Stilrichtungen des Metal, Teil 4: Gothic Metal

Unter Gothic Metal können sich sicherlich viele von Euch etwas vorstellen. Vielleicht finden einige der Goths unter Euch auch gefallen an dieser Musikrichtung? Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei diesem Metalstil um eine Fusion aus Gothic und Metal. Im Allgemeinen sind es meist Metalbands, die typische Gothic-Elemente in ihre Musik einbinden. Den Weg ebnete dabei der Gothic Rock von Bands wie Fields of the Nephilim oder Sisters of Mercy. In den Neunzigerjahren entstand das Genre Gothic Metal, das in dieser Zeit innerhalb der Metalszene äußerst erfolgreich war.

 

Als ich für diesen Artikel darüber nachdachte, welche Bands dem Stil zugerechnet werden können, fiel mir auf, dass ich damals auch ganz schön viel Gothic Metal gehört habe. Das war mir gar nicht so bewusst, vielleicht, weil die Bezeichnung Gothic Metal nicht sonderlich präsent war. Als ein wegweisendes Album wird oft Paradise Losts “Gothic” genannt. Zu den Bands, die ich in den Neunzigern besonders gerne gehört habe, zählen die Briten My Dying Bride (Foto) und Anathema, Tiamat aus Schweden, Type O Negative aus New York und die Portugiesen Moonspell (Foto unten). Weitere Genre-Vertreter sind Lake of Tears, Crematory, Secret Discovery und Sentenced.

 

My Dying Bride 12

 

Was Gothic Metal ausmacht, ist in vielerlei Hinsicht dem ähnlich, was auch Gothic bzw. Gothic Rock an sich kennzeichnet. Aus dem Metal werden die harten Gitarren und der teilweise raue Gesang oder gerne auch Growls verwendet. Durch die Gothic-Komponenten wird die Musik düster, schwermütig, melancholisch und weniger brutal als andere Stilarten, wie etwa reiner Death Metal. Orchester-Parts, Streicher, Frauengesang und Keyboards sind häufig zu finden. My Dying Brides Musik zum Beispiel lebt von der Geige und dem wunderbar leidenden Männergesang. Beides verleiht den Songs eine enorme Tiefe und Gefühlsintensität und macht die Band absolut eigenständig. Während der Härtegrad zwischen den Bands variiert, ist das Tempo in der Regel gemäßigt, manchmal sogar ziemlich langsam. Meistens singen Männer oder Mann und Frau im Wechsel.

 

Wie so oft, ist auch hier die Abgrenzung zu anderen Stilrichtungen nicht immer ganz klar. Überschneidungen gibt es etwa mit Dark Rock und -Metal. So lässt sich nicht immer eindeutig einordnen, ob es nun einfach Dark ist oder Gothic. Dass viele Bands den Stempel Gothic Metal fälschlicherweise aufgedrückt bekommen, trägt weiter zur Verwirrung bei. Da wird manchmal munter alles in einen Topf geworfen, was irgendwie düster klingt oder aussieht. Mitunter hat das mit Gothic Metal dann überhaupt nichts mehr zu tun, sodass am Ende die Hörer selber nicht mehr wissen, wie die von ihnen bevorzugte Musikrichtung nun eigentlich heißt. Die ganze Frauen-Opern-Gesang-mit-Metal-Schiene à la Nightwish ist jedenfalls kein Gothic Metal. Abgesehen davon, gibt es natürlich wichtigere Dinge als die korrekte Klassifizierung von Metalbands. Dennoch sind die Zuordnungen nunmal oft hilfreich, allerdings nur, solange sie nicht wild durcheinander gewürfelt werden.

 

Moonspell Fernando Ribeiro Studio Kraków 2007 05 Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber ich würde sagen, dass es aktuelle relativ wenige Bands gibt, die Gothic Metal spielen. Ich verbinde mit diesem Genre hauptsächlich die oben genannten Bands und ihre Alben von damals. Mit Sicherheit enthält meine Aufzählung nicht alle wichtigen Gothic-Metal-Gruppen, da ich nicht jede Band dieser Stilrichtung gut kenne.

 

Möglicherweise hat es dieser Metalstil nicht ganz leicht, weil er den Metalfans zu sehr Gothic ist und den Gothics zu sehr Metal. Andererseits stellt die Musik ein Verbindungsglied zwischen den beiden Szenen dar, was viele gut finden, andere jedoch eher kritisch sehen. Ich denke, Gothic- und Dark Metal werden auch in Zukunft Anhänger in beiden Subkulturen haben. Und solch zeitlose Werke wie Tiamats Wildhoney oder Type O Negatives Bloody Kisses kann man auch nach über 20 Jahren immer wieder hören.

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