Neue CD von Eisbrecher: „Sturmfahrt“

Am 18.8.17 erscheint das neue Eisbrecher Album „Sturmfahrt“ als CD, Do-LP und limitierte „Sturmfahrt“-Box inkl. Bonus-Live-DVD „Eisbrecher auf der Loreley 2016“ sowie Expeditionsbrille und Metallpin-Doppeldorn, Poster und Sturmfahrt-Sticker über das Label Sony Music.

Die Vorabsingle „Was ist hier los?“ kennt man ja schon ein paar Tage, ich finde, es ist ein typischer „Eisbrecher-Song“ geworden, der ausnahmsweise sogar mal ein politisches Thema angreift. Vorzugsweise waren ja bisher partnerschaftliche Themen die große Stärke der Bayern. Also, die zwischen Mann und Frau meine ich. Aber von der Machart des Videos denkt man hier also weniger an Mann und Frau, sondern eher Trump und Putin. Oder Deutschland und die EU… oder oder oder. Aber selbst wenn man Weltpolitik wegwischt, die Nummer macht Spaß und auch live am Amphi rockten die Fans dazu ab.

Besser“ verliert etwas an dem NDH-typischen, es ist eher eine rockige Nummer, dieses Mal mit einer kuscheligen Version des Klassikers „Miststück“. War er IHR noch in dem Song ausgeliefert und kam bis zur letzten Note nicht von dem Weib los, fleht er hier gleichsam, daß SIE die Fesseln kappt, bevor es ihn zerstört. Ein Weichei, denkt ihr? Nein, eine zerbrechliche Seele trotz harter, rauher Schale. Mir gefällt der Song sehr gut, hängen doch viele harte Kerle in einer Beziehung, die sie zerstört, ohne komplett auszurasten und (verbal) um sich zu schlagen.

Der Albumtitelgebende Track „Sturmfahrt“ begleitet eine Reise in ungewisses Gewässer. Beginnt man sein Leben, so weiß man nur, daß es los geht, aber nicht, wohin der Weg führt, welche Gefahren lauern und ob einem Schönes widerfahren wird. Macht euch auf, legt Volldampf ein und reist los. Eine tolle Botschaft, die Eisbrecher hier knackig gewohnt umsetzen.

Auf „Das Boot“ war ich gespannt. Ich liebe diese Melodie, wenngleich mir der Film verhaßt ist. Sorry. Krieg und Verwüstung und dann mit Klaustrophobie in einem Uboot gefangen (und ich war in Laboe im Uboot U 995 drin!), das ist nichts für mich. Hier ist die Melodie sehr gut umgesetzt und auch die Lyrics klingen hoffnungsvoller, als der Film ausstrahlte. Global gesehen ist es eine Bitte, daß wir ALLE etwas tun müssen, denn wir haben nur diese eine Erde, können ihr (noch) nicht entfliehen und müssen mit unserem Leben und der Umwelt auskommen, damit wir uns nicht selbst vernichten. Ich wußte immer, daß gerade die NDH‘ler tiefgründiger sind, als man allgemeinhin glaubt und hier ist der Beweis.

Automat“ erinnert mich an einen Terminator oder Data aus Star Trek. Eine scheinbar seelenlose Maschine soll der perfekte Partner sein? … Passend programmiert funktioniert es vielleicht, wenn man Berechenbarkeit wünscht, aber macht es auch glücklich? Soll ein Mensch denn nur funktionieren? Verschwörungstheoretiker denken das: nicht meckern, nicht maulen, nur den Wunsch des anderen (wer auch immer das ist) folgen und dienen. Ein trauriger Spiegel der Menschheit, der hier von Eisbrecher vor gehalten wird.

Foto: © Holger Fichtner

Dazu paßt dann thematisch die Cover-Version „Eisbär“, der sich auch Eisbrecher auf diesem Album angenommen haben. Handelt das Lied doch von einem Wunsch, keine Gefühle zu empfinden, damit das Leid ein Ende hat. Die Umsetzung der Melodie ist interessant, aber ich muß gestehen, daß ich letztens bessere Varianten bei anderen Bands gehört habe. Das Cover ist zu nah an dem Original, um zu dem „Team Eisbrecher“ zu passen, außer Alex‘ prägnanter Stimme ist sonst wenig „Eisbrecher“ vorhanden. Das ist aber auch das einzige kleine Manko an dem tollen Album.

Sirenengeheul und Gitarren – so startet „Krieger“. Alex ruft seine Kampfgenossen zusammen, um gegen das System zu kämpfen. Und er motiviert auch diejenigen, die sich bisher immer „kleingemacht haben“, wenn man aus dem Nest geschubst wird, muß man kämpfen, damit Träume wahr werden können. Ein Aufschrei ist dringend notwendig, damit der Wahnsinn ein Ende hat. Die Nummer ist sehr ohrwurmig und tanzbar.

Wo Geht Der Teufel Hin“ beleuchtet eine andere Seite des „Bösen“. Eine zerrissene Persönlichkeit, der ein Herz hat und nicht mehr dem System dienen möchte, ihm aber auch nicht zu entfliehen vermag. Ganz ehrlich: diesen Luzifer möchte man nur noch drücken und knuddeln. Und liebe Männer, diese Nummer erklärt euch, warum der gute Kumpel einer Frau kaum ihr Lover wird, sondern meist das Arschloch gewinnt. Eine sehr poppige Nummer, vielleicht schon am Mainstream kratzend und daher mutig für „Eisbrecher“.

Alles in allem Eisbrecher, wie man sie gewohnt ist und liebt. Teilweise brechen sie aber auch mit alten Konventionen und stürzen sich mutig in andere Instrumentierungen und Melodien. Ein bißchen wehmütig gucke ich darauf, wie ich Eisbrecher als knallharte NDH‘ler kennengelernt habe, verstehe aber auch, daß man sich weiter entwickelt. Sonst wäre es ja auch langweilig. Und Langeweile – das kann man Eisbrecher getrost absprechen. Langweilig sind sie nicht.

Anspieltip: „Das Boot“ und „Wo Geht Der Teufel Hin

 

Eure Luna ^v^

 

Tourtermine: EISBRECHER @ STURMFAHRT 2017 
Special Guest: UNZUCHT
29. 09. 2017 Oberhausen (D) / Turbinenhalle 1
30. 09. 2017 Hamburg (D) / Mehr! Theater
01. 10. 2017 Wiesbaden (D) / Schlachthof
02. 10. 2017 Stuttgart (D) / Liederhalle – Hegelsaal
03. 10. 2017 München (D) / Zenith
05. 10. 2017 Wien (A) / Gasometer
06. 10. 2017 Dresden (D) / Alter Schlachthof
07. 10. 2017 Leipzig (D) / Haus Auensee
08. 10. 2017 Berlin (D) / Columbiahalle
10. 10. 2017 Saarbrücken (D) / Garage
11. 10. 2017 Zürich (CH) / X-tra Limmathaus
13. 10. 2017 Eindhoven (NL) / De Effenaar
14. 10. 2017 Paris (F) / Le Trabendo

Eisbrecher Line-Up:

Alex Wesselsky (Vocals)
Noel Pix (Guitar, Producer)
Jürgen Plangger (Guitar)
Rupert Keplinger (Bass)
Achim Färber (Drums)

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