen. So wuchs dann über Magazine wie „Zillo“, „Sonic-Seducer“, „Orkus“ und „Gothic“ bis hin zu „Dark Spy“ und andere (hab jetzt hier nur mal meine bevorzugten Hefte aufgelistet), eine Struktur heran, über die man sagen kann: es ist eine „ausgeprägte Gothic-Szene“ vorhanden.

Verwandte Musik zog immer mehr in die Gothic-Szene ein, so wurden mittelalterlich geprägte Bands (z.B. Qntal oder Estampie) oder Neoklassik (z.B. Eternal Afflict) und Vertreter der sogenannten „Neuen Deutschen Todeskunst“ (z.B. Goethes Erben, Relatives Menschsein) anerkannt und genossen einen hohen Stellenwert in der Szene. Man fühlte sich bestärkt in seinem Lebensstil und der Kleidungswahl.

Nun verschmolzen die Dark-Wave-Unterarten, gingen aus früheren Genres hervor oder sind verwandt und miteinander ineinander verzweigt. Eine klare Trennung scheint kaum mehr möglich. Diverse Bands lassen sich mühelos mehreren Stilen zuordnen, teilweise auch über ihre Schaffensperioden hinweg.

flyer1-2 Goethes ErbenAuch im Ausland (Großbritannien, USA, Österreich, Frankreich, Spanien, Brasilien) gab es einen „Gothischen Aufschwung“, aber die Leitfunktion übernahm Deutschland. Die Kulturelle Vormachtstellung, die GB noch in den 80ern besaß, ging auf Deutschland über. Und selbst heute strömen Goths aus aller Welt zu unseren deutschen Treffen. Und unsere Musik auf Deutsch ist auch im Ausland ein Erfolg.

So, nun wünsche ich euch einen zauberhaften Weltfrauentag (yo, ehrt uns ein bißchen, die große Göttin ist nun mal ein Weibsbild und kein Kerl), und eine gute Woche.

Eure Luna ^v^

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