Japanische Götterwelt – Teil 7

 

„Shinmei-sha Tokorozawa (imo no kami)“ von tokorokoko - Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shinmei-sha_Tokorozawa_(imo_no_kami).jpg#/media/File:Shinmei-sha_Tokorozawa_(imo_no_kami).jpg
Shintō-Schrein in Tokorozawa, Japan, wo die Süßkartoffel als Kami verehrt wird.

Ich liebe die Serie „Inu-Yasha“. Nicht nur, weil es ein süßes Anime ist, mit einer tollpatschigen Heldin alla „Sailor Moon“ und einem geheimnisvollen Helden (in dem Fall der Halbdämon Inuyasha), sondern auch, weil die Serie die japanischen Mythen ihrer Götterwelten dort erzählt.

 

Gut, Sailor Moon ist auch mit den Mythen verflochten, die Japaner erzählen anscheinend sehr gerne geschichtliches in ihren Mangas und Animes. In „Hellsing“ wird der zweite Weltkrieg aufgearbeitet und mit mystischen Gestalten verwoben. Also, immer eine „Was-wäre-wenn“ Sache.

 

Vermutlich könnte ein Mangaka oder ein Cos-Player hierzu aber auch noch ein wenig mehr erzählen, denn die beschäftigen sich auch unter anderen Gesichtspunkten mit dieser Thematik.

 

Aber ich will zu den Göttern und Sagen der japanischen Mythologie kommen. In den ältesten Schriften und Chroniken Japans wurden die Geschichten und Legenden festgehalten. Sie berichten von der Entstehung der Welt bis zu den frühen Herrschern. In ihnen wurde besonders viel Wert gelegt, die Abstammungen zwischen den japanischen Göttern (Kami) und den Herrschern (Tenno) zu zeigen. Diese Texte gehören zu den Shinto, der einheimischen Religion Japans.

 

Der Übergang von diesen klassischen Mythen zu den späteren Geschichten ist allerdings fließend. Dort werden die Welten des Übernatürlichen oft von dem japanischen Buddhismus beeinflußt.

 

Es gibt zwei bekannte Chroniken, das Kojiki und das Nihon Shoki, die beide mit der Erschaffung der Welt beginnen. Die Urmaterie teilte sich in Himmel und Erde und dazwischen die drei Himmelsgötter und sieben Göttergenerationen, die jeweils in Paaren auftraten. Die letzte Generation mit ihrem Paar war als Urgötterpaar für die eigentliche Welterschaffung verantwortlich.

 

Izanagi und Izanami sind Geschwister als auch Ehepaar und stehen auf einer schwebenden Himmelsbrücke, von wo sie das Chaos unter sich beobachten. Izanagi rührte dann mit einem Speer im Wasser umher und als er den Speer herauszieht, fallen von ihm salzige Tropfen in das Wasser und schaffen so die Insel Onogoroshima. Das Götterpaar stieg nun auf die Insel herab und errichtete einen „Himmelspfeiler“ und vollzog eine Art Hochzeitsritus.

„Kobayashi Izanami and izanagi“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kobayashi_Izanami_and_izanagi.jpg#/media/File:Kobayashi_Izanami_and_izanagi.jpg
Kobayashi Eitaku, „Izanami und Izanagi“, farbige Tusche auf Seide, ca. 1885

 

Die acht großen Inseln Japans entstehen und eine große Anzahl von Göttern. Die Urmutter Izanami verbrannte sich bei der Geburt des Feuergottes so schwer, daß sie starb und in die Unterwelt kam. In seiner Trauer schlug der Vater Izanagi den Feuergott mit seinem Schwert in Stücke (daraus entstanden neue Götter) und suchte in der Unterwelt Izanami.

 

Er fand sie, verstieß aber gegen ihre Bitte, sie nicht anzusehen und wurde von ihr mit ihren Kreaturen der Unterwelt verjagt. Er verschloß das Tor der Unterwelt mit einem Felsen und trennte so die Welt der Lebenden von den Toten. Das wiederum führte dazu, daß Izanami aus Rache schwor, täglich 1000 Leben zu vernichten und wurde so die Herrscherin der Unterwelt. Izanagi dagegen schwor, täglich 1000 Leben zu schaffen und setzte so den Kreislauf aus Leben und Sterben in Gang.

 

Nach einer rituellen Waschung danach entstehen immer neue Götter, die sich dann auf verschiedene Herrschaftsgebiete verteilen. Manche benehmen sich wie kleine Kinder, sabotieren die Welt und schließlich treibt es eine Gottheit soweit, daß sich die Sonnengöttin in einer Felsenhöhle einschließt und die Sonne dadurch erlischt. Herausgelockt werden kann sie nur durch eine List, denn eine Gottheit tanzt und bringt die anderen zum Lachen, was die eingesperrte Sonnengöttin neugierig macht.

An image of the Japanese Sun goddess Amaterasu emerging from a cave. Moved from en.wikipedia.org.

 

Und so gibt es viele faszinierende Geschichten über die „himmlischen“ und die „irdischen“ Götter. Dabei sind die himmlischen Götter die Aristokratie, die über die irdischen Götter herrscht. Das ist interessant, da ja die Herrscher (Tenno) als manifestierte Gottheiten galten.

 

Schließlich flossen aber auch andere Legenden in die japanische Mythologie ein, so etwa die Buddhistische, die Chinesische und auch viele Märchenmotive.

 

Und damit wären wir dann wieder bei Inuyasha… hier verwob man in die Abenteuer von Kagome und Inuyasha immer mal wieder die Legenden und Gottheiten der japanischen und chinesischen Mythologie, setzt sie in eine Mix aus dem modernen Japan und dem japanischen Mittelalter.

 

Ich wünsche euch einen schönen sonnigen Sonntag, ich werde mich nun um meine ägyptischen Katzengottheiten kümmern müssen, eine pelzt mir hier gerade über meine Tastatur 😉 .

 

Eure Luna ^v^
Fußnote:

 

Heute füge ich mal noch Erklärungen an: Mangas sind die japanischen Comicstrips. In der Regel werden die eingedeutschten Mangas auch von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen. Ungewohnt, aber sehr spannend. Mangakas sind die Zeichner, die sie erstellen. In Japan sind sie hochangesehen und viele möchten den Beruf des Mangaka ergreifen. Dafür, daß man in Deutschland das eher verpönt hat, Comics zu lesen (ist ja keine „große Literatur“), ist das für uns eher ungewohnt. Cos-Player sind die Menschen, die ich ebenfalls als sehr kreative Menschen kennengelernt habe. Diese stellen in kleinen Theaterstücken Szenen aus den Mangas und Animes (= Cartoons) nach. Da es hier kaum Originalkostüme zu erwerben gibt, basteln und schneidern sie in stundenlanger Mühe alles Detailgetreu nach. Und damit sind sie wirklich sehr kreativ, wenn es auch von vielen als „Kinderkram“ belächelt wird.

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