Myteriöses Deutschland Teil 5

Bild entnommen aus der Galerie 2015 der Oberurseler Feyerey
Falkner auf dem Markt – Bild von der Feyerey 2015 (schaut euch auch die anderen Bilder der Galerie an!)

Gestern habe ich meinen Tag wieder in Oberursel verbracht. Dort, auf der „Oberurseler Feyerey“ gab es sehr viel zum Schauen und Erleben. Gut, die Sanges- und Musikkünste der verpflichteten Bands habe ich (ehrlich gesagt) nur am Rande mitbekommen, denn um das wirklich zu genießen, hätte ich das Schauen an den Ständen kürzer fassen müssen. Aber auch als Hintergrundmusik war es sehr angenehm und versetzte einen in die passende Stimmung.

 

Und es gab so herrlich viel zu probieren und zu testen: Einen Stand, an dem getrocknetes Fleisch erworben und probiert werden konnte (und ich meine nicht Beef-Jerky aus einer überteuerten Tüte mit einem Asia-Dressing), einen Gewürzstand mit leckeren Dips (und das Chakalaka und das Jambalaya war um Klassen besser, als eine Würztüte aus dem bekannten Sortiment *hüstel*), einen Marmelade Stand (Omnomnomnomnom). Ich stelle fest, ich bin verfressen… o_O

 

Dazu natürlich auch die Handwerkstände mit Rüstungsteilen (Wow, die Schwerter an dem einen Stand – man kann übrigens in der Nähe von Frankfurt auch eine Schwertschule besuchen, bei der man die Kunst mit den Dingern zu kämpfen erlernt!), natürlich die Kleiderverkäufer, die Dekorationsartikel, die Räucherwaren und dann die Steine und Schmuckstände.

 

Vieles kann man sich auch vor Ort anfertigen lassen, reparieren oder ändern lassen. (Das hatte ich schon mal als Tipp, wenn man etwas Defektes hat, ruhig mal zu so einem Markt mitnehmen, die Handwerker, die ihre Sachen selber fertigen und nicht aus China importieren, können es kompetent richten. So auch meine Glasfeder, die unsere Katze mal vom Tisch fegte und die dann in zwei Teile zerbrach.)

 

Im Lagerbereich gab es auch einiges zu entdecken (selbst das DRK war mit einem Stand „die Knochenbrecher“ vertreten und stellten mittelalterliche Gerätschaften zur Behandlung aus 😉 ), eine Falknerin hielt ihre Vögel auf der Hand. Wusstet ihr, dass man zum Halten der edlen Raubvögel einen Jagdschein braucht? Ich nicht, und so wurde ich aufgeklärt, dass Greifvögel als geladene und entsicherte Waffen gelten… Ich gebe zu, sie sind bedeutend schöner als Pistolen!

 

Einen Krieg konnte ich zwischen den Königsteiner und Kronberger Rittern nicht anzetteln, selbst das „Die anderen haben gesagt, ihr seyd Weicheier“ brachte alle nur zum Lachen ;).

 

Ich habe aber neben Fressalien und Getränken (das selbstgebraute Bier an einem Stand ist wirklich gar köstlich gewesen!) auch noch andere Kleinigkeiten erworben. Wer übrigens einen Teil der vertretenen Händler aufsuchen möchte, in Friedberg ist kommendes Wochenende Mittelaltermarkt und wer sich nicht zum M’Era Luna aufmachen kann und in der Nähe wohnt, kann doch gerne mal vorbeischauen!

 

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Mein Trinkhorn mit Halterung für den Gürtel

Nun, als stolze neue Besitzerin eines großen, mit Schnitzereien versehenen Trinkhornes hab ich mal geschaut, was denn mystisches in Oberursel los war. Und, was soll ich sagen? Oberursel war eine Großstadt der Kelten. Als Ausgangspunkt gelten zwei frühkeltische Festungen, die das Heidetränktal flankierten. Die eine befand sich westlich des Baches, genannt „Altenhöfe“ und im Osten die „Goldgrube“.

 

In der Spät-La-Tène-Zeit wurde daraus eine große Stadtanlage im Stile der Mittelmeerstädte, ein Oppidum. Wissenschaftler vermuten auf einer Fläche von 130 Hektar bis zu 30.000 Einwohner, eine regelrechte Großstadt. Damit war sie die größte Keltenstadt im Rhein-Main-Gebiet, die vier bis sechs Meter hohen „Pfostenschlitzmauern“ sicherten den lebenswichtigen Zugang zu dem Bach, an dem die „Heiden“ ihr Vieh „tränkten“ und sperrten das Tal.

 

Verteidigen konnten die Kelten es, weil die 6 riesigen Stadttore in zangenförmigen Mauerbuchten (die Reste sind heute kaum noch im Buchenwald zu erkennen), auch die Ringwallreste sind dank eines Holzkernes so verfallen, dass man Bescheid wissen muss, um diese zu identifizieren. Aber dank der Beschilderung „archäologischer Wanderweg“ kann man sich orientieren.

 

Gefunden wurden im Oppidum etliche keltische Fibeln und Votivtiere aus Bronze und Münzen. Wer den Weg abwandern möchte, sollte mit der U-Bahn an der Haltestelle Bad-Homburg-Hohemark aussteigen, mit dem Auto auf einem Parkplatz im Heidetränktal beginnen. Im Vordertaunus-Museum in Oberursel wird alles dargestellt, auch die Bebauung des nahen Altkönigs mit Fundstücken ist dort zu sehen.

 

So, nun mache ich mich in die zweite Ferien Halbzeit und genieße Sonne und Wärme,

gruftige Grüße
eure Luna

 

PS: Wer sich von euch für Hexerei interessiert, dem sei ein Buch ans Herz gelegt. An Abrakadabra – Das kleine Hexeneinmaleins aus der UrlICHt-Reihe von Tanja Wilhelmus und Hexenschwestern, ISBN 9783944648576 hab ich auch mitgearbeitet. Dieses Buch (seit dem 29.7.2016 erhältlich) aus dem Masou-Verlag ist aus der Idee, Kindern zu helfen, entstanden und vermittelt das Basiswissen für Junghexen. Alle Erlöse fließen nicht in die Taschen der mitwirkenden Autoren, sondern kommen caritativen Zwecken für Kinder zu Gute. VK ist 18,90 €.

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