Vorstellung der CD von Suns Of Sorath: „Flowers Of The Lily“

Am 30.4.17 erschien von Suns Of Sorath die Scheibe „Flowers Of The Lily“ über das bandeigene Label. Sie ist via Download zum Beispiel bei Amazon erhältlich.

Auf 5 Tracks bieten die beiden aus Denver, Colorado, krachigen progressiven Black/Deathmetal. Dieser dürfte Fans von Burzum, Meshuggah, Metallica bis hin zu Dimmu Borgir gefallen, die als Vorbilder und Einflüsse der Band von Suns Of Sorath genannt werden.

Der erste Track “Tides Of Macrocosm“ überrascht gleich mit einer Spieldauer von über 14 Minuten, in denen ALLES geboten wird: aggressiver Metal, der nach der Hälfte zu einer ruhigen Pianonummer zerfällt, bevor auch diese Klänge in Einzelteile zersplittern und nur noch Töne sind. Hier greift dann wieder der Rest der Instrumentierung ein und treibt den Song voran. Er schafft sich quasi aus dem Untergang selbst neu…

Sorath Sonnenrad“ zu hektisch und chaotisch anmutender Musik knurrt Cody eindrücklich seine Worte ins Micro. Dabei hat er etwas beschwörendes, als würde er Zaubersprüche aufsagen. Beschwört einen Dämon – Sorath, der in der Bibel nur das „Tier mit den Zwei Hörnern“ genannt wird und durch die 666 verschlüsselt wird, der auch erscheint…

Bull Of Dharma“ bezieht sich auf die indische / hinduistische Religion. Dharma, der Gott der Gerechtigkeit wird von Krsna genannt, man solle sich von ihm von seinen Sünden befreien lassen. Der Bulle ist dabei das Symbol der Gerechtigkeit. Er ist in viele Zeremonien verhaftet und aus dem Grund, daß die Kuh bzw. der Stier in dem Leben der Hirten alles im Leben (als Sinnbild der Viehzucht, zudem werden Urin und Mist ) notwendige lieferte, diese Tiere in der Religion als heilig gelten.

Flowers Of The Lily“ greift dann wieder in die westliche, christliche Mythologie ein. Hier weiht sich Cody der alten „Hexentradition“ gemäß seiner „Göttin“ und wird die Erkenntnis erlangen.

Fazit zu dem Album: Den Fans wird es gefallen, Neulinge sollten mal reinhören. Haare schütteln und Kopf kreisen lassen geht auf jeden Fall! Auch ist der „rote“ Faden der Lyrics in sich stimmig, als Sonnen des Sonnendämons (Suns Of Sorath) beginnen sie und enden dann bei Lillith, die man mit dem weiblich mystischen des Mondes verbindet. Die Apokalypse kann beginnen…

 

Eure Luna ^v^

 

Line-Up:
Cody J. Tyler – Lead Vocals, Bass, Keys; Lyrics and Composition
Evan Knight – Guitars, Backing Vocals; Lyrics and Composition

Neue CD von An Assfull Of Love: „Monkey Madness“

Am 25.8.17 erscheint von den ehemaligen Saarbrückern An Assfull Of Love die CD „Monkey Madness“ über das Label Boersma-Records (Soulfood).

Die inzwischen in Wiesbaden, Mainz und Konz lebenden Glam-Punk-Rocker haben mit ihrem lauten, pinken und verrückten Songs schon manche Party gefeiert und machen das auch mit dem neu erscheinenden Album in gleicher Weise. Das Leben ist scheiße genug, warum also nicht das Beste davon nehmen und feiern?

Seit den Anfängen der Bandgeschichte haben „An Assfull Of Love“ an ihrem Sound gearbeitet und die Mischung aus Glamrock der 80er (Mötley Crüe, Van Halen, Guns’n’Roses) und aktuellem Punkrock (Green Day, Blink 182, Turbonegro) verfeinert.“ (Zitat von der Bandcamp-Biografie der Band)

Bang Bang Boom“ beginnt mit einer Ansage durch ein Megafon und rockt dann los. Dabei hauen sie so richtig gegen ihre Hater. Sollen sie doch machen, was sie wollen, sie sind An Assfull Of Love und feiern ihre verrückten Parties. Ohne sich dabei nicht auch selbst durch den Kakao zu ziehen. (Man merkt, daß sie J.B.O. verehren)

Neverending Springbreak“ geht musikalisch in die Richtung der frühen Songs der amerikanischen Band Bloodhoundgang. Es macht einfach gute Laune, das ganze Leben sollte eine niemals endende Klassensause sein und die Probleme können bitteschön zum Teufel gehen.

Lumberjack Lesbians“ erzählt von … ja, holzfällenden Lesben tief im Wald. Sie führen ein sehr interessantes Leben, bei dem viele Kerle sicher gerne Mäuschen wären. Was sich wohl „Orgasm Joe“ dabei denkt?

Allergy To Stupedity“ spricht einem so richtig aus der Seele. Dummheit ist manchmal wirklich eine Plaque. Wenn man manche Zeitgenossen sieht, möchte man nur noch den Kopf auf den Tisch hauen. Und wenn die Dummen auch noch beratungsresistent sind…

(c) Bild von der facebook-Seite der Band

Sucker“ geht gegen ach so coole Typen, die mit ihren Tanzbewegungen und ihrem Rockstargetue beeindrucken wollen und sich für ach so toll halten. Und doch nur blöde Versager sind. (Ich hab die kleine Anspielung mit Homer Simpson gehört, yeah).

Mexikanische / Spanische Gefilde werden mit „Luchador El Culo“ betreten. Interessanter Mix. Ayayayayayyyyy! Arriba, vamos! Und ja, diesen Derulo mag ich auch net. Wer ist das überhaupt?

Und gefeiert wird die Party bis „Sunrise“ – der letzte Track auf dem Album. Erinnert mich mega an die Zeiten, als man noch wild und ungebremst die Nacht durchgemacht hat. Sollte ich vielleicht mal wieder machen? Party on…

Anspieltips sind hier echt schwer… holt euch doch einfach das komplette Album!

 

eure Luna ^v^

 

Line-Up AAOL:
Vocals – Daniel Isengard (Baden-Baden)
Lead Guitar – Sascha Schell (Konz)
Rhythm Guitar – Nico Griesang (Mainz)
Bass – Bernd Horn (Wiesbaden)
Drums – Florian Heib (Saarbrücken)

Debütalbum von The Edge of Reason: „Broken but not torn“

The Edge of Reason veröffentlichten am 03.07.2017 ihr Debutalbum „Broken But Not Torn“. 2012 brachten sie schon die EP „How can I drop this mask“ heraus. 2013 folgte die Single „Prison of Terror“. Die Band kürzt sich selbst mit „TEOR„ ab. Die aus Regensburg stammende Formation überzeugt in ganzer Linie mit ihrem vorgelegten Werk. Die Musik kann als  dynamisch und energiegeladen bezeichnet werden. Auf dem Longplayer finden sich viele Themen: Liebe, Feindschaft, Alkoholsucht, Voodoo, und auch Rivalität. Es sind Höhen und Tiefen des Lebens.
Mit dem Opener „Unstopable“ legen TEOR fullminant  los. Sie starten durch. „Unstopable“ könnte auch als Motto des Albums gelten. Die Songs kennen kein Punkt und kein Komma, als dass sie jemand stoppen könnte.
Der Kampfeswille ist in allen 11 Tracks  zu spüren: „Broken But Not Torn“ (deutsch: Gebrochen, aber nicht zerrissen). TEOR wissen, was sie wollen. In „Rubber Strap“ kommt der Titel des Albums als Textbestandteil vor. In „These Pills“ geht es um eine Alkoholsucht und dem Willen, diese zu besiegen und um die Frage, ob ein Fehler wieder gut gemacht werden kann. „Loved a Liar“ ist eine Abrechnung einer Liebschaft mit einer Lügnerin. Das Motto lautet: „No third chance!“ In „Wanna give you wings“ ist ,wings als Metapher einzustufen, um die Probleme des Lebens zu lösen und Dinge zu vergessen. Quasi über den Dingen zu stehen ist der ersehnte Wille. 

In „Broken but not torn“ kommt es vor allem auf die Texte an. Die Drums peitschen die Songs nach vorne. Beim Gesang gibt es einen stetigen Wechsel Klargesang und Sreaming. Der Cleangesang dominiert dabei allerdings.

Der Longplayer ist um weiten besser als die bisher veröffentlichte Single und die EP, die auf der Homepage der Band zum Freedownload bereitstehen. Ich würde den Stil als melodischen Metal mit Rockelementen bezeichnen. Das ist Musik, die begeistert und zur intensiven Betrachtung mit den Texten animiert. Mich hat das Album innerlich bewegt.

Tracklist:

01 Unstopable

02 Is she worth it

03 Rubber Strap

04 Dog eat dog

05 Loved a liar

06 These Pills

07 Wanna give you wings

08 Still alive

09 Perpetuum mobile

10 Voodoo

11 Save me

 

Ro Seven – Vocals

Alexander Gorst – Guitar

Billy Oldboy – Guitar

Niko van Laak – Drums

Dani Schöneberg – Bass

Debüt – CD von Heterochrome: „Melancholia“

Am 4.7.17 erschien von der iranischen Band Heterochrome Melancholia“ im Eigenvetrieb. Der Download ist unter anderem über Amazon, iTunes und Bandcamp erhältlich.

Für etwa 30 Minuten entführt Heterochrome mit ihrem Female Fronted – Progressive Metal in eine Welt der Sühne und Buße in englischer Sprache und bedient sich dabei den westlichen / christlichen Motiven der Bibel. Für mich ist das etwas sehr Neues, denn aus dem Iran bzw. aus Teheran hatte ich noch keine Metal – Band auf dem Sender. Grund genug, diese CD euch einmal vorzustellen.

Cage“ ist der erste Track. Gefangen in seinem alternden Körper, verloren in den Träumen und den Verstand entgleitend, beginnt die Geschichte der Songs. Phantasievoll und melodisch schmeicheln sich die Töne in die Ohren.

Hang“ ist ein Duett. Prima umgesetzt ist die klare Stimme der Sängerin mit dem Growl des Sängers. Man spürt die Zerrissenheit, aber auch Gewißheit, daß sich in dieser bestimmten Nacht alles ändern wird. Sobald sie durch die Türe geht, wird alles anders sein. Der Teufel klingt einerseits bedrohlich, andererseits sehr verführerisch und verlockend.

Regret“ bedient sich ein wenig dem Motiv aus „One“ von Metallica, allerdings in einer Variante und längst nicht so hart. Das Instrumentalstück bringt aber dennoch genug Power mit, wenn es sich mit den ruhigeren, träumerischen Parts abwechselt.

Purgatory“ beschreibt die Reinigung der Seele im Fegefeuer. Klein und unwichtig im Weltengefüge und doch so einmalig und wichtig für das Weiterkommen in der jenseitigen Welt.

Doch das „Paradise“ ist sehr trügerisch. Die Vergangenheit verfolgt einen, überall herrscht Finsternis. Soll man glauben, was man zu sehen bekommt? Ist das die Wahrheit? Und die CD hat noch kein Ende…

Alles in Allem ein schönes Erstlingswerk, das fortgesetzt werden sollte. Wohin reist die Seele weiter, was begegnet ihr auf ihrem Weg? Wer reinhören möchte, der sei auf Bandcamp eingeladen, dort könnt ihr die Künstler auch mit eurem Kauf unterstützen. Die Stimme der Sängerin ist wirklich sehr angenehm und auch der Growl & Klargesang ihres Duettpartners kann sich durchaus hören lassen.

 

Eure Luna ^v^

 

Line-Up Heterochrome:
Mohammadreza & Mida

Neue CD von Eisbrecher: „Sturmfahrt“

Am 18.8.17 erscheint das neue Eisbrecher Album „Sturmfahrt“ als CD, Do-LP und limitierte „Sturmfahrt“-Box inkl. Bonus-Live-DVD „Eisbrecher auf der Loreley 2016“ sowie Expeditionsbrille und Metallpin-Doppeldorn, Poster und Sturmfahrt-Sticker über das Label Sony Music.

Die Vorabsingle „Was ist hier los?“ kennt man ja schon ein paar Tage, ich finde, es ist ein typischer „Eisbrecher-Song“ geworden, der ausnahmsweise sogar mal ein politisches Thema angreift. Vorzugsweise waren ja bisher partnerschaftliche Themen die große Stärke der Bayern. Also, die zwischen Mann und Frau meine ich. Aber von der Machart des Videos denkt man hier also weniger an Mann und Frau, sondern eher Trump und Putin. Oder Deutschland und die EU… oder oder oder. Aber selbst wenn man Weltpolitik wegwischt, die Nummer macht Spaß und auch live am Amphi rockten die Fans dazu ab.

Besser“ verliert etwas an dem NDH-typischen, es ist eher eine rockige Nummer, dieses Mal mit einer kuscheligen Version des Klassikers „Miststück“. War er IHR noch in dem Song ausgeliefert und kam bis zur letzten Note nicht von dem Weib los, fleht er hier gleichsam, daß SIE die Fesseln kappt, bevor es ihn zerstört. Ein Weichei, denkt ihr? Nein, eine zerbrechliche Seele trotz harter, rauher Schale. Mir gefällt der Song sehr gut, hängen doch viele harte Kerle in einer Beziehung, die sie zerstört, ohne komplett auszurasten und (verbal) um sich zu schlagen.

Der Albumtitelgebende Track „Sturmfahrt“ begleitet eine Reise in ungewisses Gewässer. Beginnt man sein Leben, so weiß man nur, daß es los geht, aber nicht, wohin der Weg führt, welche Gefahren lauern und ob einem Schönes widerfahren wird. Macht euch auf, legt Volldampf ein und reist los. Eine tolle Botschaft, die Eisbrecher hier knackig gewohnt umsetzen.

Auf „Das Boot“ war ich gespannt. Ich liebe diese Melodie, wenngleich mir der Film verhaßt ist. Sorry. Krieg und Verwüstung und dann mit Klaustrophobie in einem Uboot gefangen (und ich war in Laboe im Uboot U 995 drin!), das ist nichts für mich. Hier ist die Melodie sehr gut umgesetzt und auch die Lyrics klingen hoffnungsvoller, als der Film ausstrahlte. Global gesehen ist es eine Bitte, daß wir ALLE etwas tun müssen, denn wir haben nur diese eine Erde, können ihr (noch) nicht entfliehen und müssen mit unserem Leben und der Umwelt auskommen, damit wir uns nicht selbst vernichten. Ich wußte immer, daß gerade die NDH‘ler tiefgründiger sind, als man allgemeinhin glaubt und hier ist der Beweis.

Automat“ erinnert mich an einen Terminator oder Data aus Star Trek. Eine scheinbar seelenlose Maschine soll der perfekte Partner sein? … Passend programmiert funktioniert es vielleicht, wenn man Berechenbarkeit wünscht, aber macht es auch glücklich? Soll ein Mensch denn nur funktionieren? Verschwörungstheoretiker denken das: nicht meckern, nicht maulen, nur den Wunsch des anderen (wer auch immer das ist) folgen und dienen. Ein trauriger Spiegel der Menschheit, der hier von Eisbrecher vor gehalten wird.

Foto: © Holger Fichtner

Dazu paßt dann thematisch die Cover-Version „Eisbär“, der sich auch Eisbrecher auf diesem Album angenommen haben. Handelt das Lied doch von einem Wunsch, keine Gefühle zu empfinden, damit das Leid ein Ende hat. Die Umsetzung der Melodie ist interessant, aber ich muß gestehen, daß ich letztens bessere Varianten bei anderen Bands gehört habe. Das Cover ist zu nah an dem Original, um zu dem „Team Eisbrecher“ zu passen, außer Alex‘ prägnanter Stimme ist sonst wenig „Eisbrecher“ vorhanden. Das ist aber auch das einzige kleine Manko an dem tollen Album.

Sirenengeheul und Gitarren – so startet „Krieger“. Alex ruft seine Kampfgenossen zusammen, um gegen das System zu kämpfen. Und er motiviert auch diejenigen, die sich bisher immer „kleingemacht haben“, wenn man aus dem Nest geschubst wird, muß man kämpfen, damit Träume wahr werden können. Ein Aufschrei ist dringend notwendig, damit der Wahnsinn ein Ende hat. Die Nummer ist sehr ohrwurmig und tanzbar.

Wo Geht Der Teufel Hin“ beleuchtet eine andere Seite des „Bösen“. Eine zerrissene Persönlichkeit, der ein Herz hat und nicht mehr dem System dienen möchte, ihm aber auch nicht zu entfliehen vermag. Ganz ehrlich: diesen Luzifer möchte man nur noch drücken und knuddeln. Und liebe Männer, diese Nummer erklärt euch, warum der gute Kumpel einer Frau kaum ihr Lover wird, sondern meist das Arschloch gewinnt. Eine sehr poppige Nummer, vielleicht schon am Mainstream kratzend und daher mutig für „Eisbrecher“.

Alles in allem Eisbrecher, wie man sie gewohnt ist und liebt. Teilweise brechen sie aber auch mit alten Konventionen und stürzen sich mutig in andere Instrumentierungen und Melodien. Ein bißchen wehmütig gucke ich darauf, wie ich Eisbrecher als knallharte NDH‘ler kennengelernt habe, verstehe aber auch, daß man sich weiter entwickelt. Sonst wäre es ja auch langweilig. Und Langeweile – das kann man Eisbrecher getrost absprechen. Langweilig sind sie nicht.

Anspieltip: „Das Boot“ und „Wo Geht Der Teufel Hin

 

Eure Luna ^v^

 

Tourtermine: EISBRECHER @ STURMFAHRT 2017 
Special Guest: UNZUCHT
29. 09. 2017 Oberhausen (D) / Turbinenhalle 1
30. 09. 2017 Hamburg (D) / Mehr! Theater
01. 10. 2017 Wiesbaden (D) / Schlachthof
02. 10. 2017 Stuttgart (D) / Liederhalle – Hegelsaal
03. 10. 2017 München (D) / Zenith
05. 10. 2017 Wien (A) / Gasometer
06. 10. 2017 Dresden (D) / Alter Schlachthof
07. 10. 2017 Leipzig (D) / Haus Auensee
08. 10. 2017 Berlin (D) / Columbiahalle
10. 10. 2017 Saarbrücken (D) / Garage
11. 10. 2017 Zürich (CH) / X-tra Limmathaus
13. 10. 2017 Eindhoven (NL) / De Effenaar
14. 10. 2017 Paris (F) / Le Trabendo

Eisbrecher Line-Up:

Alex Wesselsky (Vocals)
Noel Pix (Guitar, Producer)
Jürgen Plangger (Guitar)
Rupert Keplinger (Bass)
Achim Färber (Drums)

CD Vorstellung Deadcase: „For The Violent“

Am 21.5.17 erschien das Debütalbum „For The Violent“ des Allrounders Tito Bettencourt der unter dem Bandnamen Deadcase Musik macht.

Faszinierend dabei ist, daß er alle Instrumente nebst Vocals alleine eingespielt und gesungen hat, nur Francis Lacerda ist für die Co-Vocals bei Track 2 „For The Violent“ und Miguel Santos für die Keyboardparts in dem Instrumentalstück „Eruption“ angegeben.

Das erklärt auch, warum er sich 4 Jahre für die Produktion Zeit genommen hat und unter anderem nicht nur in London, sondern auch in Lissabon und den Azoren an dem Feinschliff gearbeitet hat. Doom Metal ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack und „Feinschliff“ ist da vielleicht der falsche Terminus, aber die Mühe scheint mir mehr als wert gewesen zu sein.

Tito empfiehlt übrigens auf seiner Bandcampseite, seine Musik mit Kopfhörern oder Lautsprechern in Dunkelheit möglichst LAUT zu genießen. Dort könnt ihr übrigens alle Tracks downloaden, ein Track „Sleep“ ist frei erhältlich und wenn man den Rest kauft, gibt es einen Bonustrack „An Outrage Of Exquisite Hatred“ frei Haus. (Wer mag, kann natürlich auch gerne auf Youtube in das Album hereinlauschen!) An einer physischen Version (CD) wird derzeit gearbeitet, ein VÖ-Termin ist aber noch nicht genannt.

Thematisch beschäftigt sich Tito auf den 8 Tracks mit Doom-Metal-typischen Szenarien wie Tod, Krieg und Verwüstung und den Glorien des Sieges. Er growlt und spricht sich abwechslungsreich durch die raschen, dynamischen Melodien. Immer voran ein treibender Rhythmus, der von einer regelrecht hypnotischen Kraft zehrt. Dazu auch Einspielungen, die mit Kindergeschrei, Maschinengewehren und anderen Klangszenarien untermalen.

Anspieltips: „Eruption“ und „Dawn Of A Kingdom

Tracklist:

Sleep
For The Violent
Silent Sorrow
Leap Of Faith
Primitive Fears
Eruption
Grace Of Dominion
Dawn Of A Kingdom

 

Hört doch einfach mal rein,
eure Luna ^v^

Debüt CD von Seven Spires: „Solveig“

Am 4.8.2017 erscheint das Debüt der amerikanischen Seven SpiresSolveig“ über das Label SAOL / cmm.

Seven Spires bewegen sich zwischen Melodic Death Metal und Melancholic Power Metal, Frontfrau Adrienne Cowans facettenreicher Gesang malt mal klassisch opernhaft und mal mit Extreme Vocal Techniken die düstere Geschichte Solveigs in einer neo-viktorianischen Unterwelt, die fast einem Reich der Toten und doch unsterblichen Wesen gleicht. Fern der Sonne, und doch düster schön und einzigartig. Die bizarre Kälte saugt man ein und wird ein Teil dieser Welt, die sich hier musikalisch ausbreitet. Glaubt man erst, man sei nur ein Betrachter dieses Panoptikums, stellt man sehr schnell fest, doch ein festes Mitglied zu sein, das sich nach dem Düsteren sehnt und doch das Licht schmerzlich vermißt.

Dabei bemerkt man den Hintergrund der Vier – sie studierten an dem Berklee College of Music – und hört manchmal eindeutig, manchmal versteckt auch verschiedene Filmthemes heraus. Gleich beim ersten Track „The Siren“ schimmert „Harry Potter“ durch und das so geschickt, daß ich tatsächlich dreimal zurück geskippt habe, um mich dessen zu versichern.

War das „Intro“ eher ruhig und träumerisch, knallt „Encounter“ richtig rein. Schwungvoll erinnert mich die Nummer Nightwish – „Imaginaerium“. Eine verführerische Seele treibt den Schmerz unter die Haut und lockt und verführt, das Reich zu betreten. Oder ist Solveig (und damit der Zuhörer) schon längst in einer Welt gefangen, die grausam schön ist?

Der kristallklare Gesang Adrienne‘s wandelt sich zu rotzig kratzig im nächsten Song „The Cabaret Of Dreams“. Dabei vermittelt sie die Botschaft des Songs: Betrachte die bizarre Welt vor dir, sei erstaunt und fürchte dich nicht. Befreie dich von deiner geistigen Gesundheit und hole dir mehr von dieser Welt, wenn du zurückkehrst. Und du wirst zurückkehren…

In „Choices“ kommt ein wenig das „Terminator-Theme“ durch, bevor es sehr rasch an Tempo zulegt. Wieder verführt Adrienne, und fordert, hinter die Matrix zu blicken. Das Leben, das Solveig lebt, ist kein Leben. Aber folgt sie weiter dem vorgezeichneten Weg, so werden ihre tiefsten Sehnsüchte erfüllt werden. Sie muß nur ins Dunkle gehen, um ihr Ziel zu erreichen.

Closure“ schließt mit allem ab, was bisher im Leben passiert ist. Nun kann Solveig nichts mehr aus der Vergangenheit heimsuchen, ohne Vergangenheit bleibt keine Hoffnung in die Zukunft. Aber kann man seinem Schicksal wirklich entfliehen, wenn man vergangene Kapitel abschließt?

Ich suche ja immer die Vampirthemen in den Songs… in „100 Days“ trifft Solveig auf einen Mann, der seit 100 Tagen alleine ist. Gefangen in der Dunkelheit, sie ist ruhig, aber er ist einsam. Doch er gibt nicht auf, seine Liebste zu finden, was sich in „Stay“ fortsetzt. Sie bittet ihn zu bleiben, denn die Alpträume werden in der Sonne verbrannt werden. Sie werden nur schmerzen, wenn er dagegen kämpft.

Stimmlich verändert growlt sich Adrienne durch „The Paradox“, das wie ein Alptraum auf den Zuhörer sinkt. Grausam teilt sie mit, daß es kein „Leben danach“ gibt, alles eine fiese Lüge ist. Dieses Märchen als Hoffnung für die Sterbenden gibt es nicht. Es gibt nur die bittere Finsternis.

Depths“ zeigt wieder eine Variation eines Filmthemes. Erkennt ihr es? Ich fühle mich wie in einem Spiegel gefangen. Klirrend kalt und doch gleichzeitig auch wie unter Wasser, weit entfernt von der Oberfläche, die das strahlende Sonnenlicht sieht.

Wie Solveigs Geschichte weitergeht, müßt ihr allerdings selbst erkunden. Ich verrate nicht, ob es ein Happy oder Sad End gibt. Oder ob das Happy eigentlich ein Sad End ist. Auf jeden Fall hat mich Solveigs Reise sehr berührt und nicht nur die angedeuteten Filmthemes haben eine Geschichte erzählt. Ich finde es großartig, daß die Band so ausgefeilt arbeitet und sich ein Konzept für ihre Musik überlegt hat, die gleich einem Film oder Buch den Zuhörer auf eine Reise mitnimmt. Wagt es, und lernt Solveigs Reise in die Unterwelt durch Seven Spires kennen.

 

eure Luna ^v^

 

Seven Spires Line-Up:
Adrienne Cowan – Vocals
Jack Kosto – Guitars
Peter de Reyna – Bass
Chris Dovas – Drums

 

Neue CD von Bloody Dead And Sexy: „Crucifixion Please!“

Am 26.5.2017 erschien von den deutschen Bloody Dead And SexyCrucifixion Please!“ über das Label Alice In…

Musikalisch bewegt sich die Band im Gothic/Punk/Death-Rock. Also richtig ordentlich oldschool. Mit jaulender Gitarre und klagendem Gesang schwingt man sich richtig depressiv ein und sinniert über die guten alten Gothzeiten, in denen man noch über weltbewegende Themen mit einem Glas Wein im dunklen Raum sinnierte und nicht den neuesten Katalog von XY wälzte, um sich das stylishste Outfit für das nächste Festival auszusuchen.

Sick 6 Minutes“ ist so ein klagender Gesang, der sich mental über die Ohren ins Kleinhirn schraubt und sich festhängt. Fast psychodelisch kratzt er sich ins Gehirn und man hat nur noch den Wunsch, es der Bitch so richtig zu zeigen. Wer dann noch behauptet, die Sonne mache albern, der hat das Thema „Gothic“ irgendwie falsch verstanden.

The Rose Red Bloody Stage“ hat schon fast etwas Bluesartiges. Gleichzeitig tanzt vor dem Inneren Auge Salma Hayek mit ihrer Python auf dem Tisch von George Clooney, während draußen der Türsteher sämtliche Pussy-Varianten im Titty Twister anpreist… Yeah, ein so richtiger böser Song, sinnlich und gemein. Und ich schau mich gerade um, ob sich schon ein Reißzahnträger geoutet hat.

Hey Ho Armageddon“ kurzer knapper Text, überraschend mit einer kleinen deutschsprachigen Einlage neben dem lasziven Gestöhne einer Frau. Dieser Song ist eher ein Kunstwerk und sehr interessant, wie aussagekräftig so ein paar Zeilen Text sein können.

Als letzten Song hab ich mir „Candy Box“ herausgepickt, hier gefällt mir besonders die Musik. Das Leben ist eine Schachtel voller Süßigkeiten, wenn man richtig auswählt. Es gibt auch Mißgriffe, aber dann erwischt man wieder eine Leckerei. Absolut treffend.

Fazit: Diese Band legt mehr wert auf musikalische Klangbilder, baut über 17 Tracks Kunstwerke, bei denen das Kopfkino getrost angeworfen werden kann. So kann der Geist auch einfach mal entspannen und vor sich hindämmern, ohne daß er über weltpolitische Themen, die Liebe oder das Leben im Allgemeinen grübeln muß. Sehr tanzbarer Sound für die Clubs die eine wirkliche Gothic-Retro-Nacht anbieten wollen. Psychodelischer Death-Rock Guide, das trifft es im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Anspieltips: „Candy Box“ und „One By One

 

eure Luna ^v^

 

Line-Up:

Gesang – Rosa Iahn
Gitarre – Matias 13
Bass – Tim Schande
Schlagzeug – Björn Henningson

Debüt EP von Scherbentanz: „Reflektion“

Am 17.5.17 erschien von der Regensburger Band Scherbentanz das Debüt „Reflektion“ über das Label Spinnup.

Auf 5 Tracks präsentieren sie NDH Sound verknüpft mit gothischen Themen. Wobei Scherbentanz hier verzichten einen weiterer Rammstein-Klon zu sein und etwas eigenes schaffen. Durchaus hart im Klang, aber ohne Einsatz übermäßig elektronischer Untermalung. Das einzig „typisch“ verbindende ist die getragen – pathetische Stimme des Sängers Dominik mit dem rollenden „R“. (Was aber, da die Band aus Regensburg stammt eher „normal“ ist und auch dem Dialekt bedingt gezollt werden kann.)

Der erste Track „Scherbentanz“ beschäftigt sich mit der Vergangenheit und ihren Auswirkungen. Wir (Gothics) halten an dem Alten fest, tanzen lieber auf den Scherben, als alles abzureißen und neu aufzubauen. Risse werden gestopft und geflickt – ein Song, der gegen die Wegwerfmentalität der Gesellschaft angeht. Das ist ein Thema, das mir sehr behagt, denn gerade die moderne Welt kittet nichts mehr und frönt nur noch dem Konsum, der uns früher oder später zerreißen wird. Oder haut es uns irgendwann die geflickten Brocken um die Ohren?

Die List“ zeigt die falsche Fassade. Hinter einem wohlgefälligen Äußeren verbirgt sich das Hässliche und Böse der Göttin. Man sollte nie davon ausgehen, dass der Mensch, der sich wunderbar gibt und optisch toll aussieht auch wirklich bei näherem Kennenlernen auch ein wertvoller Mensch ist. Besonders nicht, wenn es diese Person sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, selbst ihre Illusion zu glauben.

Wie sich das moderne Leben auf den Menschen auswirken kann, wird in „Ausgebrannt“ besungen. Immer am Kämpfen, immer das Ziel und das Soll erfüllen, erschöpfen und fressen die Seele auf. Wenn man selbst seine leeren Flecken im Termin-Kalender mit Aktivitäten vollstopft, zerbricht man. Die Erkenntnis, dass man nur ein Leben hat und zurückschalten sollte, kommt zu spät.

Eine kleine, feine EP mit interessanten Einsichten. Dabei mit ansprechenden Texten, die absolut nicht kryptisch verschlüsselt abgefasst sind, aber durchaus einen pathetischen Vortrag darstellen. Die Melodien haben ein großes Mittanzpotential, eignen sich aber zugleich als Background Musik an einem netten Clubabend. Auch ist der Einsatz von elektronisch verzerrten Klängen vorhanden, aber nicht übermäßig oder übertrieben. Als Anspieltipp hätte ich hier „Kinder der Erde“ – das Zusammenspiel von hartem Metal mit dem zarten, ruhigen Piano ist sehr gelungen.

Eure Luna ^v^

 

Line-Up:
Dominik Franciosi – Vocals
Florian Stangl – Guitar
Virgil Fenzl – Keyboards, Synthesizer
Jürgen Schäfer – Drums
Dirk Wendler – Bass

 

Scherbentanz live:
2.12.17 Osterhofen, zum Haber

Bestellbar bei Amazon!

Neue CD von Dust In Mind: „Oblivion“

Am 7.4.2017 erschien das Album der französischen Band Dust In MindOblivion“ über das Label DarkTunes.

In einer surrealen Welt verknüpfen sich aktuelle Themen der Wirklichkeit mit Phantasie. Aufgebaut wird das als Zirkus alla American Horrorstory und einer verdrehten Märchenkulisse. Dazu Female-Fronted-Metalmusik, die durchaus mit Größen wie Nightwish, After Forever und Within Temptation mithalten kann.

Der erste Track der zehn Schätzchen „Get Out“ greift das Thema Lügen und den Glauben daran auf. Hinter den schönen Geschichten und wohlklingenden Worten sitzt ein Dämon. Wenn es gelingt, ihn zu belügen, dann ist er in seinem „eigenen Spiel“ besiegt.

Der Song „Lullaby“ geht gegen Pädophilie. Jen berichtet in sehr eindrücklichen Worten, wie die Seele eines Kindes zerstört wird, wenn niemand das Kind sieht und hört in seiner Not. Diese Kerle haben kein Gewissen und Jen findet klare Worte: Es geschieht nicht mit Fremden, sondern mit den eigenen Verwandten. Wie kann so jemand bei der eigenen Frau liegen und schlafen, wenn er vor den eigenen anvertrauten Kindern so ein krankes Zeug abzieht.

Mobbing ist das Thema von „I‘m Different“. Nur weil man anders ist, ist es kein Grund gemobbt zu werden. Jeder möchte einzigartig sein und als Individuum wahrgenommen werden, aber wenn man es macht, passt es dem Mainstream nicht. Jeder dumme Spruch kratzt an der Seele und macht einen kaputt, bis man aufgibt und sich dem Normalen anpasst, nur um dem Hass nicht mehr begegnen zu müssen.

Das Thema „Oblivion“ (Vergessenheit) ist dagegen wieder auf vieles anzuwenden. Sie kommt ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung. Sind wir vergessen, wenn wir tot sind? Sind unsere Taten mit dem Lebensende vergessen? Oder vergisst man den Hass, der einem entgegensprüht, eines Tages? Man weiß irgendwann nur noch, dass man vergessen hat, aber nicht mehr was…

Psychische Krankheiten und die medikamentöse Therapie wird in dem Song „Anesthesia“ aufgegriffen. Eindrücklich beschreibt Jen hier die tröstende Wirkung des sicheren Nests in einer Klinik und die willkommene Ruhigstellung durch Medizin. Doch auch das Gift, das lähmt und einen fürchten lehrt. Es wird zum Erzfeind, ohne die Abhängigkeit ist das Leben nicht mehr zu schaffen, denn es hält einen gefangen.

Ein Album, das nachdenklich macht und tiefer in die Seele der Menschen blickt, als man vermuten möchte. So zeigt sich immer die Fratze hinter den bunten lustigen Bildern und wird von Dust In Mind enthüllt. Im wahrsten Sinne des Wortes wird der Staub in manchem Denken nicht nur aufgewirbelt sondern fortgeblasen.

Anspieltipps: „Mrs. Epilepsy“ und „Coward

eure Luna ^v^

 

Line-Up:

Jen – Vocals
Dam – Vocals, Guitar
Xav – Bass
Jack – Guitar
Jackou – Drums

Bestellbar bei Amazon!