Das tun doch Gothics nicht! Teil 2

Gothisches Publikum bei einem Konzert - Hier Eisbrecher / Unzucht vom 08.04.2016 in der Jahrhunderthalle FFM
Gotisches Publikum bei einem Konzert – hier Eisbrecher / Unzucht vom 08.04.2016 in der Jahrhunderthalle FFM

Nachdem ich mich heute selbst zum Grillen eingeladen habe (grins), kam mir der Gedanke, dass das auch ein Klischee über uns Gothics ist.

 

Der handelsübliche Gothic ist IMMER alleine unterwegs. Er ist, in den Augen der Stinos, ein Misanthrop, der am liebsten alleine in seinem Keller bei Kerzenschein hockt, Rotwein trinkt und bei Kerzenschein tiefgründige Gedichte rezitiert. Natürlich OHNE Publikum, denn er ist ja alleine.

 

Deswegen sucht er auch andauernd in Kleinanzeigen andere Gleichgesinnte, um seinen Weltschmerz zu beklagen, was aber von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn einen eventuell anderen Gothic will er ja nicht kennen, sonst könnte er ja nicht mehr sein Gothicsein ausleben. Eine zweite Meinung – Gesellschaft – ist natürlich verpönt.

 

Haha, Bullshit, oder? Gothics sind gesellig. Sie hängen nicht nur mit den angesagten Sängern, Musikern oder anderen Szenegrößen herum. Sie treffen sich auch mit Freunden zum Kaffee, Bier oder Met-Trinken. Ich habe jedenfalls noch keinen getroffen, der es vorzieht, in allen Situationen des Lebens alleine zu bleiben.

 

Oder es sind dann genau die oben beschriebenen Exemplare, die alleine bleiben, weil man sie nicht trifft. 😉

 

Meistens haben Gothics auch Beziehungen, eine Freundin, einen Freund. Man soll sogar schon (zumindest munkelt man es) ganze Familien erlebt haben, bei denen einer oder beide Eltern Gothics sind und Kinder vorhanden sind. Wie sollte das denn gehen?

 

Genau wie bei allen anderen. Man verliebt sich, heiratet und gründet eine Familie. Dabei tun sich dann nicht nur optisch passende Menschen zusammen, weil es halt grad passt. Das ist vielleicht auch der Fall, manchmal tun sich zwei zusammen, weil sie sich mögen und passen sich dann optisch einander an. Aber ich will nicht den Beziehungsratgeber auspacken.

 

Warum kommt es dann zu dem Eindruck, dass Goths kein Interesse an anderen Menschen haben (müssen) und lieber alleine für sich bleiben wollen?

 

Meiner Meinung nach kommt das daher, weil Gothics in der Menge der „Stinos“ einfach weniger vorhanden sind. Schwarzvolk ist seltener vertreten und daher kann es sein, dass ein anderer Schwarzkittel nicht gerade um die Ecke wohnt. Wenn man dann einen sieht, der in voller Montur im Alltag unterwegs ist, dann springt er oder sie natürlich ins Auge.

 

Die vielen anderen Schwarzen übersieht man dann einfach, sei es, dass sie aus beruflichen Gründen selten Schwarze Klamotten tragen, sei es, dass sie aus privaten Gründen nicht nur schwarze Klamotten auf ihren Leib schmeißen. Kleidung ist nun mal leichter auszutauschen als z.B. die Frisur (wobei einen Undercut, der zu einem Irokesen auftoupiert werden kann, um dann ausgehfein präsentiert zu werden auch nicht jeder auf Anhieb sieht) oder Tätowierungen.

 

Wobei nicht jeder mit Tattoos, die ein Goth-Model zur Ehre gereichen können, aufwarten kann oder dann gleich ein Gothic ist. Metaller und Stinos tragen auch Tattoos, ja selbst Büchernerds haben ihre Liebe zu ihrem Hobby auf der Haut verewigt.

Von Resonanteye aus der englischsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2336301
Stino oder Gothic? Na, wer kann das bei dem Bild schon sagen?

 

Die Frage ist aber, warum andere glauben, ein Goth sei immer alleine und lehne die Gesellschaft ab? In Musikvideos ist selten eine Partymeute zu sehen, die ihren Star feiert. Wobei es in den Videos dann doch etwas „ernster“ zu geht. Es werden rituelle Handlungen gezeigt (eine Band interpretiert ihren Song, Zwischenschnitte zeigen z.B. einen Vampir, der sich in einer Blutmesse sein Opfer darbringen lässt und dann ist das Opfer leergesaugt oder geht mit seinem Schöpfer als Vampir in die Nacht. Natürlich dann Hand in Hand)), oder es wird eine wichtige Botschaft an die Menschheit dargestellt.

 

 

Bilder von Musikern in einem einsamen Wald… ich glaube, ich brauche nicht weiter schreiben, ihr kennt diese Bilder, die man damit transportieren will.

 

Aber auch auf Konzerten der einschlägigen Bands stehen die Leute für sich und hören einfach gerne zu. Während die Metaller gerne gemeinsam eine Art Kampf tanzen (Mosh Pit oder Stage Diving), tanzen Gothics gerne für sich alleine. Das ist auch bei den Parties und Veranstaltungen (bei denen sich die Gothics dann ein bis zweimal im Monat zusammenrotten) der Fall, Goth tanzt alleine.

 

Ein Gesellschaftstanz im Walzertakt ist da sehr unüblich (gibt es das überhaupt bei den Stinos noch? Ich meine so eine Art Tanztee, bei denen die Damen per Verbeugung zu einem Tango oder Foxtrott aufgefordert werden?) und auch eine Art Line-Dance wie im Country- und Westernbereich habe ich noch nicht gesehen.

Aber da können mir vielleicht die Cybers (die ja gerne in Formation tanzen und optisch klasse dabei aussehen) oder die Steampunker helfen. (Ich weiß noch, wie gerne ich damals in der Tanzschule (sic!) die Française zu „Die Fledermaus“- Quadrille getanzt habe. Passend wäre es auf jeden Fall auch zu Gothics).

 

Also, nur weil wir Goths nicht rudelweise alla Ballermann auflaufen um zu saufen und dann wahllos irgendwelche grottigen Schlager mitgröhlen, deren Texte erst ab drei Promille einen Sinn ergeben, heißt das nicht, dass wir per se die Einsamkeit vorziehen oder eben mangels Gleichgesinnter immer alleine bleiben wollen.

 

Wir suchen halt nur (Tödö-Tödömmmmm) einfach nur genauer aus, mit wem und welchen Aktionen wir unsere Freizeit verbringen. Wobei das jetzt auch ein Klischee ist, von wegen, wir sind was besseres als Stinos *smile* – ich kenne auch den „Arch Enemyyyyyyy“ Schrei, wenn zwei mit Fan-Shirt auf einander treffen und so ihre gemeinsame Vorliebe für diese Band bekunden und dann über das letzte Konzert einen Abend lang diskutieren und in Anekdoten schwelgen.

 

So, und nun wünsche ich euch einen geselligen Sonntag, morgen hat uns der Alltag wieder!

Gruftige Grüße,

eure Luna ^v^

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