Das tun Gothics doch nicht! Teil 1

Von Frans Hals (1582/1583–1666) - André Hatala [e.a.] (1997) De eeuw van Rembrandt, Bruxelles: Crédit communal de Belgique, ISBN 2-908388-32-4., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2774146
Frans Hals: Laute spielender Narr
April, ein kalter, warmer, nasser, trockener Monat. Hin und her, nix Halbes und nix Ganzes. Während das Wetter laufend wechselt (ich hoffe ja immer noch, dass es bald, sehr bald!, warm und sonnig wird), überlege ich, was ich so machen könnte. Okay, im Moment hab ich ja noch drei Gören zu beschäftigen.

 

Und Sonntage sind auch entspannte Gammeltage, an denen man mal die Seele baumeln lässt. So kann ich lesen oder TV gucken, was einen dann aufheitert. Aber, mal unter uns: Gothics lächeln doch nicht!

 

So denken viele Stinos, denn der Goth beschäftigt sich per se nur mit traurigen und ernsthaften Themen. Die meisten hassen ihre Existenz und tragen die Meinung dementsprechend auch in die Welt. Ooooookayyyyyy…

 

Wenn man mal das Phänomen „Lächeln“ betrachtet, so ist es simpel gesehen, eine Anspannung bestimmter Gesichtsmuskeln, die in der Nähe des Mundwinkels lokalisiert sind und bei einem „echten“ (=Duchenne-Lächeln) sind auch die Augen mit betroffen. Der Mensch lächelt, um Freude, Kontakt oder guten Willen zu demonstrieren, aber auch aus Nervosität oder Angst.

 

Der Franzose Guillaume-Benjamin Duchenne entdeckte, dass es einen Unterschied zwischen dem echten und dem gestellten Lächeln gibt. Letzteres sieht man sehr häufig auf Fotos, wenn der Fotograf vor dem Abdrücken laut „Cheeeeeeese“ oder „Spaghettiiiiiiiii“ verlangt.

 

Dabei kann das echte Lächeln vermutlich noch viel mehr. Das Gehirn produziert Endorphine (nur damit ihr’s wisst, das ist körpereigenes Morphium!! Wenn ihr also auf echter Droge sein wollt, die absolut legal ist – von unschädlich spreche ich nicht, denn alles ist Gift nach Paracelsus, nur die Dosis macht den Unterschied – dann produziert euren eigenen Stoff), die machen glücklich und damit kann Lächeln auch anstecken und Fröhlichkeit und Wohlbefinden übertragen.

 

Im Gegensatz zu den Tieren, bei denen scheinbar das Lächeln eine Art ist, seine Waffen zu präsentieren (hüte dich vor lächelnden Vampiren *zwinker* ), ist das Lächeln beim Menschen keine erlernte, sondern eine angeborene Reaktion. Demzufolge können Gothics natürlich auch lächeln.

 

Es ist nur die Frage, ob sie es wollen. Denn im Gegensatz zum natürlichen Lächeln kann ein verordnetes Dauerlächeln durchaus unangenehm sein und stressen. Gut gemeint, damit sich Kunden in einem Laden wohl fühlen, aber dem Lächler auf Dauer zu Stress, Kreislaufveränderungen, ja bis hin zu Depressionen führen kann.

 

Auch „falsches“ oder „höhnisches“ Lächeln ist nicht das, was man ja gerne bei seinem Gegenüber sehen möchte. Dabei kann, laut Irenäus Eibl-Eibesfeldt ein Lächeln auch entwaffnen. Der erzählt in seinem Buch „Liebe und Hass“, dass Kypselos, der spätere Tyrann von Korinth, der Sage nach seinen Häschern als Baby entkam, weil er sie anlächelte.

 

Tja, und dann kommen wir mal zu dem Thema „Selfies“. Die meisten machen ein Duck-Face, Fish-Face, Supermodelblick… oder Lächeln. Man will als sympathisch, kontaktfreudig, freundlich und glücklich wirken. Sogar auf Bewerbungsfotos wird wild gelächelt. Da kommt es (mir zumindest) absolut ungelegen, dass man auf den Biometrischen Bildern unentspannt neutral geguckt werden MUSS. Man sieht einfach ungewohnt bescheuert aus.

ein bißchen irres Lächeln gefällig?
ein bisschen irres Lächeln gefällig?

 

Oder motzig und maulig. Dabei (ich fand das bei Wikipedia), war es nicht immer so, dass die Modelle auf Bildern gelächelt haben. Bei der Malerei und den Anfängen der Photographie konnte man nicht stundenlang den Gesichtsausdruck des Lächelns halten, um nicht das Ergebnis am Ende zu versemmeln.

 

Ich kann mir also vorstellen, dass viele Gothics unter uns einerseits genau dem Klischee des ewig Traurigen entsprechen wollen, andererseits einfach andere Sachen als Stinos witzig finden (soll es auch geben 😉 ) und der eine oder andere vielleicht die Bilder in dem alten Stil der Photographie mit langen Belichtungszeiten und Bewegungslosigkeit optisch interessant finden.

 

Denn wir wissen es doch, wir haben genauso Emotionen und leben sie auch aus. Wir lesen auch lustige Bücher, schauen witzige Filme und können uns über Kapriolen von Kindern und Tieren beömmeln. Nur weil wir schwarze Kleidung bevorzugen und auf Fotos ernst schauen, sollen wir uns also permanent der Traurigkeit hingeben? Und wenn wir dann mal lachend auf Bildern zu sehen sind, wirken wir wie Batman’s Joker?

 

Ich glaube aber, Gothics sind da etwas ehrlicher als manches Supermodel mit ihrem gestellten Grinsen. Sie lächeln auf Bildern und im Leben eben nur, wenn sie wirklich so empfinden und nicht, weil ein Fotograf es verlangt. Denn andersherum, wenn sie NICHT lächeln sollen, könnten sie es ja auch nicht unterdrücken… (tick tick tick… umme Ecke gedacht?).

 

Dann wünsche ich euch noch einen lächelnden Sonntag:

 

Am wertvollsten sind die Menschen, die es schaffen, anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Du bist einer davon.

Unbekannt

gruftige Grüße

eure Luna ^v^

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