Konzertreview: Opeth in Wuppertal

Darauf hatte ich mich so richtig gefreut: Die Opeth-Jubiläumstour zum 25. Bestehen der Band. Was für eine Leistung, was für ein Konzert! Zu diesem feierlichen Anlass spielen die Schweden nicht etwa in gewöhnlichen Hallen, sondern in ausgewählten Locations. Im Falle des nordrhein-westfälischen Wuppertals ist das die Historische Stadthalle, wo die Band am 13.10. Station macht. Ich tippe, normalerweise gehen dort vorwiegend Klassikkonzerte über die Bühne. Das Opeth-Konzert findet in einem opulenten Saal mit Balkonen, Säulen, aufwendigen Stuckarbeiten und goldenen Verzierungen statt. Nicht schlecht!

 

Der Veranstaltungsort bringt einiges mit sich, was für den gemeinen Metalhead etwas befremdlich ist. Erstens: Der Saal ist bestuhlt. Zweitens: Man darf keine Getränke mit rein nehmen. Drittens: Ein Gong, wie man ihn aus dem Theater kennt, teilt den Besuchern mit, dass sie sich auf ihren Plätzen einzufinden haben. Dann werden die Türen geschlossen und das Konzert fängt sehr pünktlich an. Alles etwas gewöhnungsbedürftig, aber na gut. Soll ja was Besonderes werden.

 

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Und das wird es dann auch. Im ersten Teil spielen Mikael Åkerfeldt und seine vier Bandkollegen das komplette Album Ghost Reveries. Der Grund dafür ist, dass dieses Album ebenfalls Geburtstag feiert, nämlich den zehnten. Vom ersten Song an ziehen mich Opeth in ihren Bann. Der glasklare Sound und die Lichtshow sind der Hammer. Im Hintergrund laufen Videos, die zur besonderen Stimmung beitragen. In Anlehnung an das Ghost-Reveries-Cover ist die Bühne mit Kerzenständern dekoriert. Von meinem Platz in der neunten Reihe kann ich hervorragend sehen und dabei voll und ganz in die musikalische Welt eintauchen.

 

Meine Highlights der ersten Runde sind die Soli und Improvisationen bei “Atonement”, das darauffolgende “Reverie/Harlequin Forest” und das letzte Stück “Isolation Years”, das Opeth vor dieser Tour noch nie live gespielt haben. Auf Ghost Reveries hat Åkerfeldt noch gegrunzt, was er auf den beiden letzten Alben nicht mehr tut. Das Wechselspiel zwischen klarem Gesang mit wunderschöner Stimme und Growls und der damit verbundene Atmosphärenwechsel in den Songs sind beeindruckend wie immer. Mit dem Versprechen, der zweite Teil werde eine “Happy Techno Party”, werden wir in die Pause geschickt.

 

In Runde Zwei gibt es eine gemischte Setlist mit Songs diverser Opeth-Alben auf die Ohren. Neben drei Stücken der letzten Scheibe namens Pale Communion sowie einem Titel vom Vorgänger Heritage sind auch viele ältere Songs dabei. Da wäre das ruhige “To Rid the Disease” von der Damnation-Platte oder “The Leper Affinity” (sehr geil!), das auf Blackwater Park zu hören ist. Das Set schließt mit “Master’s Apprentices” vom Deliverance-Album. Aber ohne Zugabe kommen Opeth natürlich nicht davon – den tatsächlichen Abschluss bildet “The Lotus Eater” aus dem Album Watershed.

 

Der letzte Song hält dann auch die Leute nicht mehr auf den Sitzen, obwohl alle zuvor brav dasaßen, was Åkerfeldt laut eigener Aussage als ein wenig einschüchternd empfand. Aber man will eben auch nicht den Leuten hinter sich die Sicht nehmen und die Stühle standen ja nun einmal da. Ob sitzend oder stehend – die Leute klatschen frenetisch Beifall und feiern die Helden des Abends ab, wie es sich nach einer derartigen Leistung gehört.

 

Opeth, es war wirklich großartig! Gerne hätte ich noch ein, zwei Stündchen länger zugehört (war ja auch so bequem). Aber da die Jungs recht tourfreudig sind, freue ich mich einfach schon mal auf das nächste Konzert.

 

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