Stilrichtungen des Metal, Teil 9: Die „vergessenen“ Stile

Mit diesem Artikel komme ich zum Schluss meiner Metal-Reihe. In acht Teilen habe ich Euch die wichtigsten Metal-Stile vorgestellt. Einige kleinere Genres habe ich dabei allerdings außer Acht gelassen, einfach deshalb, weil ihre Präsenz und ihr Stellenwert innerhalb der Szene überschaubar sind. Im Folgenden widme ich mich diesen Stilrichtungen zusammengefasst.

 

Crowbar @ Mod, 04 Los geht’s mit dem Doom Metal. Dieser Stil ist vor allem eins: laaangsam. Und träge. Und düster. Die Gitarren sind tief und die Riffs klingen schwer und schleppend. Der Gesang ist meist clean und klingt ebenso melancholisch wie die Instrumente. Passend zur Musik geht es textlich oft um Tod, Schmerz, Trauer und ähnliche negativ behaftete Themen. Die Anfänge des Doom Metals gehen auf die frühen Werke von Black Sabbath zurück, liegen also in den Sechziger- und Siebzigerjahren. Später mischten Bands den klassischen Doom mit Elementen anderer Metal-Stile, sodass verschiedene Subgenres, wie Death Doom oder Stoner Doom entstanden. Drei Doom-Metal-Bands, die mir sofort in den Sinn kommen, sind Candlemass, Cathedral und Crowbar (Foto). Es beginnen aber nicht alle Doom-Kapellen mit dem Buchstaben C. Weitere Vertreter sind Pentagram, Witchfinder General, Saint Vitus, Trouble und Orchid.

 

Napalm Death 07 Auch Grindcore gehört zu den Metal-Stilen, die nicht gerade die große Masse der Metalheads ansprechen. Eine treue Anhängerschaft hat er dennoch und es gibt einige Festivals, die sich diesem Stil ausgiebig widmen. Grindcore klingt sehr extrem und, ganz grob gesagt, wie eine Mischung aus Hardcore Punk und Death Metal. Man kann sagen, dass Grindcore spielerisch nicht zu den anspruchsvollsten Metal-Stilen zählt. Das gilt natürlich nicht für alle Bands und war früher vielleicht noch mehr der Fall als heute. Im Vergleich zu anderen Spielarten ist Grindcore aber doch primitiv. Besondere Merkmale sind das hohe Tempo, wilde Songstrukturen und Grunzgesang, der sich mitunter kaum mehr menschlich anhört. Die Texte verstehen kann man jedenfalls nicht. Diese drehen sich je nach Subgenre wahlweise um politische und soziale Missstände oder um Horror- und Splatterthemen, mal ernsthaft, oft jedoch mit viel Humor und Ironie. Dabei provozieren die Bands mit ihren Titeln, den Texten und dem gesamten Artwork. Auffällig sind noch die oft sehr kurzen Songs, die manchmal nur wenige Sekunden dauern. In den Anfängen der Achtzigerjahre waren es vor allem Britische Bands, die Grindcore spielten, darunter Carcass und Napalm Death (Foto oben: Sänger Mark “Barney” Greenway). Carcass gehören zu meinen Lieblingsbands, allerdings nur, weil sie sich irgendwann vom Grindcore entfernten. Zu den Subgenres des Grindcore zählen Goregrind und Porngrind. Die Unterschiede bestehen hauptsächlich in den Themen der Texte und teilweise auch in der Gesangstechnik. Beispiele für Grindcore-Bands sind Pig Destroyer, Terrorizer und Cattle Decapitation.

 

Deichbrand 14 Heaven shall burn (35) Von einem Core zum nächsten, und zwar zum Metalcore – ein relativ erfolgreiches Genre mit einer großen Anhängerschaft. Demnach hätte der Stil fast schon einen eigenen Eintrag verdient, aber ich empfinde die Präsenz in der Metalszene nicht als sonderlich groß. Außerdem ist es eine ganz eigenständige Szene, die aber doch irgendwie zum Metal gehört. Die Eigenständigkeit bezieht sich auf Äußerlichkeiten ebenso wie auf die Einstellung. Optische Erkennungsmerkmale sind Skinny Jeans oder weite knielange Hosen, Baseball-Kappen sowie Bandshirts und großflächige Tattoos. Ideologisch nimmt die Straight-Edge-Bewegung einen hohen Stellenwert ein: kein Fleisch, kein Alkohol, keine Drogen. Wie der Name erahnen lässt, wird Metal mit Hardcore bzw. Hardcore Punk gepaart. Die Metaleinflüsse sind von der härteren Sorte. Im Metalcore geht musikalisch ordentlich die Post ab. Es ist eine sehr energetische Musikart, was sich im Tanzstil niederschlägt. Auf Konzerten wird gerne Kickboxing betrieben oder das zweigeteilte Publikum rennt in einer Wall of Death aufeinander zu. Wer da nicht mitmachen und nix abbekommen will, sollte sich ein sicheres Plätzchen suchen. Gemosht wird auch, allerdings haben die meisten Metalcore-Fans kurze Haare – mit Matte schwingen is da also nicht viel. Was man heute unter Metalcore versteht, entstand erst Anfang der 2000er. Davor gab es aber schon Bands, die Metal mit Hardcore kombinierten und damit den Grundstein für den heutigen Stil legten. Solche Bands waren S.O.D. oder Corrosion of Conformity. Verschiedene Entwicklungen führten schließlich zur aktuellen Form des Metalcore. Zu den zahlreichen Genre-Vertretern gehören Heaven Shall Burn (Foto oben links), Callejon, Maroon (alle drei aus Deutschland), Caliban, As I Lay Dying, Bullet for my Valentine und Killswitch Engage.

 

Korn MTV Asia Awards 2006 Bei Nu Metal bin ich eigentlich der Meinung, dass der Name Metal auf dieses Genre gar nicht passt. Aber im weitesten Sinne gehört er wohl dazu. Denke ich an Nu Metal, denke ich an Limp Bizkit, Korn (Foto) und Linkin Park. Auch Ill Niñjo und die Deftones fallen mir ein. Vieles davon ist beinahe poppiger Mainstream und trotz einer gewissen Härte tu ich mich schwer damit, es als Metal anzusehen. Es handelt sich meist eher um eine Fusion aus Rockmusik und Hip Hop oder Rap. Oder es werden andere Elemente mit reingemischt. Die Grenze zwischen Nu Metal und Alternative verläuft zudem fließend. Außerdem kommt es darauf an, was man alles als Nu Metal bezeichnet. Slipknot würde ich zum Beispiel eindeutig als Metal-Band kategorisieren. Aber genug Schubladendenken! Nu Metal ist in jedem Fall eine moderne Metal-Stilart. Das Gitarrenspiel ist meist rhythmisch mit einfachen, eingängigen Riffs. Auch ansonsten ist die Musik eingängig – es gibt viele wiederkehrende Themen mit Ohrwurmpotenzial. Nu-Metal-Bands sind zudem recht experimentierfreudig, was Sounds angeht, so gehört bei einigen ein DJ zur Besetzung. Innerhalb der Metal-Szene kommt dem Genre keine großartige Bedeutung bei. Nu Metal wird von der Mehrheit der Metaller abgelehnt oder zumindest nicht richtig ernst genommen.

 

So, damit kommt die Metal-Serie zum Ende. Natürlich gibt es noch ein paar Abspaltungen einzelner Genres, aber die wichtigsten Spielarten waren definitiv dabei. Wer mehr wissen möchte, dem sei die Dokumentationsreihe Metal Evolution ans Herz gelegt. Läuft auch teilweise im TV. Da gibt es jeweils eine Folge zu einem bestimmten Stil, wobei der Schwerpunkt auf der Entstehungsgeschichte des Metal geht. Viel Spaß – beim gucken, beim Metal hören, auf Konzerten und überhaupt! m/

 

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