Western versus Mittelalter

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Jack Daniels und andere Kleinigkeiten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg

Wir schauen (tolerant wie Gothics im allgemeinen – und ich im Speziellen *Grins * – sind) mal auf über den Rand unseres hübschen schwarzen Tellers und besuchen mal undercover eine andere Art von Festen. Und damit meine ich nicht ein Metal-Festival. Und ganz sicher nicht eine Schlagerparty mit den tollsten Ballermann Hits (sooooo tolerant bin ich auch nicht. Obwohl, das ja schon nichts mehr mit Toleranz zu tun hat, sondern eher mit Leidensfähigkeit. Das wäre ein persönliches Guantanamo für mich).

 

Nein, ich war auf einem Country- und Westernfest irgendwo im bayerischen Nirgendwo. Es könnte also sein, daß es in dem Falle von „Country- und Western“ in Frankfurt, Hamburg oder München eine andere Atmosphäre zu erleben gibt. Als Vergleich dazu nehme ich ein Mittelalterfest in Oberursel, Königstein oder auch das in Rumpenheim.

 

Erster Punkt: Wo ist es? Hier haben wir bei dem Mittelalter ganz klar eine Location in der Nähe einer Burgruine, eines Schloßgartens, einem alten Gutshof. Gut zu finden, da diese in Google-Maps lokalisiert sind und daher leicht anzufahren. Das Countryfest war in dem Fall in einem großen Wiesen- und Waldgebiet. Rundeherum also außer Wiesen und Bäumen nichts. Von der optischen Attraktivität punktet für mich hier beides. Ich mag Bäume und Platz, aber auch eine schöne alte Burg hat ihren Reiz.

 

Zweiter Punkt: Parkplätze? Da das Westernfest inmitten der Natur war, konnte man sehr leicht seinen Wagen parken. Überall hat es Stellflächen gegeben, was natürlich für uns super war. Wenn wir also mit voller Westernmontur dort auflaufen wollten, dann wäre es keine ungemütliche Schlepperei über sehr weite Strecken gewesen. Das habe ich auf diversen Mittelaltermärkten teilweise anders erlebt, zumal sie überlaufen sind und man in der Nähe von dem Markt eben nicht mal ein fußballplatzgroßes Areal freigeben kann, um das Auto abzustellen. Punkt hierfür geht also an das Countryfest.

 

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Westernkleidung… oder vielmehr, was frau drunter trägt 😉

Dritter Punkt: Besucher? Hier kann ich mich nicht sooo eindeutig für die Klientel entscheiden. Was mir aber auffiel ist, daß auf dem Mittelaltermarkt eindeutig mehr Gewandete auflaufen. Selbst Otto Stino hat inzwischen ein Hemd, Hütchen oder Felljöppchen im Schrank, das er sich überschmeißt. Mir fiel aber auf, daß die Countrybesucher meist nur einen Cowboyhut auf den Köpfen hatten und sich dann wohl artgerecht „gewandet“ gefühlt haben. Also ehrlich, für mich ist das so, als würde ich mir ein Methorn mit ner Strippe um den Hals hängen (natürlich sonst Alltagsklamotten an) und dann zu denken, ich bin perfekt gekleidet. Ein oder zwei Damen auf dem Westernfest trugen ein Kleid alla Südstaaten, nur fand ich es schade, daß sie eher wie Faschingskostüme wirkten. Punkt geht also an die Mittelalterfraktion, die sich mehr Mühe gibt.

 

Vierter Punkt: Die Standbetreiber? Was bieten sie jeweils an: Country und Western – ganz klar, Cowboyhüte, Schmuck im Westernstyle, Cowboyboots, Staubmäntel, Lederhosen und Shirts, ja ich hab sogar Gothic-Klamotten entdeckt – vermutlich, wenn eine als halbseidene Dame in einem Saloon „authentisch“ gekleidet sein möchte. Wenn man es allerdings genau nehmen möchte: Es gab nichts wirklich handgearbeitetes oder außergewöhnliches, was man nicht auch an Ständen eines Flohmarktes oder an einem Jahrmarkt finden könnte. Massenware en masse. Dazu (im Gegensatz zu dem Mittelaltermarkt) waren die Betreiber nicht in Cowboysachen gekleidet und auch die Sprache (wenn man mal eine Frage hatte), war „normal“. Ein wenig mehr „Howdyyyyy“ und „Maaa’m“ hätte ich mir gewünscht. Da geht für mich auch der Punkt an das Mittelalter.

 

Fünfter Punkt: Preise? Damit komme ich zu den Preisen der Waren. Wenn man auf Mittelaltermärkte geht und dann einen Betreiber trifft, der keine Massenware anbietet, dann hat das schon teilweise seinen stolzen Preis. Ein handgearbeiteter Stirnreif aus Silber mit einem Edelstein kann dann locker an die hundert „Taler“ kosten und wenn man Pech hat, erwischt man bei einem anderen Betreiber ein industriell gefertigtes Stück zum selben Preis. Die Chance, daß es beim Westernfest passiert, ist kleiner (ich habe dort keine handgearbeiteten Sachen gefunden, die zum Verkauf standen), fand aber Filzhüte ab 25 Euro aufwärts nicht besonders günstig (zumal ich ähnliche Modelle für 5 € bei Discountern gesehen hab). Eine Sache fand ich aber interessant: Lederhosen, Zylinder und die Staubmäntel in Schwarz hatten „normale“ Preise. Hier vergebe ich keinen Punkt an eine Fraktion.

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Indianer beim typischen Lagerleben

 

Sechster Punkt: Speis & Trank? Während am Mittelaltermarkt „Fleischlappen“ und „Hexenbrote“, „Pfaffendödel“ und „Stockbrote“ gereicht werden, ist die Phantasie beim Cowboy eher klein. Da gibt es „Steak mit Kartoffelecken“ oder „Wraps“. Unbesehen, es ist beides lecker und die Preise sind auch passabel. In Sachen „Müllvermeidung“ beim Essen war hier das Westernteam vorne, es wurde auf Porzellantellern mit Besteck serviert – und gegen horrenden Pfand. Mir ist aber auch noch nie auf einem MA Markt aufgefallen, daß sich Berge von Müll sammeln… Wegen der größeren Auswahl und der „schöneren“ Namen bekommt das Mittelalter den Punkt.

 

Siebter Punkt: Unterhaltung? Hier muß ich sagen, daß in dem großen Festzelt des Westernfestes viel Platz war. Bot sich auch an, da wir strömenden Regen hatten und froh waren, trocken und warm zu sitzen. Schade fand ich aber, daß die Line-Dancer zwar tanzten, aber nicht entsprechend gekleidet waren. Da hätte ich mir ein bißchen mehr gewünscht, die waren ja sonst richtig gut und hatten auch eine Live-Band zur musikalischen Unterstützung. Später trat dann eine Country-Band auf (und ja, ich höre das auch gerne mal, Johnny Cash und Truckstop, Dave Dudley… das sagt mir alles was), aber ich bin wohl zu sehr Goth, es klang sehr bald alles gleich. (Vermutlich geht es dem Stino mit der MA Mucke so). In dem Fall muß ich den Punkt aber an das Mittelalter vergeben.

 

Achter Punkt: Dekoration? Da finde ich das Mittelalter besser. Das Zeltlager ist meist einfach gestaltet, aber sehr liebevoll im Detail. Die „Darsteller“ sitzen nicht nur als Dekoration herum, sondern wohnen die Tage in den Zelten. Selbst die Dixis sind dort mit Preßspan verkleidet und dem Markt angepaßt. In dem Westernzelt hingen… ein paar Fahnen. In dem Vereinshaus… hingen ein paar Fahnen. Ich hätte mir ein bißchen mehr „Saloon“ gewünscht, Cowboy Hüte oder von mir aus auch Löcher in der Wand, die auf die letzte „Schießerei“ hinweisen. Es gab zwar auch am Westerndorf ein paar „authentische“ Indianerzelte, und ein Zelt mit alten Stücken aus den Konförderierten-Kriegen, aber sonst nicht so viel. Die Betreiber der Attraktionen hausten im Waldstück in normalen Zelten… Punkt daher an das Mittelalter.

 

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Dekoration…

Neunter Punkt: Attraktionen? Beides hat „seine“ Attraktionen. Auf dem Countryfest waren es Planwagenfahrten, Ponyreiten, Stockbrot am Lagerfeuer, Bullriding, Schießen, Goldwaschen und die Indianerzelte. Mittelalter punktet mit Falknerei, Rittershow, handbetriebenen Karussell, Filzen, Töpfern, Kartenlegen und Wahrsagerei… im Prinzip wurde jeweils genug angeboten, was man ausprobieren kann und Kindern Spaß macht, eine solche Veranstaltung zu besuchen. Punkt daher an beide.

 

Zehnter Punkt: Gesamteindruck? Tja, ich hab da meinen Favoriten. Ich persönlich mag die Atmosphäre auf dem Mittelaltermarkt lieber. Vielleicht, weil ich mich da heimischer fühle, vielleicht, weil da ein bißchen mehr Herzblut dahinter steckt. Kann auch sein, daß der Boom zu Mittelaltermärkten größer ist und daher die Betreiber leichter organisieren können. Man trifft in der Umgebung dann auch immer wieder die selben Stände, was dann andererseits natürlich die Auswahl einschränkt, wenn man etwas erwerben möchte. Vielleicht liegt es auch daran, daß die „Show“ beim Mittelalter ausgefeilter ist. Beim Countryfest hätte ich mir zum Beispiel einen dramatischen Showdown gewünscht, in dem zwei Cowboys alla High-Noon ein Duell ausfechten oder ein Indianerüberfall inszeniert wird. Da hätte man noch eine Menge bieten können, was leider nicht der Fall war. Auch sind die Darsteller dort dünner gesät, die „authentische“ Kleidung tragen, denn nur ein Cowboyhut oder eine Motorradkutte machen für mich kein Westernfest. Von der Stimmung her gebe ich daher den Punkt an das Mittelalter.

 

So komme ich nun zu dem amtlich von mir ermittelten Ergebnis von: 7 zu 3 für das Mittelalter.

 

Habt ihr andere Erlebnisse? Oder soll ich an einigen Punkten nicht alles so eng sehen? Schreibt mir gerne in die Kommentare, was ihr an einem „artfremden“ Fest schätzt!

 

Gruftige Grüße,

eure Luna ^v^

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