Stilrichtungen des Metal, Teil 7: Power Metal

Der Name ist Programm! Power Metal steckt voller Kraft und Energie. Und zwar so sehr, dass es teilweise geradezu bombastisch klingt. Das Genre besteht seit den Achtzigerjahren, als es aus dem klassischen Heavy Metal und dem sehr schnellen Speed Metal entstand. Interessanterweise gibt es besonders viele europäische und vor allem deutsche Bands, die diesen Stil sehr erfolgreich vertreten. Mir fallen da sofort Blind Guardian aus Nordrhein-Westfalen ein (Foto). Die Jungs spielen schon seit gut 30 Jahren zusammen und füllen große Hallen, nicht nur in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in Japan.

 

Blind Guardian Group

Das wichtigste Merkmal des Power Metal sind große Melodien. Dabei spielt der (meist männliche) Gesang eindeutig die Hauptrolle. Die Sänger singen zumeist klar, manchmal ein wenig rau, und gerne besonders hoch. Zwar geht es nicht ganz so temporeich wie beim Speed Metal zu, aber die Musik ist dennoch schnell. Allerdings sind auch Balladen keine Seltenheit. Im Gitarrenspiel wird ebenfalls viel Wert auf Melodien und Harmonien gelegt. Zahlreiche europäische Bands setzen zudem auf Keyboard-Klänge. Daraus entstehen dann oft orchestrale, bombastische Klänge. In diesen Fällen spricht man von Symphonic oder Epic Power Metal. Neben dem europäischen Stil gibt es den US-amerikanischen, der insgesamt rauer und aggressiver klingt. Zwar sind die Songs auch hier melodienlastig, aber es gibt kein Keyboard und die Gitarrenriffs nehmen einen höheren Stellenwert ein als die Vocals. Außerdem ist der Gesang etwas härter.

 

Eine bestimmte Ideologie existiert im Power Metal nicht, wohl aber ein deutlicher Hang zu Fantasy-Themen und Mythologie. Beliebt sind ausgeklügelte Konzeptalben zu einem bestimmten Thema oder einer Geschichte. Ein Beispiel für ein solches Album ist Blind Guardians “Nightfall in Middle-Earth”, das sich mit J.R.R. Tolkiens Mittelerde befasst. Auch die US-Band Savatage hat mehrere Konzeptalben hervorgebracht, etwa “Dead Winter Dead”, auf dem es um den Bosnien Krieg geht. Die Themen des Power Metal können also sehr unterschiedlich sein, fiktiv oder real.

 

Wie bereits erwähnt, gibt es besonders viele deutsche Power-Metal-Bands, von denen einige das Genre mitbegründet und geprägt haben. Zu den deutschen Vertretern gehören Helloween, Gamma Ray, Running Wild, Rage, Brainstorm, Freedom Call, Edguy, Avantasia, Masterplan und Power Wolf. Ihr seht, die Liste ist lang. Nicht weniger erfolgreich sind europäische Bands wie Hammerfall, Sabaton (beide aus Schweden), Sonata Arctica, Stratovarius (beide Finnland), Dragonforce (England) und Rhapsody of Fire (Italien). Zu den wichtigsten Power-Metal-Bands aus den Staaten gehören Iced Earth (Foto unten), Virgin Steele, Vicious Rumors, Jag Panzer.

 

Iced Earth December 2012

Obwohl Power Metal nicht zu meinen bevorzugten Stilrichtungen gehört und ich manche Bands sogar ganz fürchterlich finde, gibt es Ausnahmen. Blind Guardian und Rage habe ich früher sehr viel gehört und ab und an tönen Savatage oder Iced Earth aus meinen heimischen Boxen. Da hört es dann aber auch schon auf. Mir ist die Musik der meisten Bands zu theatralisch und episch und einfach too much.

 

Bemerkenswert finde ich an dieser Stelle noch, dass Power Metal eine recht “freundliche” Metal-Richtung darstellt. Im Gegensatz zu Stilrichtungen, in denen es böse, brutal oder düster zugeht, wie im Black oder Death Metal, ist Power Metal eher positiv. Dabei werden durchaus auch ernste Themen behandelt und natürlich handeln die Texte nicht von Blümchenwiesen. Aber es stehen eben oft fantastische Geschichten im Mittelpunkt und mitunter kann es dabei ziemlich kitschig werden. Oder auch regelrecht spaßig, wie beispielsweise bei Edguy. Da spricht ja auch eigentlich nix gegen, aber es stößt nicht bei jedem Metaller auf Gegenliebe. Wenn Ihr Power Metal bislang nicht kanntet, macht Euch am besten selbst ein Bild und hört doch einfach mal in eine der oben genannten Bands rein!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.