Mysteriöses Deutschland Teil 4

Von Sven Teschke, Büdingen - selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9553216
St. Michaels Kirche, Fulda

So, gestern war ich dank einer Schleusenfahrt vom Rhein in den Main und zurück auf den Spuren meines letztwöchigen Beitrags unterwegs. Gefunden habe ich aber leider keinen Schatz in Biebrich. Bedaure. Hätte gerne hier meine Schätze präsentiert.

 

Deswegen mache ich mich heute mal virtuell auf nach Fulda und die Umgebung und schaue dort mal nach den mysteriösen Flecken. Anwohner der Gegend und Urlauber könnten mir ja dann berichten, ob da was dran ist.

 

Am Rathausbrunnen in Fulda treffen sich wohl sehr gerne die Tratschmäuler der Stadt. Es geht nun die Sage, daß jene, die ihr Schandmaul nicht bereuen, nach dem Tode vom Teufel nach Fulda geschickt werden. Dort müssen sie mit der Zunge die Rathaustreppe fegen und sollen dazu ein Maul voll Wasser nehmen, während der Herr der Finsternis die Laterne hält. Aus diesem Grund ist morgens sehr oft die Treppe feucht.

 

Die Sonnenuhr der Michaelskirche stammt aus dem Hochmittelalter oder ist noch älter und erst beim Bau der Kirche an diese Stelle gesetzt worden. Das Besondere an der Uhr ist, sie ist in 8 Abschnitte eingeteilt. Im Hochmittelalter hatte man diese Zeiteinteilung schon durch die heute bekannte 12er Einteilung ersetzt. Aber auch sonst ist die Kirche ungewöhnlich: zu bestimmten Jahreszeiten lenken sie das Licht der aufgehenden Sonne auf die zugeordneten Heiligenbilder oder das symbolische Christusgrab. Der Miterbauer Rabanus Maurus soll hier sein astronomisches Wissen mit eingebracht haben.

 

Ein Ringwall gibt es auf dem 416 m hohen Haimberg, der durch Steinbrucharbeiten mittlerweile weitgehend ausgehöhlt ist. Die Anlage ist auf die „Urnenfelderzeit“ datiert und die Reste sind im Westen und Süden der Kuppe etwas zu sehen. Gewandfibeln, Schmuck aus Bronze und die Gußform der charakteristischen „obenständigen Lappenbeile“ stammen aus der Periode und befinden sich in dem Vonderau-Museum.

 

Um Hofbieber soll ein Berggeist sein Unwesen treiben. In den Tagen, als die Welt noch jung war, lebte im Osten unseres Landes ein mächtiger Berggeist, dessen Wohnung in einem heiligen Berg in der Rhön lag. Der Herr und Hüter Mils galt als unermeßlich reich und er belohnte die Guten. Die Bösewichte dagegen versetzte er des Nachts in Angst und Schrecken.

 

Auch hütete er die heiligen Quellen, die auch heute noch an den Hängen der Milseburg sprudeln. Das Wasser verhilft den Frauen zu Kindern und auch bei Augenleiden soll es wirken. Unter dem Gipfel vermutet man einen alten heidnischen Kultplatz, auf dem heute eine Kapelle steht. Diese ist dem heiligen Gangolf geweiht, der offenbar die Aufgaben seines heidnischen Vorgängers übernommen hat. So ist das auch wieder ein Beispiel der christlichen Umbesetzung alten Heiligtums. Denn so wurde aus dem Berggeist ein böser Riese, der mit dem Teufel im Bunde sei und Gangolf Widerstand bot.

 

In Versen wurde es zu dem „Milseburg-Lied“ umgedichtet.

Milseburg - Lied
Milseburg – Lied

 

Als Anekdote amüsanterer Art gilt für mich die Story, daß der heilige Gangolf unter einem zänkischen Eheweib litt. So bat der fromme Mann, daß er mehr Ruhe für seine theologischen Studien bekäme und der Herrgott habe ein Einsehen gehabt. Daraufhin furzte die Frau jeden Freitag dermaßen, daß sie sich selbst nicht mehr zanken hörte und sich wütend und beschämt zurückzog. Meiner Meinung nach ein schlechter Tausch… aber ich bin ja auch eine Frau 😉 .

 

Die Rhön-Elfen brachten einen Rittersmann in arge Bedrängnis, denn er beobachtete eines Abends die liebreizenden und begehrenswerten Mädchen bei ihrem Reigentanz. Also faßte er sich Mut und begann mit den leichtbekleideten Ladies zu tanzen. Es gefiel ihm so gut, daß er daraufhin jeden Abend mittanzte und seiner Ehefrau Lügen auftischte. Doch die Frau glaubte seine angeblichen Anproben beim Waffenschmied, den Sprachkurs auf Weisung des Kaisers im Kloster Fulda und so weiter nicht, und so folgte sie ihm heimlich.

 

Sie mischte sich ebenso heimlich unter die tanzenden Elfen und machte ihm keine Szene, als auch er ihr seine Komplimente ins Ohr flüsterte. Sie bot ihm an, alles zu verschweigen, wenn er in Zukunft den Elfentanz meiden würde. Der Ritter versprach’s und die Elfen tanzen seitdem wieder alleine in der Rhön.

 

Ein zirka 1300 m langer Ringwall (Oppidum Milseburg) umschließt den Fuß des Basaltrückens der Milseburg. Lediglich im Westen scheint er unbefestigter gewesen zu sein. Die Anlage besaß mehrere Mauerdurchlässe und drei große Tore im Nordosten, Osten und Süden. Die nordwestliche Quelle wurde durch zwei kürzere Wälle gesondert gesichert und die Wohnstätten wurden auf künstlichen Podien in den Berghang gebaut. Archäologen datieren diese Funde auf die späte Hallstatt-Zeit, die Blütezeit war mutmaßlich zur keltischen Zeit.

 

Einen Beleg für einen Kultplatz am höchsten Punkt der Befestigung der Milseburg gibt es nicht, aber wer die vorgeschichtlichen Fundstücke ansehen möchte, sollte das Landesmuseum Kassel und das Vonderau-Museum in Fulda aufsuchen und dort die keltischen und germanischen Stücke ansehen.

 

Viel Spaß (und bitte bitte Bilder schicken, wenn ihr die Elfen findet!), gruftige Grüße,

eure Luna ^v^

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