Stilrichtungen des Metal, Teil 8: Progressive Metal

Den heutigen Artikel verfasse ich besonders gerne! Denn diesmal widme ich mich einem meiner allerliebsten Metalstile: Progressive Metal, kurz Prog Metal. Bei diesem Genre wird es nie langweilig, denn musikalisch ist da immer eine ganze Menge los. Was man unter dem Oberbegriff Prog Metal zusammenfasst, hat ganz unterschiedliche Auswüchse. Mal geht es sehr melodisch zu, mal rockig, mal in Richtung Death Metal. Immer aber ist die Musik progressiv, was soviel wie fortschrittlich bedeutet. Was das genau beinhaltet, dazu komme ich gleich.

 

Dream Theater Live in Argentina 03-03-08 Fangen wir vorne an! Wegbereiter dieses Metalstils ist der Progressive Rock der Siebzigerjahre. Zu den wichtigen progressiven Rockmusikern dieser Zeit gehören Genesis (die alten, nicht so sehr die poppigen späteren Hits), King Crimson, Pink Floyd, Yes und Rush. Letztgenannte sind übrigens auch heute noch bemerkenswert erfolgreich. Auf Grundlage des Prog Rocks entwickelten sich im Laufe der Achtziger einige Bands, die mit mehr Härte ans Werk gingen und so den Progressive Metal ins Leben riefen. Zu diesen Pionieren zählen Queensrÿche (die dieses Jahr in Wacken rockten), Fates Warning, Watchtower und Mekong Delta aus Deutschland. Im selben Jahrzehnt gründeten sich auch Dream Theater – eine der erfolgreichsten Prog-Metal-Kapellen überhaupt (das Foto zeigt Gitarrist John Petrucci und Keyboarder Jordan Rudess). Die Band aus New York gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Einfach genial und auch live der Hammer!

 

Threshold-2009Mit der Zeit kamen kontinuierlich neue Bands dazu, und das ist auch heute nicht anders. Zu den wichtigsten Genrevertretern gehören Pain of Salvation, Threshold (Foto rechts; noch so eine Lieblingsband von mir), Symphony X, Meshuggah, Opeth (die es mittlerweile ruhiger angehen lassen und eher Prog Rock spielen), Death, Cynic (gerade frisch aufgelöst), Porcupine Tree, Soen, Tesseract, aber auch Mastodon, Baroness und Devin Townsend mit seinen verschiedenen Projekten. Die Alternative-Band Tool, die ja bestimmt die meisten von Euch kennen, ist ebenfalls sehr proggy.

 

Der Prog-Anteil kann von Band zu Band variieren und wird oft mit anderen Stilen vermischt. Beispielsweise kann die Musik von Meshuggah, Death und Cynic als progressiver Death Metal bezeichnet werden. Symphony X klingen hingegen gänzlich anders und sind eher im Power Metal angesiedelt. Weit verbreitet sind Jazz-Elemente, die in der Musik vieler Prog-Bands zu finden sind. Prog Metal ist oft sehr melodienastig und, auch wenn ich es nur ungern zugebe, manchmal sogar kitschig. Dafür sind nicht selten Keyboards oder Synthesizer gepaart mit schmalzigen Gesangspassagen verantwortlich. Auf der anderen Seite gibt es aber Bands, auf die das in keiner Weise zutrifft, etwa Meshuggah. Prog Metal kann verhältnismäßig ruhig sein oder extrem schnell, melodiös und (relativ) eingängig oder völlig wirr.

 

Warum derart unterschiedliche Musik trotzdem in dieselbe Kategorie gehört, lässt sich mit einem Wort erklären: Komplexität. Hinter dem Begriff Prog verbergen sich außerordentlich komplexe Songstrukturen. Takt und Tempo wechseln häufig. Mehrere eigenständige Parts werden gleichzeitig übereinander gespielt, es gibt viele Breaks und das Songwriting ist insgesamt sehr ausgeklügelt. Als Mitglied in einer Prog-Metal-Band muss man schon einiges auf dem Kasten haben. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente vollkommen und bei Konzerten bleibt mir nicht selten der Mund offen stehen angesichts der wahnsinnigen Spielkunst. Außerdem fällt auf, dass die Songs oft extreme Überlänge haben. 20 Minuten sind da keine Seltenheit.

 

Die beschriebenen Merkmale sind das, was ich an diesem Metalstil so schätze. Ich kann einen Song zum fünfzigsten Mal hören und mir fällt immer noch etwas Neues auf. Oft findet man nicht beim ersten Hören Zugang zu einem Stück oder Album. Das ist meist ein gutes Zeichen, denn wenn man sich erst reinhören muss, gibt es viel zu entdecken. Ich mag es, wenn es nicht so simpel gestrickt ist. Zumal dieser Metalstil eine große Bandbreite bietet, von sanft bis aggressiv, von klarem Gesang bis tiefen Growls, von ein bisschen verworren bis total konfus.

 

Cynic live 2009-2 Zum Abschluss gibt’s noch einen Veranstaltungstipp, und zwar für das Euroblast Festival in Köln. Das dreitägige Event findet vom 01. bis 03. Oktober in der Essigfabrik statt. Natürlich gibt es auch Tagestickets. Das Line-up ist sehr international und umfasst alles, was die Bezeichnung Prog Metal verdient. Unter anderem sind folgende empfehlenswerte Bands dabei: Cynic (Foto links), Soen, Between the Buried and Me und Leprous. Das werde ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

 

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