Neue CD von Figure Of Six: „Welcome To The Freak Show“

Am 26.5.2017 kommt die vierte Scheibe der italienischen Formation Figure Of SixWelcome To The Freak Show“ über das Label Nose Bleeding Records.

Ich habe die mp3-Version erhalten, kann also zur Ausstattung des Digipacks nichts sagen – leider auch nicht, ob die Lyrics beigefügt sind.

Harmlos fängt sie an, die Freak Show. Fröhliche Zirkusmusik und ein charismatischer Sprecher, der einlädt und das Publikum willkommen heißt „Welcome To The Freak Show“. Von harmlosem Vergnügen die skurrilen und grotesken Gestalten zu besichtigen, hüpft der Kastenteufel aus dem Zelt und das Szenario wird zur American Horror Story. Schizophrener Metal Core löst das Zirkusgeklimper ab und eindrücklich übernimmt Alessandro das Ruder. Er growlt sich durch den Song und offenbart das wahre Monster: Die Person im Spiegel. Denn das wahre „Böse“ sieht nicht so aus, es steckt in uns selbst.

Man könnte es schon fast Symphonic Metal Core nennen, was sich im zweiten Track bietet: Mit Chorgesang und einer genreübergreifenden Melodie und Instrumentierung haut der Song einem auf die Ohren. „Man In The Dark“ lauert und beobachtet ohne zu sehen, ohne zu sein.

Edward Mordrake“ beginnt mit einem harmlosen, süßen Kinderreim… um dann gewaltig ins bööööse abzudriften. Alessandro kreischt und growlt abwechselnd einem regelgerecht ins Ohr und unterstreicht den Horror eines Alptraumes alla Freddy Krüger. Merke: Kleine Mädchen, in weißem Kleidchen, nachts am Friedhof mit Baseballschläger… sind nicht friedlich und süß. Der Song ist die wahrgewordene Parallelverschiebung der Matrix.

The Tightrope Walker“ tanzt auf dünnem Drahtseil und balanciert zwischen Scream und wunderbarem Klargesang, um dann gegen das rotzige dröhnende Growlen und interessanten Dubstep Parts zu wechseln. Eine sehr interessante Mischung, die vielleicht erst nach dem zweiten Durchlauf wirkt. Aber dann richtig.

The King And The Servant“: Hier stellt sich die Frage, welche Unterschiedlichkeit bestimmt wessen Schicksal? Der Imperator fordert Huldigung, im Growl, der Klargesang beschreibt die Situation und der Diener screamt.

Ein sicher nicht ganz einfaches Album, das mit den unterschiedlichsten Stilmitteln arbeitet. Stimmlich ist Alessandro auf jeden Fall ein Hinhörer, da er die gesamte Bandbreite nutzen kann und das auch tut. Auch die Melodien sind sehr eingängig, sie krallen sich ins Ohr und verleiten zum Mitsummen. Hier wird auch mit allen Mitteln gearbeitet, Intros beginnen sphärisch, Gitarren kreischen und elektronische Parts fügen sich dem Gemisch ein. Bleiben noch die Lyrics, die man mehrere Male hören sollte. Dabei offenbaren sich dann ungewöhnliche Einsichten, die viel Raum für eigene Interpretationen lassen.

Anspieltip: „The Mirror‘s Cage“ und „Clown

eure Luna ^v^

Line-Up Figure Of Six:
Alessandro „Hell“ Medri (Vocals)
Peter Cadonici (Guitar)
Matteo Troiano (Guitar)
Stefano Capuano (Bass)
Michele Mingozzi (Keyboard)
Antonio Aronne (Drums)

Interview mit Anchors & Hearts

„Anchors & Hearts“ – eine Band, die flasht. Die Musik von „Anchors & Hearts“ ist eine äußerst gelungene Mischung aus Melodic Hardcore, Metal, Punk und Screamo. Mein Tipp: reinhören und abgehen!!!

Am 09.03.2017 durfte ich „Anchors & Hearts“ im STROM München live erleben. So charismatisch und voll von positiver Energie und Power habe ich selten eine solch doch noch relativ junge Band erlebt.

Eine Band, die mich so begeistert… da kann ich gar nicht anders, als sie um ein Interview zu bitten. Was die coolen Jungs aus dem Norden zu erzählen hatten, lest ihr hier.

Anchors & Hearts
Anchors & Hearts am 09.03.2017 im STROM München – Photo: Andreas „Elwood“ Brauner

Hi ihr Fünf. Fangen wir mal einfach an: Wie geht es euch? 😉

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Moin, uns allen geht es sehr gut! Die kleine Tour (8 Shows) mit Pyogenesis hat uns dermaßen angefixt für den bevorstehenden Festivalsommer und den Rest des Jahres. Wir können es also kaum erwarten wieder auf die Bühne zu gehen.

„Anchors & Hearts“ gibt es seit 2012. Zuvor habt ihr in verschiedenen Bands gespielt. Wie kam es dann zu „Anchors & Hearts“? Eine spontane Idee oder war es doch eher ein längerer Prozess, der zu „Anchors & Hearts“ führte?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Wir kommen alle aus einem kleinen Gebiet ziemlich genau zwischen Hamburg und Bremen, wo jeder jeden kennt. Auch wenn bei uns alles ländlich ist, haben wir immer über Jahre einen ziemlich tollen Pool aus großartigen underground Bands. “Anchors” ist aus drei Bands entstanden. Irgendwie war zeitgleich bei unseren damaligen Bands durch Besetzungswechsel und Zeitmangel die Luft raus, sodass etwas neues in neuer Konstellation versucht wurde. Anfangs als Projekt gedacht, heutzutage nicht mehr wegzudenken für uns. Timo, Torben und Tim haben es gegründet und Sebastian und ich sind nach 3 Monaten dazugestoßen. 

Kommen wir zu eurem Bandnamen. Was diesen betrifft, habe ich verschiedenes gelesen. Einmal hieß es, „Anchor“ kommt von eurer Heimatverbundenheit und „Hearts“ davon, dass die Musik für euch eine Herzensangelegenheit ist. In einem anderen Interview hieß es hingegen, euer Bandname ist auf das Astra-Bier zurückzuführen, dessen Zeichen ein Anker und ein Herz sind. Welche Aussage ist nun richtig? Wie kam es wirklich zu eurem Bandnamen?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Wer weiß das schon? Heimatverbundenheit und Musikleidenschaft sind definitiv zu sehr großem Teil vorhanden bei uns. Bierdurst hingegen auch. Also stimmt beides. 

Anchors & Hearts
Anchors & Hearts – Photo: Andreas „Elwood“ Brauner

Mit eurem Debüt-Album „Based on true Stories“ aus dem Jahr 2013 wolltet ihr zum Nachdenken anregen und dazu, sich selbst zu fragen, ob man zu sich selber ehrlich ist, oder doch einfach nur in irgendein Bild/Schema passen möchte. Eine doch sehr tiefgründige Angelegenheit. Wieso ist euch das so wichtig? 

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Im Prinzip ist es schon immer so und es wird immer so bleiben: Es gibt zu viele Leute die mit dem Strom schwimmen OHNE zu hinterfragen ob es die eigene Meinung ist. Leider kannst du das auf alle Lebenslagen übertragen. Ob Beruf, Politik oder Musik: Frag dich immer ob das wirklich du bist, und mach nicht einfach was alle machen. 2013 ist nun 4 Jahre her und es liegt uns immer noch am Herzen nachzudenken. Tatsächlich ist DER Song zur Thematik “Scene.Style.Fuck” auf dem Album. Er handelt von der sogenannten “Musikpolizei” die immer wieder entscheidet was gerade angesagt ist. Heute stehen sie hinter dir als Band und Kumpel, morgen ist ein ganz anderer Trend angesagt und somit andere Bands und du bist out. Gerade in der Hardcore Szene die Toleranz predigt trifft man oft auf solche musikalische Intoleranz. 

Was hat sich für euch seit eurem Debüt-Album verändert? Und habt ihr euch selbst in der Zeit seitdem verändert?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Es hat sich natürlich (und das ist gut so!) sehr viel verändert. Wenn du es zulässt, dann wächst du als Band indem du von Show zu Show an dir feilst, immer wieder überlegst was du besser machen kannst. Du willst das was dir wichtig ist bestmöglich präsentieren und die Leute am Ende der Show dahin gebracht haben, wo du dich selbst zufrieden vom Publikum verabschieden kannst. Wir keine Band mehr, sondern eine feste Crew die Hand in Hand zusammenarbeitet. Wir 5 performen nur am Ende auf der Bühne. Persönliche Veränderungen gibt natürlich auch. Man lernt aus schlechten Erfahrungen und wird hier und da vorsichtiger. Wichtig ist dass man nie den Spaß daran verliert!

Anchors & Hearts
Tim Söhl – Anchors & Hearts – Photo: Andreas „Elwood“ Brauner

Euer Album „Sharkbites“ erschien 2015. Ein Song davon ist mir – unter anderem auch durch sein Video – besonders aufgefallen: „From the Heart“. Das Videomaterial stammt von der Umweltorganisation „Sea Shepherd“ und zeigt ungefiltert, die Härte und Grausamkeit des Wal- und Fischfangs. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit „Sea Shepherd“ und zu diesem Song allgemein?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Ja richtig, wir sind offizielle “Sea Shepherd Artists” und sehr stolz darauf, im Namen dieser Organisation unser Sprachrohr als Band nutzen zu können. Die Zusammenarbeit entstand aus reinem Interesse: Wir haben auf einigen Festivals gespielt und immer mal bei den Info Ständen vorbeigeschaut und uns informiert. Dann hat sich das mit dem offiziellen Teil schnell entwickelt und wir machen bis heute immer wieder support Aktionen wie unsere Spendendose auf Konzerten, Benefizshows, wir laden Ortsgruppen zu unseren Konzerten ein oder haben sogar ein sehr beliebtes Shirt Design von uns abgewandelt und als “Sea Shepherd” Special verkauft und den Erlös gespendet. Das ist also eine Sache die uns sehr am Herzen liegt. “From the heart” eben.

Wo wir gerade bei euren Songs sind: Wer schreibt bei euch die Texte und woher nehmt ihr die Ideen?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Die Texte schreibe ich und die Ideen sind auch von mir. Ich suche sie jedoch nicht speziell aus. Am besten schreibe ich drauf los. Es ist viel aktuelles aus der Welt, häufig sozialkritisch und manchmal auch sehr persönlich. 

Anchors & Hearts
Manuel Wintjen – Anchors & Hearts – Photo: Andreas „Elwood“ Brauner

Ich habe euch am  09.03.2017 im STROM München als sehr Fan-nah und kontaktfreudig erlebt. War das schon immer so? Oder kostete euch das am Anfang eurer Karriere doch etwas Überwindung?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Das ist uns extrem wichtig! Weiter oben hast du gefragt ob wir uns selber verändert haben im Laufe der Jahre: Wir haben von Anfang an Fannähe genossen und das wird auch immer so bleiben. Bei Festivals lieben wir es über den Zeltplatz zu gehen und beim einen oder anderen Trinkspiel stehen zu bleiben. Genauso ist es für uns ein “No Go” sich bei Clubshows nicht beim eigenen T Shirt Stand blicken zu lassen. Wir sind immer froh über jedes Gespräch und Foto was abseits der Bühne von uns verlangt wird. Zum Teil entstanden so schon dicke Freundschaften zwischen uns und Fans.. also: Definitiv hallo sagen! =)

Habt ihr vor euren Auftritten noch Lampenfieber?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Nein. Wir haben dermaßen Bock. 

Wie war denn euer Weg bisher? Immer einfach oder hattet ihr auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Klar gibt es “Ups and downs” und einfach war es nie. Wir sind im fünften Bandjahr und haben viel miteinander erlebt. Du musst als Band viele Entscheidungen treffen, Verträge checken und unterzeichnen. Vieles musst du als Band erleben, um daraus zu lernen. Im großen und ganzen haben wir zum Glück bisher immer die richtigen Wege gewählt und uns nie eigene Steine in den Weg gelegt. Ich hoffe so geht es weiter. 

Gibt es etwas in eurem bisherigen Werdegang, an das ihr besonders gern zurückdenkt? Oder auch etwas, das ihr am liebsten vergessen würdet?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Für uns alle war die “Vans Warped Tour” 2013 in Berlin definitiv ein Highlight. Diese Tour ist DAS Event, seitdem wir uns für Punkrock und Hardcore interessieren und wir wurden als Band dazu gebucht. Das war ein krasser Moment! Darüber hinaus war die fast komplett ausverkaufte Tour mit ZSK und SCHMUTZKI im Frühjahr 2016 ebenfalls ein Highlight – geile Venues, in geilen Städten, mit 2 geilen Bands, vor geilem Publikum! Anders kann man das nicht beschreiben. 

Vergessen wollen wir nichts, da alles diese Band zu dem gemacht hat was sie heute ist.

Und nun die wohl typische Frage zum Schluss: Was sind eure nächsten Ziele?

Anchors & Hearts – Manuel Wintjen: Wir haben ein neues Album im Gepäck und können es kaum erwarten endlich die ersten Infos davon preiszugeben! Sobald wir etwas verraten dürfen, erfahrt ihr es auf unserer Facebookseite. Zudem haben wir einen geilen Festivalsommer vor uns und planen eine weitere Tour für den Herbst. 

Vielen Dank für euer Interesse. 

Vielen Dank „Anchors & Hearts“ für das Interview und eure Zeit. Ich freue mich schon sehr darauf, euch bald wieder live zu sehen.

Wer „Anchors & Hearts“ live erleben möchte – und das kann ich wirklich nur empfehlen – hat an diesen Terminen dazu die Möglichkeit:

  • 01.04.2017 – Gnarrenburg -Rockstadl
  • 16.04.2017 – Vechta – Gulfhaus
  • 06.05.2017 – Aurich – First Season Festival
  • 20.05.2017 – Scheeßel – Heimatfestival
  • 08.07.2017 – Stapelmoor – Free for all Festival
  • 21.07.2017 – Dieburg – Traffic Jam Open Air
  • 22.07.2017 – Nürnberg – Fight Back Festival
  • 23.07.2017 – Cuxhaven – Deichbrand Festival
  • 03.08.2017 – München – Free & Easy Festival
  • 05.08.2017 – Butjadingen – Andy ist auf einem Tennisturnier Festival
  • 12.08.2017 – Großefehn – Großefehn Open Air