Gothische Wohn(t)räume

Bei vielen Einrichtungstrends heutzutage kommt mir ein bisserl das Grausen. Nicht, daß es so gruselige Möbel wären, die mit Insektendekor oder Leichenteilen verziert wären. Das könnte ich ja fast schon stylish nennen. Oder man sähe Möbel, die so schäbig aussehen, daß Shabby-Chic 5.0 der korrekte Name wäre (oder mindestens Sperrmüll 2.0).

 

Nein, ich finde diese glatten, weißen sterilen Möbel, auf denen ein Flachbild TV die „Wohnwand“ schmückt auf der einen Seite und ein Bild graphischer Natur (Rote Leinwand mit silbernen Ball auf schwarzem Balken, Künstler XYZ) im Rücken des grau bezogenen – ähmmmm… Bett? Couchlandschaft? keine Ahnung, wie sich das Ungetüm nennt, das bequemes „auf dem Bett vor dem TV lümmeln“ simulieren soll – Sofas übelst gräßlich.

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WWE – The Undertaker

Am Boden dann Laminat oder Kacheln, jedenfalls pflegeleicht und sagrotansauber. Der Traum eines jeden Einrichtungsratgebers und in jeder beliebigen TV-Dokusoap bei anderen Leuten als Blick in ihr Leben zu sehen.

 

Da war ja noch der Eicherustikal-Wohnzimmerschrank aus dem Gelsenkirchener Barock noch fast gemütlich. Zumindest wäre er heute schon fast ein Antikmöbel. Will aber auch nicht wirklich keiner mehr in der heutigen Zeit. (Anmerkung: wer auf Wikipedia nachsieht, wird bei meinem Text heute bemerken, daß ich hier eher die Möbel meiner Kindheit im Kopf hatte, die in den 70ern als chic galten und nicht die Möbel, die Wiki hier erwähnt)

 

Ich verstehe, daß man in den Zeiten der schnellen Jobwechsel recht flexibel sein muß, was Wohnung und Wohnort angeht. Man lebt heutzutage nicht mehr sein restliches Leben in der selben Bude und hat dementsprechend mindestens zwanzig Jahre seine Möbel da drin stehen. Es kann gut sein, daß nach drei Jahren eine neue Wohnung und an anderer Job in einer anderen Stadt angesagt ist und man dann abwägen muß, ob man die Möbel abbaut und mitnimmt (was aber mit modernen Papp-Preßspan nicht so gut funktioniert), oder sie zum Sperrmüll gibt (waren ja nicht soooo teuer gewesen) und neues kauft.

 

Und wenn man dann qualitativ stabile Möbel bekommt, die auf und abgebaut werden könnten, dann sind das auch wieder Kosten, die man tragen muß. Aber Goth kann es ja trotzdem versuchen, sich seine Wohnung heimelig einzurichten. Wer von uns träumt nicht von einem Vier-Pfosten-Himmelbett aus schwarzem Ebenholz mit Schnitzereien und einem schwarzseidenem Betthimmel, das im Schloß des Grafen Dracula zuletzt gestanden haben könnte? Oder dem Samtsofa mit blutrotem Bezug, das herrlich dekadent aussieht und natürlich Vampir Lestat eine gemütliche Stätte zum Lesen bietet?

Dekoration
Dekoration

 

Also, ich schon. Ist man handwerklich geschickt, kann man am Sperrmüll oder Flohmarkt seine Augen aufhalten und entsprechendes Grundmaterial erwerben, das man dann selber aufarbeitet. Bis man sich dann seine Gruft eingerichtet hat, dauert es eine Weile und Mühe. Und manchmal scheitert man auch an rosanen Badezimmerkacheln. Die bekommt man ums Verplatzen nicht gothisch.

 

Bis dahin kann man dann mit kleinen Details arbeiten und seine Wohnung ein wenig angruften. Damit meine ich dann, Poster seiner Bands aufhängen (hat ein bißchen was von einem verliebten Teeny-Fangirl) oder in einem Bilderrahmen Bändchen und Tickets zu Konzerten und Festivals präsentieren. Die Wände farblich dem Geschmack anpassen.

 

Was auch geht, ist um Halloween die Deko-Abteilungen der Shops zu plündern, allerdings hat diese kostengünstige Lösung einen kleinen Haken: Meist ist alles billiges Plastik und sieht auch deswegen sehr nach „Halloween“ aus.

 

Qualitativ höherwertigeres Dekomaterial bekommt man (leider auch zu sehr viel höheren Preisen) auf Mittelaltermärkten und einschlägigen Shops. Okay, Bilder von Victoria Frances oder Royo gibt es auch schon beim Discounter, können auch gepuzzelt werden (was dann auch noch zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt – Hobby und dann ein Dekoteil). Ein bißchen bin ich kritisch, denn diese Art Bilder sind für mich zwar schön, aber der standartisierte „Röhrende Hirsch“, wenn ihr versteht, was ich meine. (Siehe Gelsenkirchener Barock).

 

Allerdings sollte eine Wohnung auch ein Lebensraum sein und kein Puppenstübchen, das beifallheischend auf Bewunderer wartet. So ist das bei mir als Hexe üblich, daß eben mein Altar irgendwo steht (der aber von unwissenden Besuchern gerne als Deko gesehen wird) und natürlich meine Zutaten für magische Dinge untergebracht werden müssen. Des weiteren habe ich nun mal eine Vorliebe für Bücher – Vampirromane am allerliebsten – die auch mein Schlafzimmerregal füllen (gut 500 Vampirromane müssen halt irgendwo griffbereit untergebracht sein). Und meine Bilder an der Wand habe ich größtenteils selber gemalt, vielleicht nicht schön, aber eben mehr als ein graphisches Element, farblich abgestimmt auf die Einrichtung.

Kombination von Kinderspielzeug mit Halloweendeko und eisernem "Kronleuchter"
Kombination von Kinderspielzeug mit Halloweendeko und eisernem „Kronleuchter“

Mit Kindern bzw. Familie hat man dann auch noch das eine oder andere „normale“ Teil in der Wohnung herumliegen, unsere Katzen schussern liebend gerne das Lego quer durchs Wohnzimmer. Dazu kommen dann Erbstücke, und normale Gebrauchsmaterialien, die es noch nicht im Gothicstyle gibt (eine TV-Fernbedienung als Zauberstab ist aber nicht nur hübsch, sondern auch praktisch 😉 ).

 

Es ist also sicher interessant, ob es jemand schafft, zu einhundert Prozent in einer „Gothic-Wohnung“ zu leben und ich würde gerne mal dort Mäuschen sein. Vielleicht mögt ihr ja mal Bilder präsentieren?

 

So, nun wünsche ich euch einen schönen Sonntag (den Muddis einen schönen Muddi-Tag),

gruftige Grüße

 

eure Luna ^v^

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