Opeth Bandporträt

Irgendwie häufen sich die Band-Jubiläen dieses Jahr. Ging es in meinem letzten Bandporträt um In Extremo, die 20 Jahre alt werden, möchte ich mich diesmal einer Band widmen, die aus einer ganz anderen musikalischen Ecke kommt – Opeth. Die Schweden feiern ihr 25-jähriges Bestehen. Respekt! So alt sind die Herren noch gar nicht, sie haben nur schon früh angefangen, Musik zu machen. Und zwar ganz besondere Musik, die sich allerdings im Laufe der Zeit, insbesondere mit den beiden letzten Alben, stark gewandelt hat, aber dazu später mehr.

 

Wie lange ich Opeth schon höre, weiß ich gar nicht so genau, vielleicht so um die 15 Jahre. Jedenfalls bin ich ein großer Fan und habe die Band schon sehr oft live gesehen. Eigentlich immer, wenn sich die Gelegenheit ergab, was aufgrund der Tourfreudigkeit der Jungs recht häufig war. Für alle, die Opeth nicht oder nur vom Namen kennen, versuche ich einmal, zu erklären, was diese Band ausmacht.

 

Ein auffälliges Merkmal ist die Länge der Songs, die durchschnittlich wohl bei zehn Minuten liegt. Dazu haben Opeth einen sehr eigenen Klang mit hohem Wiedererkennungswert. Das ist etwas, was ich an Bands generell sehr schätze. Die verschiedenen Komponenten, insbesondere Gitarrensound und Gesang, ergeben zusammen den typischen Opeth-Stil. Der wiederum lässt sich nicht so einfach erklären und will nicht recht in gängige Schubladen passen. Bis vor ein paar Jahren konnten Opeth durchaus als Death-Metal-Band bezeichnet werden. Allerdings nicht im Sinne von ultrabrutalem Geknüppel, sondern mit viel Atmosphäre, etwa durch Keyboardmelodien, und deutlichem Prog-Einschlag. Wenn man unbedingt die Schubladenmethode anwenden möchte, wäre Prog-Metal wohl auch passender als Death Metal. Wie dem auch sei, mit diesem einzigartigen Sound und einem großartigen Songwriting haben sich Opeth eine wachsende und treue Fangemeinde erspielt.

 

Opeth - Kavarna Rock Fest 2011

 

Während es durch die Jahre verschiedene Line-Up-Wechsel gab, ist der Mastermind der Band seit seinem 16. Lebensjahr dabei: Mikael Åkerfeldt ist als Sänger und Gitarrist zu großen Teilen verantwortlich für die Musik. Er schreibt die meisten Songs und Texte und ist ein musikalisches Genie, wie ich finde. Und zudem ein sympathischer Frontmann, der bei Konzerten das Publikum mit seinen witzigen Sprüchen unterhält. Faszinierend ist, dass der Mann sowohl den für Death Metal typischen tiefen Grunzgesang als auch einen klaren Gesangsstil mit einer sehr schön klingenden Stimme beherrscht. Der Wechsel zwischen diesen beiden Gesangsarten war immer eines der Markenzeichen von Opeth. Live bekommt man diesen auch noch zu hören, auf den Studioalben jedoch mittlerweile nicht mehr.

 

Schon 2003 kam mit Damnation ein ruhig gehaltenes Werk mit ausschließlich cleanem Gesang heraus. Fast zeitgleich jedoch auch das gewohnt harte Deliverance, das beide Gesangsstile enthält. Schon damals hatte Åkerfeldt viele Ideen für Songs, die mit Metal nicht mehr allzu viel zu tun hatten, dabei aber nicht minder nach Opeth klangen. Damnation eignet sich bestens als musikalische Untermalung für ein Candlelight-Dinner oder andere Anlässe, die nach eher sanften Klängen verlangen. Ob ruhig oder hart, die Musik ist immer sehr komplex, interessant und abwechslungsreich. Viele Einflüsse und Musikstile prägen den Sound – an Blues erinnernde Parts kommen ebenso vor wie Siebzigerjahre-Rock. Mal klingt es düster-melancholisch, mal bedrohlich, mal einfach nur schön….wie gesagt, es lässt sich nicht so einfach beschreiben. Mikael Åkerfeldt ist ein riesiger Musikfan und Plattensammler. Von klassischem Heavy Metal wurde er ebenso beeinflusst wie vom teils progressiven Rock der Seventies. Opeths Musik profitiert von dieser musikalischen Vielseitigkeit. Die Band ist äußerst experimentell und daher niemals langweilig oder eintönig.

 

Mit dem 2011 erschienenen Album Heritage und dem aktuellen Pale Communion haben sich Opeth konsequent weiterentwickelt und so einem möglichen musikalischen Stillstand entgegengewirkt. Von Death-Metal-Vocals gibt es auf diesen beiden Scheiben keine Spur mehr; der Gesang ist ausschließlich klar. Auch stilistisch sind beide Werke weniger hart, sondern gehen eher in Richtung Prog-Rock. Die Songs kommen oft sehr psychedelisch daher, es gibt akustische Passagen wie auch verzerrte Gitarren. Es ist eine interessante Mischung, die mir sehr gefällt. Sicher wird es Fans geben, die mit den neueren Songs nicht mehr so viel anfangen können. Dafür finden andere vielleicht erst jetzt Gefallen an der Band. Das letzte Opeth-Konzert, das ich besuchte, letztes Jahr in Köln, war jedenfalls ausverkauft. Allerdings machten die neue Songs dort nur einen geringen Teil der Setlist aus. Wer mit Metal oder Grunzgesang gar nichts anfangen kann, sollte sich unbedingt die letzten beiden Alben sowie Damnation anhören. Ich persönlich mag den Stil der Band so gerne, diese Gitarren und Melodien, dass sie wohl machen können, was sie wollen – es wird mir immer gefallen. Deshalb habe ich auch schon mein Ticket für das nächste Konzert im Oktober.

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