Inuit Götterwelt – Teil 9

„PaQi 2“ von Palaya Qiatsuq (Cape Dorset, Nunavut Territory, Canada) - photo taken by Ansgar Walk. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PaQi_2.jpg#/media/File:PaQi_2.jpg
Pallaya Qiatsuq: Angakkuq, Schamane (Serpentin, Karibugeweih, Federn; Cape Dorset, 1999)

Mir ist kalt und ach, ja…. in zwei Monaten ist Weihnachten. Dann ist Winter und das Jahr ist vorbei. Ein Jahr voller Hochs und Tiefs und doch geht es immer wieder weiter. Hmmm… Nee, das persönliche Resümee wird jetzt nicht kommen, ich hab ja noch ein bißchen Zeit, bevor das Jahr herum ist und ich feststelle, ob meine Ziele erreicht sind oder nicht. (Okay, das Hexenjahr endet nächste Woche an Samhain, aber ich will mir noch ein bißchen mehr Zeit gönnen. Gemogelt? Jupp.)

 

Aber nachdem mir kalt ist und der Winter naht, dachte ich mir, gucken wir heute mal bei den Eskimos bzw. Inuit auf deren Götterwelt und Mythen. Kalt ist es bei denen ja und lange dunkle Winternächte sind da auch nicht gerade selten.

 

Die religiösen Vorstellungen der Inuit beruhen auf einer Art Animismus, das bedeutet, alle Kraft der Natur und alle Gegenstände haben eine Seele. Die eigene menschliche Seele ist unsterblich und lebt nach dem Tod weiter, im Himmel, unter dem Meer oder über den Wolken. Sie kann durch andere Menschen oder durch Tiere wandern.

 

So wurden dann auch Tiere oder Phänomene Geistern zugeordnet, die den Menschen nützten oder schadeten. Auch das Leben der Inuit war also von Tabus beeinflusst, um möglichst Schaden abzuwenden. Sie brauchten einen Vermittler, einen Schamanen (in der Sprache der Inuit Angakkuq), der fähig war, mit der Geisterwelt in Kontakt zu treten.

 

Die Inuit beschworen dann über ihre Schamanen zum Beispiel die Göttin Sedna, die über die Tiefe der Meere herrschte. Denn wenn Sedna erzürnt war, konnten die Inuit nicht fischen und fingen nichts. In vielen Erzählungen unternimmt der Angakkuq alles, um Sedna zu besänftigen und erst wenn ihm das glückt, gibt sie die unter ihrer Herrschaft lebenden Meerestiere zur Jagd durch den Menschen frei.

 

Auch der Mond ist bei den Inuit sehr zentral und wichtig. Natürlich ist er in der langen Winternacht der Arktis präsent und manche Angakkuit (Schamanen, Mehrzahl) unternahmen Flüge dort hin. Der Mondmann hatte besondere Kräfte, er verkörpert in dem Glauben das Prinzip des männlichen. Der Mond ist in der Lage, einer unfruchtbaren Frau zu einem Kind zu verhelfen und wacht auch über die Einhaltung der Tabus.

 

Aber außer der Natur an sich glauben die Inuit nach Aussagen ihrer Ältesten nicht an ein übergeordnetes höchstes Wesen, das eine oberste Gottheit sein könnte. Nein, die Natur und ihre Eigenarten sind „Gott“ genug.

Amarok, der Wolfsgeist
Amarok, der Wolfsgeist

 

In ihren Mythen wandern die Seelen der Menschen oft in Tiere und übernehmen dann den Part des Mannes. Immer wieder berichten die Legenden von Liebespartnerschaften, bei denen männliche Tiere dann menschliche Gestalt annahmen. Generell nahm das Geschlechtsleben bei den Inuit eine große Rolle ein, so waren die Schilderungen und Beschreibungen der Genitalien sehr freimütig und realistisch. Frauentausch, Promiskuität und Polygamie sind dort geläufig.

 

Die Mythen glänzen auch dadurch, daß Waisenkinder, die mißbraucht oder auf andere Art und Weise vom Schicksal betroffen wurde, das Mitgefühl besonders zu Teil wurde. Der Jäger war ebenso ein Held in den Legenden. Ihn zeichneten Kraft, Schlauheit und Unternehmensgeist aus. Er hat auch Ängste, doch er überwindet sie mit Hilfe seiner Klugheit, List und auch mit Magie. Und natürlich zeichnet er sich durch eine sehr hohe Potenz aus. Themen der Geschichten waren auch extremes Hungern und Kannibalismus als letzten Ausweg. Aber egal welches Thema war, es durfte eines nie fehlen: das unterhaltsame Element.

 

So ist hier noch eine kleine Geschichte über den riesigen Wolf Amarok. Er jagt und frißt jeden, der töricht genug ist, alleine nachts auf die Jagd zu gehen und jagt selber – anders als echte Wölfe – nicht im Rudel, sondern immer alleine. Entstanden seien die Wölfe, als es eine Welt gab, die nur von einem Mann und einer Frau bewohnt war. Die beiden lebten ohne Tiere und die Frau bat deswegen den Gott Kaila darum, die Erde zu bevölkern. Dieser Gott des Himmels schickte sie nun aus, sie sollte ein Loch in das Packeis graben und fischen. Das tat die Frau und holte nun alle Tiere, eines nach dem anderen aus dem Loch. Das Karibu war das letzte.

 

Kaila sagte der Frau, daß es das schönste sei, das er machen könne und es ihr als Geschenk überlasse. Es sollte ihr Volk ernähren. Die Söhne der Frau jagten dann dessen Nachkommen und aßen das Fleisch und aus den Fellen stellten sie Zelte und Kleider her. Die Söhne wählten immer die schönsten und fettesten Karibus aus, bis eines Tages nur noch die Schwachen und Kranken übrig waren. Diese wollten die Inuits aber nicht und so beschwerte sich die Frau bei Kaila. Kaila schickte sie wieder auf das Packeis und so holte die Frau den Wolf aus dem Wasser. Amarok, der Geist des Wolfes, schickte ihn, damit er die Schwachen und Kranken Karibus fresse, um das Karibu bei guter Gesundheit zu halten.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caribou_from_Wagon_Trails.jpg#/media/File:Caribou_from_Wagon_Trails.jpg
Barrenground-Karibu

 

Ich wünsche euch nun eine gute Woche, wenn ihr die Welt der Geister und Mysterien erleben wollt, dann stimmt euch ein, Samhain naht. Füttert die Geister gut mit süßen Speisen und Leckereien, damit sie euch wohlgesonnen bleiben!

 

Eure Luna ^v^

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