Leichen

Lexikon des Unerklärlichen
Lexikon des Unerklärlichen

Der Tod hat ja für uns Gothics eine Faszination. Wir interessieren uns (vielleicht für Stinos unverständlich – immerhin haben mir schon einige Psychologen weismachen wollen, daß es nicht normal sei, sich so oft mit dem Gedanken, was danach kommt, zu beschäftigen) verhältnismäßig oft für dieses Thema.

 

Wobei ich mir persönlich jedoch eher die Frage stelle, warum es die Stinos nicht tun. Der Tod ist das Ende des Lebens und keiner wird verschont. Jeder stirbt. Ich habe noch keinen Unsterblichen getroffen, der das auch beweisen könnte. Nun, gut, in der Biologie gibt es Wesen, die „unsterblich“ sind, Bakterien zum Beispiel. Wenn die sich nur durch Mitose teilen, das heißt, sich komplett verdoppeln und vermehren, welche der beiden neuen Zellen ist dann „Original“ und welches ist die Kopie? Und wenn dann eine von beiden stirbt, welche ist dann gestorben?

 

Vielleicht könnte hier mal ein Biologe hilfreich einspringen und es erklären?

 

Aber es sind auch die sichtbaren Dinge, die einen Gothic faszinieren. Wer hat von euch keine Deko zu Hause, die den Tod zeigt? Skelette, Totenschädel, Särge, Grabsteine… all das sind doch Sachen, die wir gerne verwenden. Dazu dann bei Mann und Frau auch gerne das hohlwangige bleiche Aussehen von Leichen beim Styling.

 

Zum Thema „Leichen“ hab ich in meinen „Lexika des Unerklärlichen“ mal gestöbert und eine Menge an Brauchtum gefunden. So wird generell ein Verstorbener als Leiche bezeichnet, so lange er noch nicht begraben wurde. Er hat noch keinen Segen erhalten und ist damit mit besonderer Vorsicht zu behandeln.

 

Sah er zu blühend und rosig aus, so holte er bald jemanden nach, hatte er ungleich lange Füße, folgte ein Mann, wenn der rechte Fuß länger war und eine Frau, wenn der linke länger war. (Hmmm… das macht mich jetzt nachdenklich). Die Augen mußten verschlossen werden (mit Kastanien, Münzen oder Pferdebohnen), denn sonst sahen sie jedem nach. (Ok, das ist wieder logisch, daß man sich durch den merkwürdigen Blick verfolgt fühlte).

 

Von Ralf Roletschek - Selbst fotografiert, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29775777
Kühlraum in der Rechtsmedizin der Charité Berlin

Alles wurde gewaschen (weil unrein), verschlossen (weil sonst die Seele entweicht und umgeht), Krankheiten, wie Warzen, Geschwüre, Ausschläge am Verstorbenen etc. galten dann als gefürchtet (weil übertragbar) oder als Heilmittel. Ja, selbst daß Schiffe die Reisezeit verlängerten, lag an einer Leiche an Bord. Als Mittel gegen die Angst vor dem Tod und Leichen, mußte man die Leiche in die rechte große Zehe beißen (igitt!) oder sie wenigstens berühren. Dann verlor man seine Angst (ok… macht so gesehen Sinn, wer gibt dann schon zu, daß er Angst empfindet, wenn man dann SOWAS machen muß?).

 

Das Sterbehaus und alle, die sich darin befinden, selber galten auch als unrein. Es mußte alles gereinigt werden, Wasser ausgeleert und die Speisen vernichtet. Denn die Seele des Toten fuhr durch das Haus. Um es zu Kennzeichnen stellte man mit Skeletten bemalte Beinbretter vor das Haus und befestigte einen Trauerflor an die Türe (in Sizilien färbte man gleich die Türe schwarz).

 

Skurril finde ich, daß eine Hochzeit bevorsteht, sobald man von einer Leiche träumt. Na gut, es kann sich dann auch das Wetter ändern, eine große Freude bevorstehen oder ein Todesfall eintreten. Auf jeden Fall heiratet man aber selber, wenn man sich als Toten träumt. Psychologisch sicher ein interessanter Zusammenhang. Im Tarot hat der Tod ja auch nicht die Bedeutung, daß einer stirbt, sondern daß sich das Leben ab einem bestimmten Punkt ändern wird.

 

So kam man dann auf den Gedanken, daß man verschiedene Dinge „tun muß“, um Übles abzuwehren. Die Leichenfeier war auch mit Vorsicht zu feiern, denn wenn der Priester nicht aufpaßte, kam es auch zu Absonderlichkeiten. Sprach er bestimmte Worte aus, so konnte der Tote zurückkehren, sprach er zu gut über den Verstorbenen, kam ein schwarzer Hund zu dem Grab und jaulte. Sprach er zu nachteilig, so war das auch nicht recht.

 

Der Leichenfetisch ist aber (nicht, was ihr denkt, ihr Schlimmen!!!) der Kult um die Dinge, die mit der Leiche in Berührung kamen. So kam es zu einem regelrechten Reliquienkult, denn Stoffe, (Galgen-)Stricke oder sogar das Stroh und Wasser, über das eine Leiche getragen wurde, hatte danach eine magische Wirkung. Man schreckte nicht einmal davor zurück, das Fett aus dem Leib der Toten zu schneiden, um Heilmittel herzustellen.

 

Erwähnen will ich nur noch kurz das Leichensingen. Weil es ja bei den Stinos immer heißt, man solle Kinder vom Tod so lange wie möglich fernhalten. Damals war man aber nicht so zimperlich und betrachtete es als Ehre, wenn Schulkinder die Aufgabe übernahmen und im Trauerhaus oder bei der Beerdigung teilweise auf dem Sarg stehend dem Toten singend gedachten.

 

KODAK Digital Still CameraDie Größte Angst der Menschen schien aber immer zu sein, daß der Tote als Wiedergänger oder Nachzehrer zurückkehrt, denn in allen Bräuchen fand ich Maßnahmen, um das zu verhindern. Auch Samhain, ein Fest, das wir feiern, ist das Totenfest. Hier wandeln die Toten aus der Zwischenwelt unter den Lebenden und nur eine geschickte Maskerade verhindert, daß die Lebenden mit den Toten in das Jenseits gezogen werden.

 

Bereitet ihr denn jetzt schon Kostüme und Masken vor, um dann am 31. Oktober Halloween / Samhain zu feiern? Ich denke, ich werde jetzt die Woche beginnen und zumindest dekorieren 🙂 .

 

Gruftige Grüße

eure Luna ^v^

 

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