Konzert: Dark Easter Metal Meeting 2017 in München

Am 15. und 16.04.2017 fand im Backstage München das Dark Easter Metal Meeting statt. Was soll ich sagen… Easter how it is supposed to be!

Die Konzerte spielten sich Samstag auf zwei, Sonntag sogar auf drei verschiedenen Bühnen ab: Halle, Club und Werk. 25 Bands, 3 Bühnen und Metal all day long. Was will man an Ostern mehr?!

Und das Backstage hielt sein Versprechen: keine Überschneidungen der Bands auf den Hauptbühnen. Wer wollte und ein bisschen plante, konnte wirklich gut jeden seiner Favoriten sehen. 

Die Crew des Backstage war wie immer absolut freundlich und hilfsbereit. Und auch die Versorgung mit Getränken und Essen war top. Kleiner Tipp von mir: das Pulled Pork Sandwich. Das müsst ihr unbedingt probieren!

Nun aber zum eigentlichen Thema: der Musik.

Folgende Bands gaben sich beim Dark Easter Metal Meeting 2017 die Ehre:

15.04.2017

  • Memoriam
  • Deserted Fear
  • Imperium Dekadenz
  • Ravencult
  • Sarkom
  • Outre
  • Giglamesh
  • Avslut

16.04.2017

  • Mayhem
  • Marduk
  • Asphyx
  • Ahab
  • Batushka
  • Helrunar
  • Pillorian
  • Harakiri for the Sky
  • Mourning Beloveth
  • Fäulnis
  • Décembre Noir
  • Revel in Flesh
  • Caronte
  • Ellende
  • Asphagor
  • Hailstone
  • Valborg

Ihr seht, es war so einiges geboten. Zuviel, um alles ausführlich in diesen Bericht zu packen. Darum erzähle ich euch hier von meinen ganz persönlichen Highlights des Dark Easter Metal Meeting 2017. Aber eines kann ich euch jetzt schon sagen: nehmt euch die Zeit und hört in alle 25 Bands des Dark Easter Metal Meetings mal rein. Gut waren sie alle und wirklich durchweg zu empfehlen!

15.04.2017 – Tag 1 des Dark Easter Metal Meeting 2017

Die erste Band, die ich erleben durfte, war AVSLUT. Die Band, gegründet erst 2016, war für mich die gelungene Eröffnung dieses dunklen Osterwochenendes. Wer dachte, eine erst so kurz bestehende Band würde bei einem Event wie dem Dark Easter Metal Meeting untergehen, wurde von Avslut definitiv eines besseren belehrt!

Dark Easter Metal Meeting 2017 Avslut
Avslut – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Avslut rockten die Club-Stage! Rasende Riffs, harte Drums und Vocs, die mehr als nur überzeugten. Hier ging nicht nur das Publikum ab. Auch einige Crew-Mitglieder des Backstage konnte man abrocken sehen. Avslut, das ist – wie der Vocalist  so schön sagte – swedish fu….. darkness! Und yeah, er hatte damit sowas von Recht!

Weiter ging es in der Halle mit IMPERIUM DEKADENZ. Die deutsche Black Metal-Band hatte vom ersten Akkord an eine wahnsinnige Verbindung zum Publikum. Die Leute gingen ab, als gäbe es kein Morgen. Überall sah man Headbanger und auch der Vocalist machte dabei kräftig mit. 

Dark Easter Metal Meeting 2017 Imperium Dekadenz
Imperium Dekadenz – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Das Growling, perfekt. Die Instrumental-Parts, meisterhaft. Gitarren, hart und melodisch zugleich, hämmernde Drums und eine Bühnenpräsenz, der man sich einfach nicht entziehen konnte. 

Für die nächste Band, ging es zurück in den Club. Hier gab sich die Münchner Band GILGAMESH die Ehre. Die Jungs präsentierten blackened Death Metal vom feinsten. Ein langer Schrei zu Beginn und schon ging es los. Dunkel, hart und voller Power. 

Gilgamesh Dark Easter Metal Meeting 2017
Gilgamesh – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

 

 

Die gruselig geschminkte Band befeuerte das Publikum mit rasendem Sound, der teils fast schon hektisch wirkte. Aber seine Wirkung dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb nicht verfehlte. Die Haare flogen zu jaulenden Gitarrensound, der von Growls und Screams begleitet wurde. 

Wer jetzt an eine Pause dachte… weit gefehlt. Nun war wieder Halle angesagt. Dort auf der Stage: DESERTED FEAR

 

Die Band begeisterte nicht nur mit gutem Death Metal, sondern auch mit einer tollen Connection zum Publikum, bei der auch eine kurze Anekdote über die feste Handbremse am Bus nicht fehlte.

Deserted Fear Dark Easter Metal Meeting 2017
Deserted Fear – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Zurück in den Club. Hier erwartete mich die Überraschung des Abends: OUTRE. Die polnische Band erschien mit gruseligem Make-Up und einem dämonisch anmutendem Intro. Creepyness pur.

Eingehüllt in massig Bühnennebel legten Outre los. Vocals, die teils wie zwei verschiedene Stimmen wirkten. Dunkles growling, hohes Screaming. Dazu brillante Gitarrensoli und Drums, die wie donnernde Säulen durch die Stücke trugen.

Outre Dark Easter Metal Meeting 2017
Outre – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Zwischen den einzelnen Songs gab es immer wieder dämonische wirkende Laute zu hören. Die Atmosphäre aus Nebel, rotem Licht und der Musik von Outre: creepy, düster und fast schon beängstigend. Kurz gesagt: eine Show der Spitzenklasse, bei der sogar der Lichttechniker nicht stillhalten konnte.

Outre, Musik kraftvoll, mitreißend und fast schon hypnotisch. Eine Band mit einem Charisma, das man nicht in Worte fassen kann.

Weiter geht es in der Halle mit RAVENCULT, ihres Zeichens Vertreter des Black Metal und Trash Metal. Hämmernder Sound mit gekonnten Screams und satten Gitarrenriffs. 

Der schnelle Metal von Ravencult kam an und nahm das Publikum für sich ein. Schnell, packend und einfach gut.

Im Club bereiteten sich mittlerweile SARKOM auf ihren Auftritt vor. Noch bevor der erste Ton erklang, war das Publikum schon voll dabei. Kein Wunder, Sarkom waren schon beeindruckende Erscheinungen, mit ihren gruselig geschminkten Gesichtern und den langen Spikes an den Armen.

Dark Easter Metal Meeting Sarkom
Sarkom – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Die Bühnenpräsenz von Sarkom war überwältigend. Ebenso wie Bass und Drums, die den Boden regelrecht zum vibrieren brachten. Das Publikum war fasziniert und ging vom ersten Sound an voll ab zu genialen Gitarren-Parts, perfekten Vocals und einer durchgehenden Connection mit dem Publikum. Sarkom sind definitiv ein Must see for everyone.

So ging ein grossartiger Samstag zu Ende. Vollgepackt mit Metal, klasse Bands und einer Atmosphäre, wie sie ihresgleichen sucht. Doch das Dark Easter Metal Meeting war noch nicht vorbei. Schon am nächsten Tag ging es weiter.

16.04.2017 – Tag 2 des Dark Easter Metal Meeting 2017

Der zweite Tag des Dark Easter Metal Meetings 2017 begann, wie der erste Tag aufgehört hatte: voller Power!

Im Club rockten ASPHAGOR die Bühne. Die Black Metaler aus Österreich begingen auf dem Dark Easter Metal Meeting 2017 auch gleich ihre 10-jährige Jubiläumsshow. Und wie sie das taten!

Asphagor Dark Easter Metal Meeting 2017
Ashpagor – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Der Beginn mit Donnerschlag und endsgenialem Scream des Vocalist lies ahnen, was noch alles folgen mochte. Der Mix aus melodischen Gitarrenparts mit harten Riffs konnte sich definitiv sehen lassen. Ebenso die Vocals mit der Kombination aus dunklen Growls und kreischenden Screams. Ein Können, welches dem Vocalist sogar ein Bier aus Fan-Hand bescherte. 

Asphagor, das ist Black Metal, wie er sein soll. Die Band ist mit einer Leidenschaft zu Gange, wie man sie nur selten sieht. Und dieser besondere Funke sprang auch auf das Publikum über. 

Als besonderes Highlight fand sich auch der frühere Sänger von Asphagor auf der Stage ein und unterstützte die Band bei einigen Songs. Der Gig der Österreicher war kraftvoll, berauschend und einfach genial.

ASPHYX machten sich nun im Werk bereit. Die vier Jungs aus den Niederlanden begeisterten mit feinstem Death Metal das Publikum. Dort gab es kein halten mehr. Die Haare flogen, die Mano Cornutas wurden gereckt und die Songs mit Applaus quittiert.

Asphyx Dark Easter Metal Meeting 2017
Asphyx – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Asphyx präsentierten instrumentales Können, abgerundet durch einen Vocalist, der seinen Job mehr als nur beherrscht.

Es folgte in der Halle: Black Metal von PILLORIAN. Die Band lieferte eine gute Show mit super Bühnenpräsenz. Auch Instrumental und Gesang konnten sich sehen lassen. Schade war nur, dass die Vocs anfangs teils gar nicht zu hören waren. Gitarren und Bass waren einfach zu laut. 

Marduk Dark Easter Metal Meeting 2017
Marduk – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Weiter ging es im Werk. Mit Spannung wurden hier MARDUK erwartet. Schon während des Intros sah man überall wo man hinblickte Mano Cornutas. Die Musiker wurden beim Betreten der Stage von Marduk-Rufen und jubelnden Pfiffen begrüßt.

Marduk, das ist Black Metal aus Schweden. Muss man dazu noch mehr sagen? Bereits beim zweiten Song bildete sich der erste Moshpit, begleitet von rasenden Gitarren und treibenden Drums. Schneller, aber dennoch teils wunderbar melodischer Sound. Marduk, eines der vielen Highlights des Dark Easter Sunday.

Zurück im Club erwarteten mich CARONTE. Die italienische Band präsentierte Shamanic Doom. Darunter konnte ich mir, bevor ich Caronte hörte, so gar nichts vorstellen. Ihr Sound: Satt und sehr basslastig. Das Besondere: der Cleargesang des Vocalist. Wie auch die Instrumental-Parts sehr gekonnt. Alles in allem überzeugten Caronte auf ganzer Linie mit ihrem ungewohnten, aber doch fesselnden Sound.

Caronte Dark Easter Metal Meeting 2017
Caronte – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: Andreas „Elwood“ Brauner

Nun war es soweit: Die Zeit von MAYHEM. Wie viele auf diese Band gewartet hatten, war sofort an der Menge der Leute im Werk zu erkennen. Bereits einige Zeit vor Beginn des Mayhem-Gigs war das Werk rappelvoll. Nach einer kurzen Durchsage, beim Fotografieren bitte kein Blitzlicht zu verwenden, ging es dann auch los.

Mayhem Dark Easter Metal Meeting 2017
Mayhem – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Das Werk wurde dunkel, Kirchenglocken schlugen und Nebel waberte über die Stage. Mayhem betrat die Bühne. Gehüllt in schwarze, zerrissene Kutten wirkten Attila, Necrobutcher, Hellhammer, Teloch und Ghul wie unheilvolle Mönche auf düsterer Mission. 

Die Black Metal Kombo aus Oslo bot jedoch nicht nur ein atmosphärisch starkes Bild, sondern auch ebenso starken Sound. Professionell, fesselnd und faszinierend. Und das Publikum? War voll dabei! Headbanging, Moshpit, Mano Cornutas, das volle Programm! Kein Wunder, bei Mayhems Hammer-Show! 

Da gab es nicht nur die 5 Band-Member, besten Black-Metal und Gänsehaut-Feeling, sondern auch Kerzen und einen Totenschädel, den Attila über die Bühne trug. Mayhem, das ist  Metal in Perfektion. Vom vollkommenen growling bis hin zu den jaulenden Gitarren, deren Sound einen an das Heulen verlorener Seelen denken lässt.

Nach dem großartigen Auftritt von Mayhem, folgte auch schon das nächste Highlight in der Halle: BATUSHKA mit ihrem ersten Auftritt ever in München.

Batushka Dark Easter Metal Meeting 2017
Batushka – Dark Easter Metal Meeting 2017 – Photo: © Andreas „Elwood“ Brauner

Die Neugier auf diese Band war groß, so dass bereits einige Zeit vor Beginn die Halle aus allen Nähten platze und die Leute nur noch schwungweise und schließlich gar nicht mehr eingelassen wurden.

Als die Show begann, war schon das Bühnenbild ein Wow für sich. Kerzenhalter, eine Art kleiner Altar mit Heiligenbildnis und mittendrin: Batushka in ihren brokatgeschmückten Kutten und verhüllten Gesichtern. 

Die Show begann mit der Segnung des Publikums, gefolgt von Weihrauchschwaden. Die Musik: melodisch. Der Gesang: sakral, wie ein Priester in der Kirche. Es war wirklich beeindruckend. Man konnte gar nicht anders, als hinzusehen.

Chorale Gesänge, melodische Passagen, Screamo, harte Riffs und donnernde Drums. Dazwischen teils Klänge, wie ein geisterhaftes Wispern. Dazu eine Show, die deutlich zeigte, dass es sich um eine russisch-orthodoxe Messe handeln sollte. Eine Kombination, die so fesselnd war, dass man alles um sich herum vergaß. Und zwischendurch klingelten immer wieder die 4er-Handglocken, wie bei der Segnung in der Kirche.

Batushka, für mich definitiv eines der Highlights des Wochenendes!

Das Dark Easter Metal Meeting 2017 war ein voller Erfolg und ein Wochenende, an das jeder Besucher noch lange zurückdenken wird. 

Vielen Dank an das Backstage und MRW Concert Promotion & Booking für dieses hammergeile Osterwochenende. Und natürlich auch ein großes Dankeschön an die Bands, die uns Besuchern eine so helltastic Zeit geschenkt haben.

Dark Easter Metal Meeting, nächstes Jahr definitiv wieder!!!

Eure BlackRose

Photograf: Andreas „Elwood“ Brauner

(Galerie folgt in Kürze)

Stilrichtungen des Metal, Teil 6: Black Metal

Black Metal ist in meinen Augen die extremste Form des Metal. Neben Death und Thrash Metal gehört dieser Musikstil in den Bereich des Extrem-Metal. Und zwar aus gutem Grund, ist er doch in vielen Belangen extrem. Wenn ich an Black Metal denke, fallen mir zum einen die in dieser Szene vorherrschenden Ideologien ein, zumeist bestehend aus Satanismus, allgemeiner Misanthropie oder anderen krassen Weltanschauungen. Zum anderen denke ich an das charakteristische Auftreten der Bands, ihre Outfits und Ästhetik: umgedrehte Kreuze, Leder, Nieten und Patronengurte sowie Corpsepaint (schwarz-weiße Gesichtsbemalung). Pseudonyme sind allgegenwärtig; fast jeder Musiker gibt sich einen Künstlernamen. In Bezug auf die Musik ist dieser Metal-Stil roh, kalt, eher unmelodisch und sehr schnell. Typisch ist der Gesang, der als Krächzen oder Kreischen bezeichnet werden kann. Soweit der grobe Umriss.

King Diamond live 2006 Moscow 01 Über die Jahre vollzog dieses Genre eine interessante Entwicklung. In den Achtzigerjahren fing alles recht harmlos an. Damals waren es Bands wie Venom, Mercyful Fate (Foto) und Bathory, die den Weg ebneten. Venoms Album Black Metal gilt als Namensgeber. Die britische Band spielte mit satanischen Symbolen und provozierte damit bewusst. Einen ernsten Hintergrund hatte dies jedoch nicht. In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern kristallisierte sich Skandinavien, insbesondere Norwegen und Schweden, als Black-Metal-Zentrum heraus. Zu den wichtigsten Bands aus diesem Raum gehören Mayhem, Dissection, Marduk, Darkthrone, Satyricon und Immortal. Bis heute verbinden viele Metaller mit Black Metal vor allem skandinavische Bands, obwohl der Stil natürlich auch anderswo vertreten wird.

Musikalisch, wie auch in jeder anderen Hinsicht, grenzt sich BM stark von anderen Subgenres ab. Die in der Regel nicht tiefer gestimmten Gitarren spielen disharmonische, schnelle Riffs. Auch das Drumming ist sehr schnell, mit vielen Blastbeats. Dazu gesellt sich der bereits erwähnte Kreisch-Gesang, an dem man BM-Bands sofort erkennt. Die auf diese Weise erzeugte Musik klingt für Außenstehende mitunter wie ein undefinierbarer Brei oder Krach. Das ist durchaus gewollt, denn Black Metal will der Masse nicht gefallen. Kommerzieller Erfolg wird von “echten” (true) Black Metallern verachtet. Aus diesem Grund sind die Alben absichtlich schlecht produziert. Es soll rau, unpoliert und nach Underground klingen. Das tut es dann auch. Viele Liebhaber des ursprünglichen Black Metal schätzen genau das und lehnen Bands ab, deren Alben einen klareren Sound aufweisen oder die gar kommerziell erfolgreich und damit massenkompatibel sind.

Neben der Musik nehmen die Lebenseinstellungen und das daraus resultierende äußere Erscheinungsbild der Bands eine zentrale Rolle ein. Hier wird es ein wenig kompliziert. Bleiben wir in Skandinavien, genauer gesagt in Norwegen. Hier spielten sich in den Neunzigerjahren nämlich verschiedene Vorkommnisse ab, die die Szene in den Fokus der Öffentlichkeit rückten. Dafür verantwortlich waren einige junge Black Metaller, die diverse Straftaten – bis hin zum Mord – begangen. Das erste schockierende Ereignis war der Selbstmord des damaligen Mayhem-Sängers, der bezeichnenderweise das Pseudonym Dead trug. Der Suizid an sich war gar nicht das Verstörendste daran. Sein Bandkollege und wichtige BM-Persönlichkeit Euronymous (richtiger Name Øystein Aarseth) fand den Toten, der sich in den Kopf geschossen hatte (das Bild oben zeigt beide zusammen, Dead links). Er machte Fotos, um sie später auf Album-Covern zu verwenden. Zudem sammelte er einige Schädelsplitter ein, aus denen er Kettenanhänger anfertigen ließ, die er an Freunde verschickte. Erklären lässt sich solch zynischer Wahnsinn mit einer Ideologie, die den Tod verehrt und menschliches Leben als minderwertig ansieht. Ab diesem Ereignis sorgten Norwegens Black-Metal-Protagonisten für eine Schlagzeile nach der anderen.

Zur damaligen Zeit entstanden zahlreiche Bands und gleichzeitig eine Bewegung, die ihren Überzeugungen Taten folgen ließ. Skandinavischer Black Metal in der Regel satanisch oder zumindest antichristlich. Einige Mitglieder der norwegischen Szene verliehen ihrer Denkweise Ausdruck, indem sie Kirchen in Brand steckten. Auch Grabschändungen und Angriffe auf Andersdenkende kamen vor. 1992 verübte Bård G. Eithun, Mitglied der Band Emperor, einen Mord. Zu derartigen “Aktionen” gesellte sich zu allem Überfluss auch noch eine politische Komponente. Mehrere Musiker machten allerlei nationalistische und rechtsradikale Aussagen in Interviews. Später distanzierten sich einige davon oder wiesen den Vorwurf, rassistisch zu denken, von sich. Dennoch hatten diese Äußerungen maßgeblichen Einfluss darauf, dass Black Metal, auch in Deutschland, in Teilen von Nazis unterwandert ist. Diese politisch geprägte Strömung wird als NSBM (nationalsozialistischer Black Metal) bezeichnet. Den allermeisten Metalheads, mir übrigens auch, ist das alles ein Dorn im Auge.

Die drastischen Geschehnisse in Norwegen fanden 1993 ihren Höhepunkt. Neben Euronymous war Varg Vikernes, einziges Mitglied von Burzum, eine wichtige Figur der Szene. Im August ’93 ermordete Vikernes (Pseudonym Count Grishnackh) seinen ehemaligen Freund Euronymous mit 23 Messerstichen. Die Haftstrafe für diese Tat hat er mittlerweile abgesessen. Vikernes ist bekennender Rassist, der über die Jahre mit teils widersprüchlichen und wirren Theorien sowie mit einem missglückten Ausbruchsversuch aus dem Knast Aufmerksamkeit erregte. Die atmosphärische Musik Burzums wird innerhalb der Szene hoch geschätzt. Während einige Metaller Vargs politische Ansichten ausklammern oder tolerieren, lehnen andere Burzum aus diesem Grund konsequent ab.

Nach dem Mord ging der ursprüngliche norwegische Black Metal ziemlich den Bach runter. Zwar gab es noch einige Veröffentlichungen, aber Black Metal war nicht mehr das, was er war. Es entstanden neue Bands und neuartige Richtungen. Für viele Fans ist das Genre damals gestorben. Dafür gab es einen neuen Stil, den Symphonic Black Metal. Mit rohem, unzugänglichen Black Metal hat dieser nichts mehr gemein. Die Produktionen weisen einen satten, bombastischen Sound auf und die Songs sind weitaus eingängiger. Wichtigste Vertreter sind Cradle of Filth (aus England) und Dimmu Borgir (Norwegen). Eine zeitlang habe ich diese beiden Bands sehr gerne gehört. Dabei hatte ich aber nie das Gefühl, Black Metal zu hören. Es fehlt die Ernsthaftigkeit, das Böse, die kalte Atmosphäre, die Black Metal ausmacht. Ernsthaft wirken diese Bands nun wirklich nicht. Bei Cradle of Filth dreht sich alles um Horror- und Grusel-Themen. Von überzeugtem Satanismus keine Spur. Die Bezeichnung Black Metal verdienen beide Bands nicht.

Watain 27 03 2014 08 Ein weiteres Beispiel für eine norwegische Band, die sich ein gutes Stück vom Black Metal weg entwickelt hat, sind Satyricon, die ich sehr mag. Gerade weil sie sich in eine andere Richtung gewendet haben. Ehrlich gesagt kann ich mit ursprünglichem Black Metal meist nicht viel anfangen. Was Satyricon machen, finde ich hingegen großartig. Die Band ist eigentlich nur zweiköpfig und tritt live mit Gastmusikern auf. Letztes Jahr übrigens auch auf dem WGT. Auch wenn BM nicht wirklich mein Genre ist, gibt es hin und wieder Bands, die mich positiv überraschen. Auf den Festivals letztes Jahr waren das die Schweden Watain. Die Musik ist sehr atmosphärisch und die Bühnenshow mit Ritualen und Kerzen (siehe Foto), aber auch Blut und Gestank, sorgt für ein intensives Erlebnis.

Natürlich gibt es noch viele bedeutende, berüchtigte und interessante Black-Metal-Bands, die ich hier nicht erwähnt habe. Black Metal ist ein weites Feld. Eine reine Beschreibung der Musik reicht da einfach nicht aus. Die Weltanschauung, die politische Kontroverse sowie die Ereignisse in Norwegen gehören dazu. Ich hoffe, ich konnte Euch einen Überblick über diese vielschichtige Szene geben. Im nächsten Teil wird es weitaus weniger böse zugehen.