Mysteriöses Deutschland Teil 2

ChrisKüm aus der deutschsprachigen Wikipedia
Innerer keltischer Ringwall auf dem Altkönig

Im Frankfurter Umland gibt es so einiges, was hier zu entdecken geht. In Hofheim am Taunus fanden Archäologen am Kapellenberg eine kleine, runde Anlage. Mit ca. 70 m Durchmesser wird sie von einem Graben umschlossen. Reste einer Palisade war mit Sicherheit ein Kultbezirk, der an die „Henge“-Anlage auf den britischen Inseln erinnert. Das Alter dieser Anlage ist bislang ungeklärt, weist aber auf die Bronzezeit, in der Heiligtümer mit einer kreisrunden Palisade umgeben waren.

 

Im Jahr 1904 wurden bei Erdarbeiten in einer Wiese in Langenhain in nur 30 cm Tiefe zahlreiche Gegenstände aus frühkeltischer Zeit gefunden. Möglicherweise soll es ein Materialdepot eines Handwerkers sein. Ein Gußkuchen aus Bronze und 28 bronzene Zierscheiben, die mit einem Eisendraht verbunden waren. Die Fundstücke haben einen Durchmesser von 6 bis 21 Zentimetern und etliche der größeren Scheiben sind mit floralen Mustern durchbrochen. Angesehen werden können sie im Museum Wiesbaden.

 

Wer Ruhe und Meditation braucht, findet sie möglicherweise in einer eiförmigen, weißen Kuppel in Langenhain. Hier ist das europäische Zentrum der Baha’i. Zur Erklärung: Die Baha’i sind eine undogmatische, weltweite Religionsgemeinschaft, die die Grundlagen der monotheistischen Religionen in sich aufgenommen hat. Es gibt aber keine Priester, sondern einen gewählten Rat. Das religiöse Leben folgt einem 19-Tage-Rhythmus und hat strenge Fastenregeln, sie engagieren sich aber auch sehr im sozialen Bereich. Da sie nicht missionieren und ihr Haus für jeden offen ist (ich habe dort auch schon drin gesessen und die Stille genossen), erwähne ich den Tempel in diesem Blog.

 

In Eschborn (vielleicht manchen Sportfan ein Begriff, gibt es hier doch das Radrennen jedes Jahr) sitzen nicht nur die Börse. Eschborn ist eine der ältesten Ansiedlungen im Frankfurter Raum. Die alten Namen „Askobrunne“, „Asceburne“, „Aschebrunne“ und ähnliche Formen weisen auf die Asen – einem mächtigem Göttergeschlecht – und dessen Kultus in allen deutschen Völkern hin. Sprachlich leitet sich „Eschborn“ möglicherweise auch von der Esche – ein Baum, der in der germanischen Mythologie eine große Rolle spielt – ab. In Eschborn fand man bei Erweiterung eines Friedhofs 50 Gräber, in denen die Alemannen des 5. Jahrhunderts ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Die Grabbeigaben, die die Verstorbenen für ihre Reise in die Anderwelt gebraucht hatten, kann man im Museum Eschborn ansehen.

 

Von Photographed by Albärt, fotografiärt im Jülli 2006 - Photographed, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1213999
Frauengrab mit Beigaben in einem Reihengräberfeld

 

Kronberg und der Altkönig bieten auch viele mystische Geschichten. Das ist ein 798 m hoher Berg mit einer Quarzitkuppe, die nur unwesentlich niedriger als der benachbarte Große Feldberg ist. Zahlreiche Sagen ranken sich um diesen Berg. Zum Beispiel soll ein Sueben-Häuptling nach seiner Niederlage gegen Caesar seinen Alterssitz dort errichtet haben. Mit den Ringwällen als Schutz. Eine andere Legende spricht von einem türkischen Sultan (wie er da hin kam ist unbekannt), der dort in unermeßlichen Schätzen dort ruht. Jeder seiner Nachfolger schwor „beim Barte des Propheten“, daß er diesen Grabesberg dereinst wieder erobern würde. Aber keine Sorge, wenn der Anführer dann herkäme, dann (so ist es prophezeit) würde er den Krieg nicht überleben. Denn spätestens in Köln erschlüge ihn eine ältere Dame mit dem Stock.

 

Ein alter Waldweg entlang der Ringwälle wurde nach einem Waldbauern namens Adam benannt. Der gab wenig auf das Verbot, am ersten Tag des neuen Jahres, Holz zu machen. Denn dieser Tag ist den Waldgeistern geweiht und die Wälder liegen im tiefen Schlaf. Adam nahm aber trotzdem seinen Schlitten und zog ihn zum Altkönig hinauf, machte ungeniert Holz. Bei der Abfahrt soll ihn aber die Strafe ereilt haben, denn der Schlitten nahm Fahrt auf und zerbarst ungebremst und er starb.

 

In einer Höhle im Altkönig fand eine Frau mit einem kleinen Kind einen unermeßlichen Schatz. Sie warf ihre gesammelten Kräuter aus dem Korb und stopfte sich die Schätze hinein. An einem Tisch saßen 7 bärtige Männer, von denen einer beim Herauseilen rief: „Vergiß das Beste nicht!“ Doch sie kümmerte sich nicht darum. Erst als sich hinter ihr krachend der Eingang verschloß, bemerkte sie, daß sie das Beste – ihr Kind – nicht dabei hatte. Gebrochen ging sie zurück in das Tal. Abends klopfte es an ihre Türe und einer der Bärtigen stand davor. Er wies sie daraufhin, daß sie den Eingang zur Höhle hätte wiederfinden können, wenn sie nicht alle Kräuter ausgeleert hätte. Dann hätte jenes Zauberkraut ihr den Zugang wieder ermöglicht. So mußte sie aber 7 Jahre warten und fand dann ihr Kind wieder.

 

Von Bernard de Montfaucon - J.R. Planché,
Zwei Druiden aus einer Veröffentlichung von 1845. Nach einem Relief, das in Autun gefunden wurde

 

Die Ringwälle geben auch heute noch Rätsel auf, eine These ist, daß es der Sitz eines keltischen Fürsten zum Schutz war, allerdings gibt es keine Belege für Wohnanlagen. Eine zweite These sagt, daß es eine Fluchtburg sei, doch die keltische Landwirtschaft fand in der Wetterau statt und nicht in den Taunushängen. Zudem hätte die Mainbevölkerung einen sehr weiten Weg gehabt.

 

Als Hexe mag ich die Vorstellung der dritten These natürlich am Liebsten, denn es könnte ein befestigtes Heiligtum der Druiden gewesen sein, das an hohen Festtagen aufgesucht wurde. Das würde die fehlenden Wohnanlagen erklären (Festivalbesucher zelten traditionell 😉 ), die ferne Lage und die Größe. Als Kultplatz plausibel, wo sonst könnten die Götter wohnen wollen?

 

Schaut euch das doch mal an, und berichtet mir, ob ihr die Geister gesehen habt. Und wer den Schatz findet… meine Kontonummer lautet…

gruftige Grüße

eure Luna ^v^

2 thoughts on “Mysteriöses Deutschland Teil 2

  1. Hej Hej,

    ich verfolge deinen Blog schon eine Weile und hacke mal kurz beim ersten Abschnitt zum Kapellenberg ein. Dort habe ich selbst vor einigen Jahren die archäologische Ausgrabung geleitet. Von einem Kultbezirk habe ich dort nichts gelesen. Allerdings ganz sicher von dem Fundament eines römischen Aussichtsturms. Vielleicht meinst du das? Ansonsten würde ich mich über die genutzte Quelle freuen….man lernt ja bekanntlich nie aus 😀

    1. Hallo,

      ich habe das aus dem Buch „Geheimnisvolles Hessen“ von Gerd Bauer aus dem Societätsverlag. Er beschreibt dort die Anlage als einen Kultbezirk, was ich als Laie natürlich nur wiedergeben kann. Papier ist aber geduldig und ich poche natürlich nicht darauf, recht zu haben. Wenn du mehr Informationen dazu hast, gerne einen Link posten, lernen wollen wir alle gerne. 🙂

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