Nordische Götterwelt – Teil 1

Abbildung von Loki

So, nach einem entspannten Wochenende auf dem Campingplatz eines Freundes kommen wir wieder heim zu unseren katzigen Rotzlöffeln Thor und Loki.

Ich hätte gedacht, die beiden Kobolde hätten unsere ganze Wohnung zerlegt, aber außer einer abgehängten Gardine haben sie nichts angestellt. Na gut, vielleicht hat unser kleiner Donnergott Thor noch den Unruhestifter Loki mit einer Klangschalen Massage verwöhnt… die lag nämlich auch auf dem Boden.

Dafür hat er aber auf jeden Fall seine Mjölnirpfoten benutzt und einen Teller zerkloppt, als wir Abendessen machten. Ein Teller weniger und bei mir die Neugierde größer, wer war Thor und die nordischen Götter eigentlich?

Viele Hexen und Heiden berufen sich ja auch auf diese Götter (mit dem sogenannten „Pantheon“), auch wenn die nie auf einer religiösen Gesellschaft oder einem religiösen System beruhte. Sie ähnelte auch sehr der germanischen Kultur und entwickelte sich. Niemand legte einen Glaubenssatz vor oder bestimmte die Regeln.

Yggdrasil – die Weltenesche

Sehr schwierig ist es, überhaupt nähere Informationen zu bekommen, da zwar Runentexte in schriftlicher Form existieren, hauptsächlich aber römische oder christliche Schriften davon berichteten. Und die sind absolut nicht neutral und auch nicht aus erster Hand. Die Riten wurden innerhalb der keltischen Kultur meist mündlich weitergetragen…

In Schriften und Mythologien übernahmen Dichter vermutlich Motive der mythischen Kulte und auch christlichen Riten, ohne allerdings die Inhalten und Bedeutungen zu übernehmen. Religiöse Kultgegenstände, sogenannte Artefakte, zeugen zum Beispiel von einem Sonnenkult.

Auch die Bestattung der Toten durch verbrennen (um die Seelen zu befreien), oder mit einem Geldstück im Mund, um den Obulus für die Überfahrt in das Reich der Toten zu bezahlen, zeigt, dass sie an ein Jenseits glaubten.

 

Sicher ist man sich aber nicht, dass sie an Gottpersonen glaubten. Vielmehr waren Blitze, Bäume, Steine… auch für sie lebendig. Sie wurden ab der Bronzezeit in Felszeichnungen und Statuen erst personifiziert. Snorri Sturluson schrieb um 1225 sein Skaldenbuch und beschrieb dort die Midgardschlange, die um alle Länder im Meer herumliegt und sich selber in den Schwanz beißt. Dieses Motiv war von Skandinavien bis Bayern bekannt.

Es zeigte sich zum Beispiel in einem Goldmedaillon von Lyngby (5. Jhd.), einem englischen Steinkreuzfragment von Birmingham (8. Jhd.) und in dem Ring des Pfeilerdienst der Neuwerkkirche in Goslar (12. Jhd:) und dem spätromanischen Taufbecken von Fullösa in Schonen.

Die Welt der Menschen war damals stark durch Sagen und Mythen geprägt. Im Mittelpunkt lag Asgard, hier waren die kriegerischen Götter, die Asen, und die Wanen ansässig. Jeder von ihnen hatte ein eigenes Reich. Odin herrschte in Hlidskjálf, Balder auf Breiðablik, Freyja in Fólkvangr, Freyr in Álfheimr, Njörd in Nóatún, Thor in Trúdheimr und Heimdall auf der Burg Himinbjörg.

Mjölnir – Thors Hammer

Das Reich der Götter und die Welt der Sterblichen verband Bifröst, die regenbogenartige Brücke. In Midgard lebten die Menschen. Ein riesiges Meer, welches eine gigantische Schlangenbestie (Midgardschlange) beherbergte, umgab das Land.

Weit in der Ferne lag die Außenwelt Utgard mit den Ungeheuern und Riesen, die den Göttern in Asgard und Menschen in Midgard feindlich gesinnt waren und nur darauf warteten, am Tag des Ragnarök zuzuschlagen.

Hel war die Herrscherin über das Totenreich (Helheim). Sie war eine Gottheit, deren eine Körperhälfte eine betörende junge Frau widerspiegelte, während die andere Seite ein altes Skelett zeigte.

In Asgard wuchs auch der Weltenbaum Yggdrasil. Dieser überaus gigantische Baum des Lebens war durch seine Wurzeln mit Midgard, Utgard und Helheim verbunden und hielt das Gefüge der Welt und ihre Ordnung zusammen. Vor der „Weltenesche“ lag auch die Wasserquelle der Schicksalsgöttin.

Der Weltenbaum selbst war immensen Strapazen ausgesetzt: vier Hirsche zerrten an seinen Knospen, eine Schlange nagte an seinen Wurzeln und an einer Seite fraß sich schon die Fäulnis in den Baum des Lebens.

Der Hauptgott war Odin, ein Kriegs- und Todesgott, aber auch ein Weiser. Thor war ein Beschützer der Menschen mit seinem Mjölnir. Die Nornen spannen für die Menschen die Lebensfäden und verknüpften so die Schicksale, während die Walküren die Sendboten Odins waren. Sie gehörten zu dem Göttergeschlecht der Asen. Frey und Freya waren dagegen die Wanen. Das waren die Fruchtbarkeitsgötter. Beide Geschlechter bekriegten sich, schlossen aber am Ende Frieden.

Das Ende aller Götter soll dann das Ragnarök sein, die Menschen waren damals recht pessimistisch. Nach der Edda soll aber eine neue Welt nach dem Niedergang entstehen, was aber möglicherweise nur auf einen christlichen Einfluss zurückzuführen ist.

Ich wünsche euch einen schönen Restsonntag, morgen ist Montag und meteorologisch der letzte Sommertag (also, kein Ragnarök!), genießt es und bis dann!

Eure Luna ^v^

 

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