In Extremo Bandporträt

Dieses Jahr feiern In Extremo ihr 20-jähriges Bestehen. Grund genug, die Mittelalter-Rocker einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ganz sicher bin ich mir zwar nicht, aber ich glaube, ich habe die Band das erste Mal 1999 live gesehen. Seitdem immer mal wieder, oft auf Festivals und zuletzt im vergangenen Jahr. Die Konzerte sind über die Jahre immer größer geworden.

Es ist schon beachtlich, welche riesigen Erfolge die Herren feiern. Ein Ende scheint nicht in Sicht und auch des Tourens werden sie scheinbar nicht überdrüssig. So sind sie ständig auf Festivals zu sehen und spielen sich auf ihren Dudelsäcken und altertümlichen Instrumenten, wie Schalmei oder Drehleier, durch die Klubs. Ihre Zuhörerschaft rekrutiert sich dabei aus ganz unterschiedlichen Ecken: Rock- und Metalfans sind dort ebenso zugegen wie Punks und Anhänger der Schwarzen Szene.

Dass die Band auch kommerziell überaus erfolgreich ist, kommt natürlich nicht bei jedem gut an. In der Tat sind In Extremo mit der Zeit im Mainstream angelangt, wie Videoclips und Auftritte im TV oder die Teilnahme an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest bewiesen haben. An der Musik ändert das nicht wirklich etwas – die Berliner sind ihrem Stil und ihrem Konzept nach wie vor treu.

In Extremo war eine der ersten Bands, die mittelalterliche Klänge konsequent mit verzerrten Gitarren und anderen Rockelementen paarten. Sicher, die Einzigen sind sie da bei Weitem nicht, da gibt es zum Beispiel Subway to Sally, Schandmaul und Saltatio Mortis. Aber In Extremo waren recht früh dabei und vereinten beinahe von Beginn an mittelalterliche Musik mit Rockklängen in gleichgewichtigen Anteilen.

In Extremo band

Wie könnte es anders sein – die Band trat in den Neunzigern zunächst auf Mittelaltermärkten auf. In den ganz frühen Anfängen handelte es sich noch um eine reine Akustik-Combo. Damals schon dabei war Sänger Michael R. Rhein, der sich Das letzte Einhorn nennt und mit seiner unverwechselbaren Stimme den In-Extremo-Sound maßgeblich prägt. Diese charismatischen rauen Gesang mag ich sehr – ich finde, er passt perfekt zur Musik.

Weitere Mitglieder, die seit der Bandgründung dazugehören, sind Flex der Biegsame und Dr. Pymonte. Bis 1998 waren In Extremo musikalisch in zwei Teile gespalten – mittelalterliche und harte Klänge fanden erst auf dem dritten Album “Weckt die Toten” endgültig zusammen. Zu der Zeit bedienten sich die Jungs noch größtenteils an historischem Liedgut und hatten wenig eigene Texte und Kompositionen im Programm. Seit Ende der Neunziger ging es stetig nach oben. Das Folgealbum “Verehrt und angespien” stieg sogar in die deutschen Charts ein, wie auch sämtliche folgenden Werke. Diese beiden ersten “richtigen” In-Extremo-Alben mag ich persönlich bis heute am meisten.

Was ist es denn nun eigentlich, das den Spielmännern so viel Anerkennung, sowohl in Deutschland als auch international, verschafft? Vielleicht die Tatsache, dass In Extremo mehr sind als sieben Kerle, die gemeinsam musizieren. Sie können als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden. Ihre Bühnenoutfits und die, teilweise eigenhändig gebauten, mittelalterlichen Instrumente sind ebenso Teil des Ganzen wie spektakuläre pyrotechnische Showelemente. Ohne derartige Effekte kommt kein In-Extremo-Auftritt aus. Beim Feuerspucken gehen die Bandmitglieder selbst zu Werke und Flex der Biegsame macht seinem Namen mit Akrobatikeinlagen alle Ehre. Es ist die besondere, kraftvolle Atmosphäre, die In Extremo kreieren und die live am besten rüber kommt. Mich fasziniert das jedenfalls nach wie vor.

Wenn Das letzte Einhorn die Merseburger Zaubersprüche in Althochdeutsch oder das mittelhochdeutsche Palästinalied von Walther von der Vogelweide zum Besten gibt, bekomme bestimmt nicht nur ich eine Gänsehaut. Auch Hits wie “Ai Vis Lo Lop” “Vollmond”, “Küss mich” oder “Erdbeermund” erzeugen eine großartige Live-Stimmung. In Extremo sind authentisch und begeistern ihre Fans immer wieder aufs Neue. Zuletzt mit ihrem aktuellen Album “Kunstraub”, das 2013 erschien.

Unter dem Motto “20 wahre Jahre” wird am 4. und 5. September 2015 ein großes Jubiläumsfestival auf der Freilichtbühne Loreley stattfinden. Mit dabei sind unter anderem die Mittelalter-Kollegen von Schandmaul sowie Orphaned Land aus Israel (sehr ungewöhnliche, interessante Band!), Eisbrecher und Eluveitie. Bei dem Line-up und der Kulisse wird das sicher ein Erlebnis der besonderen Art.

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