Schwarze Fremdkörper?

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Tja, normal (egal welcher Art) ist bei mir wohl was anderes…

Wir haben dieses Jahr (glaube ich jedenfalls, denn eingeladen hat mich bisher noch keiner) unser 25 jähriges Abi. Also, ich hab zumindest seit 25 Jahren mein Abi, aber ob es eine Feier gibt, weiß ich nicht.

In den Abizeitungen steht ja immer sowas von Blablabla und in zehn Jahren treffen wir uns dann wieder. Haben wir auch gemacht, damals, und das war mehr als sonderbar. Um nicht zu sagen, gruselig. Die ganzen „beliebten“ Kids und die „sportlichen“ und die „Nerds“ und so weiter und so fort, haben sich auch verändert. Die meisten waren trotz Abizeitung mit Foto und Namen nicht wieder zu erkennen.

Die beliebten und hübschen… nun ja, formulieren wir es mal freundlich, die Jahre sind nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen. Hübsch damals ist inzwischen was anderes. Und wo man dachte, wow, die bekommen bestimmt einen gutdotierten Job bei den oberen zehntausend… tja, Fußabtreter für einen blöden Boß ist ja auch eine Karriere.

Oder der Supersportler, der seinen Sixpack gegen ein Schmerbäuchlein eingetauscht hat und angeblich ja mal zum Film wollte… ich hab von dem nie was gesehen oder gehört. Und das war sozusagen auch in der Vergangenheit und seitdem sind noch mal 15 Jahre ins Land gezogen.

Was haben die alle so erlebt? Nicht, daß es mich interessieren würde und ich dann Kontakt halten wollte. Vielleicht ist es auch die Gehässigkeit, die als ehemaliges Mobbingopfer aus mir spricht, ich wüßte gerne, wer noch so alles von den tollen Typen damals inzwischen seinen Lack verloren hat.

Okay, ich war (und bin heute) niemals ein geselliger Typ, fühl(t)e mich auch in den größten Menschenmengen fehl am Platz. (Auch heute noch, wenn ich auf Klassenfeste meiner Kinder dackeln muß – aber hey, wenn die nicht mit mir reden, dann haben sie wegen meinem Outfit zumindest was, um ÜBER mich zu reden).

Wie war das denn bei euch? Wann habt ihr euch denn entschieden, konsequent Schwarz zu tragen oder zu leben (was ja mit der Klamotte in manchen Punkten im Leben nicht geht)? War es Protest? Eine Modefrage? Oder Notwendigkeit, weil „schwarz ja schlank macht“?

Oder war es auch eine Sache, daß ihr einfach nur „anders als die anderen“ wart und das dann auch zeigen wolltet? Ich meine, ich war bis zur 11. Klasse auch relativ bunt (okeeeee… ich hatte einen Pulli in knalligen Regenbogenfarben mit einer türkisfarbenen langen Hose an, was auch auf einem Klassenfoto so verewigt wurde. Das gestehe ich aber nur, weil ich genau weiß, daß niemand von den Leuten damals meinen Blog hier liest *kicher* und so genau wüßte, welches Bild ich meine…), bevor ich dann über grau nach schwarz wechselte.

Aber Fakt ist, daß ich mich heute immer noch ein wenig als Störfaktor zwischen den Stinos empfinde und nicht wüßte, was ich mit den Herrschaften reden soll. Ich WAR anders, ob ich das durch das Mobbing bedingt war oder umgekehrt mein Anderssein das Mobbing verursachte, keine Ahnung.

Nun ist meine schwarze Alltagsklamotte mehr oder weniger auch eine Rüstung GEGEN Anfeindungen (oder eben das Gefühl, wenn sie mich nicht mögen, dann kann ich es auf mein Aussehen schieben). Bei meinen Leuten bin ich „normal“. Da fühle ich mich auch akzeptiert, meine Meinung wird respektiert und ich muß nicht überlegen, ob ich beliebt, hübsch oder supersportlich sein muß.

Sind wir toleranter als die Stinos? Weil wir alle irgendwo die selbe Geschichte erlebt haben? Weil wir Ablehnung unserer Person, unserer Einstellung am eigenen Leib erfahren haben und sie kennen? Oder sind wir im ureigentlichen Sinn genauso kleinlich und ignorant anderen gegenüber?

Ich meine, nicht die kleinen neckischen Späße gegenüber Emos. Oder Witze über die Formationen der tanzenden Cybers, wenn man eher Romantic-Goth ist. Wenn man einem Steampunker sagt, er sei eher Cos-Player als Goth, weil er seltenst ein schwarz basiertes Outfit trägt? Nein, ich meine das tiefer gehende Gefühl, daß man eine bestimmte Gruppe von Menschen einfach als unangenehm empfindet?

So in etwa, daß man den Ballermann nicht als die höchste und beste Location ansieht, um „anständig“ feiern zu gehen. Oder man sich fragt, welche Pillen ein Psychologe gefressen hat, weil er jemanden, der über das Leben und den Tod und den Sinn dazwischen nachdenkt, als vollkommen gestört betrachtet. Oder denken Stinos nicht über sowas nach? Ich weiß es nicht. Ich war nie wirklich ein Stino und mit anderen (damals in der Schule usw.) hab ich mich ja nicht austauschen können…

Vielleicht wäre es dann doch mal gut, so eine 25-Jahr-Feier zu besuchen. Wenn ich dann mal erfahre, was andere so denken und das blöde „ich bin ja viel toller als du“- Gehabe abgeschaltet wird. Aber vermutlich wird dann wieder in den „bekannten“ Grüppchen zusammengestanden und über die anderen Anwesenden gelästert… Ich werde es nie erfahren!

Gruftige Grüße

Luna ^v^

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